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Energiewende : Der Problem-Windpark geht endlich ans Netz

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Der Windpark Riffgat nordwestlich der Insel Borkum Bild: dpa

Dem Offshore-Windpark „Riffgat“ hat monatelang das Stromkabel gefehlt. Deshalb hat er Energie verbraucht, statt sie zu liefern. Und die Verbraucher 100 Millionen Euro gekostet. Heute soll sich das ändern.

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          Ein halbes Jahr Verspätung beim Netzanschluss und Mehrkosten von 100 Millionen Euro für die Verbraucher: Der zweite kommerzielle deutsche Offshore-Windpark in der Nordsee hat bislang vor allem negative Schlagzeilen produziert. Nun soll Riffgat in der Nähe von Borkum an diesem Mittwoch endlich in Betrieb gehen. Die 30 Anlagen mit einer Leistung von 108 Megawatt können bald Strom für rechnerisch 120.000 Haushalte im Jahr einspeisen. Der Weg dahin war allerdings mühsam und zeigt die Schwierigkeiten beim schnellen Ausbau der Offshore-Windkraft für die Energiewende.

          Schon vor Baubeginn sorgte das Projekt für Probleme: Ostfriesische Fischer befürchteten Verdienstausfälle nach der Sperrung großer Seegebiete, durch die das Hochspannungskabel vom Windpark an Land verläuft. Vor Gericht scheitern sie 2009 allerdings.

          Der schwierige Anschluss an das Festland

          Ein weiteres Problem muss die Diplomatie aus dem Weg räumen: Bis heute ist der Grenzverlauf im Seegebiet der deutsch-niederländischen Emsmündung ungeklärt. Der Windpark ist völkerrechtlich zunächst ohne sichere Grundlage, bis sich beide Länder endgültig geeinigt haben.

          Altmunition auf einem Räumungsschiff, die zuvor auf der geplanten Kabeltrasse zum Windpark Riffgat gefunden wurde. (Archivbild 2012)

          Doch das größte Hindernis erwarteten den Oldenburger Energieversorger EWE als Bauherren von Riffgat und seinen Partner, den Windparkplaner Enova, im Sommer 2013. Zwar standen die 30 Siemens -Anlagen und das kleine Umspannwerk jetzt startklar rund 15 Kilometer nordwestlich von Borkum. Doch für den Anschluss ans Festland fehlten noch einige Kilometer. Ein halbes Jahr Verzögerung stand ins Haus, weil der Netzbetreiber Tennet vor der Verlegung des Hochspannungskabels überraschend auf explosive Altlasten gestoßen war: Etliche Tonnen Munition aus dem Zweiten Weltkrieg lagen noch im Wasser und mussten aufwendig geborgen werden (siehe Bild).

          Die Panne sorgte bundesweit für Spott, Riffgat wurde zum Symbol einer verkorksten Energiewende. Denn statt Strom zu erzeugen, mussten die 30 Anlagen nun mit Notstrom-Dieselaggregaten gekühlt und bewegt werden - Abgasrauch statt grünem Ökostrom.

          Ein Spezialschiff zum Verlegen des Kabels wartet im Spätsommer 2013 auf seinen Einsatz

          Die Schuld für diese Misere schieben sich Tennet und EWE gegenseitig zu. „Das war so nicht vorhersehbar“, begründet eine Tennet-Sprecherin die Verzögerung. 60 Spezialisten seien Tag und Nacht für die Bergung von 30 Tonnen Munition im Einsatz gewesen. „Zu den Mehrkosten von 100 Millionen Euro hat die Planung der Seekabeltrasse durch den Windparkbetreiber geführt“, sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann. EWE-Chef Werner Brinker verweist dagegen auf nicht eingehaltene Terminzusagen von Tennet und eine zu spät gestartete Munitionsbergung.

          Letztlich zahlt der Verbraucher die Zeche für die teure Panne. Bei bis zu 480 Millionen Euro Baukosten pocht die EWE auf einen Ausgleich für den Strom, den sie nicht verkaufen konnte, und fordert eine Entschädigung von Tennet. Der Netzbetreiber verweist auf gesetzliche Regelungen, wonach letztlich der Verbraucher über den Strompreis dafür aufkommen soll.

          EWE plant vorerst keine weiteren Offshore-Windparks mehr. Ohne geänderte Rahmenbedingungen sei nicht genug Geld da für derartige Investitionen, sagt Vorstandschef Brinker.

          Der Offshore-Windpark Riffgat

          Der Offshore-Windpark Riffgat ist ein Projekt des Oldenburger Energiekonzerns EWE in Zusammenarbeit mit dem Entwickler Enova. Die 30 Windräder stehen etwa 15 Kilometer nordwestlich der ostfriesischen Insel Borkum im gut 20 Meter tiefen Nordseewasser. Die Gesamtkapazität vom 108 Megawatt reicht nach EWE-Angaben aus, um 120.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Windmühlen stehen jeweils auf einem einzelnen dicken Stahlrohr, das 40 Meter tief in den Meeresboden gerammt wurde. Zum Offshore-Windpark gehört eine Umspannplattform mit Hubschrauberdeck. Ein 80 Kilometer langes Kabel, davon 50 Kilometer auf See, schließt die Anlagen an das Umspannwerk Emden an.

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