https://www.faz.net/-gqe-wgx1

Energieversorgung : Südafrika ohne Strom

Kerzen sind ständige Begleiter: In Südafrika sind die Netzleitungen überlastet Bild: AFP

In Südafrika kommt es täglich zu Stromausfällen, und das wird nach Schätzungen auch in den kommenden fünf bis acht Jahren so bleiben. Ampeln und Alarmanlagen fallen aus, die Menschen speisen bei Kerzenlicht und die Wirtschaft leidet. Sogar während der Fußball-WM 2010 droht das Licht auszugehen.

          4 Min.

          Der Fischhändler im Dunkeld-Einkaufszentrum nördlich von Johannesburg steht verzweifelt in seinem leeren Laden. „Schon wieder kein Strom“, stöhnt der alte Mann. Die Garnelen aus Moçambique und der Lachs vom Kap liegen in dunklen Tiefkühlregalen. Bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad kann man zusehen, wie das Eis schmilzt. Ein paar Meter weiter im Café der „Fournos Bakery“ sitzen die Gäste bei lauwarmem Filterkaffee. Latte oder Cappuccino gibt es nicht. „Vielleicht dauert es eine Viertelstunde, vielleicht drei Stunden, bis wir wieder Strom haben“, sagt die Kellnerin.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Südafrika erlebt derzeit die größte Versorgungskrise seit Jahrzehnten. Am Montagabend verbrachten 900 Menschen in Kapstadt eine halbe Nacht auf dem Tafelberg, nachdem ein Stromausfall den Gondelbetrieb außer Betrieb gesetzt hatte. Der nationale Stromversorger Eskom schaltet täglich für mehrere Stunden den Strom ab, um das Stromnetz zu entlasten. Nach fünf Jahren kräftigen Wirtschaftswachstums übersteigt die Stromnachfrage bei weitem die Lieferkapazität des größten Versorgers Afrikas. Besonders betroffen ist die Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Die Folgen für die Wirtschaft sind bisher noch nicht abzusehen. Sie dürften dramatisch sein.

          Unfreiwillige „Candle-Light-Dinners“

          In Johannesburg hat man sich mittlerweile daran gewöhnt, dass fast jedes Abendessen in der Woche zu einem unfreiwilligen „Candle-Light-Dinner“ wird. Einige Restaurants werben nicht mehr mit ihrem Speisenangebot um Gäste, sondern hängen Plakate an den Zaun, dass sie über einen eigenen Generator verfügen.

          Dem Land, das 2010 die Fußballweltmeisterschaft ausrichtet, geht buchstäblich der Saft aus. Nach Schätzung eines Eskom-Sprechers bleibt der Strom in den kommenden fünf bis acht Jahren knapp. Es wird bereits gewitzelt, dass die Fußballmannschaften in dunklen Stadien spielen müssen - freilich nur die Herausforderer des südafrikanischen Teams „Bafana Bafana“. Dass dies nicht völlig abwegig ist, zeigte schon die Rugby-Weltmeisterschaft Ende vergangenen Jahres. Vor dem Halbfinale appellierte Eskom an die Bevölkerung, Strom zu sparen, um nicht im spannendsten Moment vor einem schwarzen Bildschirm sitzen zu müssen. Viele Fans schafften sich vorsorglich einen eigenen Generator für ein paar tausend Euro an. In den wichtigen Momenten des Lebens vertrauen die Südafrikaner schon lange nicht mehr auf ihren Stromversorger.

          Die niedrigsten Erzeugerstrompreise der Welt

          Volkswirte sehen die Schuld bei der Regierung, die den Strombedarf über Jahre hinweg unterschätzt und dem immer noch in Staatshand befindlichen Monopolisten zwanzig Jahre lang keine Strompreiserhöhungen über die Inflation hinaus genehmigt hat. Investitionen in dringend benötigte weitere Kraftwerke sind daher unterblieben. Südafrika hat noch heute die niedrigsten Erzeugerstrompreise der Welt. Dies geht zurück auf die frühen achtziger Jahre, als der Versorger weit über den Bedarf Strom produzierte.

          Weitere Themen

          Neue Konkurrenz belastet Netflix

          Videodienst : Neue Konkurrenz belastet Netflix

          Der Videodienst liegt über seiner eigenen Prognose, gewinnt mehr Abonnenten als erwartet und schneidet vor allem in Europa gut ab. Auf dem Heimatmarkt jedoch sieht sich Netflix neuer Konkurrenz gegenüber.

          Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs Video-Seite öffnen

          Davos : Trump und Thunberg auf Konfrontationskurs

          Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist der amerikanische Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. „Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen“, sagte er.

          Boeing rechnet mit Flugverbot bis zum Sommer

          737 Max : Boeing rechnet mit Flugverbot bis zum Sommer

          Seit fast einem Jahr darf Boeings 737 Max nicht mehr abheben. Der amerikanische Luftfahrtkonzern rechnet mit einer Wiederzulassung der Baureihe erst Mitte 2020. An der Börse rutscht die Boeing-Aktie um fünf Prozent ab.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.