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Energiewende : Harsche Kritik der Stromwirtschaft

  • -Aktualisiert am

Kurz vor dem Bund-Länder-Treffen gibt es harsche Kritik Bild: dpa

Heute wird Peter Altmaier als Umweltminister vereidigt. Doch an der Energiewende kommt Kritik von der Stromwirtschaft. Kanzlerin Merkel schaltet sich stärker in den Umbau der deutschen Energieversorgung ein.

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          Kurz vor dem am Mittwoch angesetzten Bund-Länder-Treffen für eine bessere Umsetzung der Energiewende äußert die Energiewirtschaft scharfe Kritik an den bisherigen Ergebnissen. „Die Summe der Einzelteile ergibt kein Ganzes. Und das, was es ergibt, ist weit von dem entfernt, was die Bundesregierung als grundlegende Planung für die kommenden Jahre vorgegeben hat“, schreibt die Chefin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Hildegard Müller, in einem Standpunkt für diese Zeitung. Ein volkswirtschaftlich sinnvoller Umbau der Energieversorgung sei mit den Ausbauankündigungen der Länder nicht möglich.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Tatsächlich geht der von den Ländern geplante Ökostromausbau weit über das hinaus, was der Bund in seinen Szenarien für die Jahre 2020 und später annimmt. Weil aber schon dafür der Ausbau von Netzen und Kraftwerken nicht reicht, könnte ein weiterer Ausbau der Erzeugung die Probleme vervielfachen.

          Einheitliche Leitlinien

          Dringend notwendig seien einheitliche Planungsleitlinien für Bund und Länder und gemeinsame, verbindliche Zielvorstellungen und eine bessere Koordinierung, verlangt Müller, die früher im Kanzleramt für die Bund-Länder-Koordinierung zuständig war und Merkel gut kennt.

          Mit Blick auf die für diesen Dienstag geplante Ernennung des CDU-Politikers Peter Altmaier zum neuen Umweltminister schreibt Müller, Altmaier habe Erfahrung und Kompetenz, wenn es darum geht, Prozesse zu strukturieren und voranzutreiben. Genau das sei jetzt gefragt. Derweil verstärkt die Bundeskanzlerin ihr sichtbares Engagement für die Energiewende. Am Mittwoch berät sie sich mit den Ministerpräsidenten zu diesem Thema.

          Die SPD-Länder schlagen einen „Masterplan Energiewende und Energiemonitoring“ vor. Nächste Woche wird sich Merkel mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) von der Bundesnetzagentur in Bonn über Netzausbau und der Ausbauplanungen unterrichten lassen. Dann wollen auch die Netzbetreiber ihre Ausbaupläne veröffentlicht haben. Auf dem Programm Merkels steht ferner ein Besuch in der Steuerungszentrale des Stromnetzbetreibers Amprion, der das frühere RWE-Netz betreibt.

          Hildegard Müller: „Die Summe der Einzelteile ergibt kein Ganzes“ Bilderstrecke

          Der von Kohle und Atomkraft abhängige Energiekonzern RWE kündigte an, neben Windkraft die Sonnenenergie ausbauen zu wollen. „Bei der Photovoltaik durchlaufen wir gerade eine Phase der Neubewertung“, sagte der neue Vorstandschef Peter Terium laut Agenturangaben in Bremerhaven. Die Preise für die Module seien so sehr gesunken, wie RWE das nicht für möglich gehalten habe. Solarstrom solle in Südeuropa und Nordafrika erzeugt werden.

          Terium sprach anlässlich der Taufe des Schiffs „Victoria Mathias“, mit dem der Konzern den Bau von Windkraftwerken vor der Küste vorantreiben will. Der scheidende Chef der Ökostromtochter RWE Innogy, Fritz Vahrenholt, äußerte Zweifel, dass die Pläne Deutschlands erreicht werden, bis 2020 Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt aufgestellt werden können. 3000 bis 5000 Megawatt seien aber möglich.

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