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Energiesicherheit : Gasprom-Drohung: Berlin pocht auf Vertragstreue

  • Aktualisiert am

Die Macht in Moskau: Gasprom Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Während Europa sich nach Drohungen des russischen Energieriesen um seine Vesorgungssicherheit sorgt, soll Gasprom bei seinem Streben nach einer Beteiligung an Eon vor dem Durchbruch stehen. Nicht nur Österreich ruft nach Alternativen. Pipelines Richtung Iran?

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          Die Drohung des russischen Energiekonzerns Gasprom, unter Umständen Gaslieferungen nach Europa zu reduzieren und sich nach alternativen Partnern in Nordamerika und China umzusehen, ist bei der Bundesregierung auf Unverständnis gestoßen. Drohungen seien nicht hilfreich, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhlem am Freitag in Berlin. Er gehe davon aus, daß die guten Lieferbeziehungen mit Rußland „ungebrochen fortgeführt“ werden. Wichtig sei, daß die EU gemeinsam einseitige Abhängigkeiten bei Energie-Importen vermeide.

          Bundeswirtschaftsminister Michael Glos ist überzeugt, daß Gasprom seine langfristigen Verträge einhält. „Ich gehe davon aus, daß die russische Seite kein Interesse haben kann, die langfristigen Verträge nicht einzuhalten.“ Er werde das Thema bei den deutsch-russischen Regierungskonsultationen in der nächsten Woche ansprechen, sagte Glos dem „Handelsblatt“.

          Österreichs Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hatte zuvor die EU aufgefordert, Alternativen zu russischen Erdgas-Importen zu suchen. „Die Europäische Union tut gut daran, alternative Pipeline-Projekte voranzutreiben. Das ist das Gebot der Stunde“, sagte Bartenstein, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, dem Berliner „Tagesspiegel“. Er nannte als Beispiel das sogenannte Nabucco-Pipeline-Projekt, das die EU bis 2011 mit kaspischen und iranischen Erdgasvorkommen verbinden soll.

          „Europa muß seine Energiepolitik ändern“

          Auch die Internationale Energieagentur (IEA) hat Europa davor gewarnt, sich bei der Versorgung allzu sehr auf Gaslieferungen aus Rußland zu verlassen. IAEA-Chefvolkswirt Fatih Birol sagte der „Financial Times Deutschland“ vom Freitag: „Europa muß seine Energiepolitik ändern, um nicht in gefährliche Abhängigkeiten von russischem Erdgas zu geraten. (...) Die neuen Äußerungen sind ein Warnzeichen und sollten den europäischen Politikern die Augen öffnen.“

          Die IEA betonte, daß die Kernenergie die Abhängigkeit von russischem Gas senken könne (siehe den Kommentar: Es werde Licht). „Ein entscheidender Anteil der Lösung kann die Kernenergie sein“, sagte Birol. Derzeit arbeitet die IEA der Zeitung zufolge an einer Studie, die den Einsatz der Kernenergie befürworten wird.

          Gasprom versucht zunehmend, direkt auf den europäischen Gasmärkten als Versorger tätig zu werden statt europäische Konzerne zu beliefern. Dagegen rührt sich in mehreren EU-Ländern Widerstand, die um die Sicherheit ihrer Energieversorgung fürchten (siehe dazu: Gasproms Drohung verstärkt Skepsis in der EU).

          Merkels Wirtschaftsdiplomatie

          Die deutschen Energieriesen Eon und RWE stehen Zeitungsberichten zufolge in intensiven Verhandlungen mit dem nach Westeuropa drängenden russischen Gasmonopolisten Gasprom. Eon stehe vor dem Abschluß eines Abkommens über eine Beteiligung von Eon-Ruhrgas an dem sibirischen Gasfeld Yuschno Russkoje, berichtete das „Handelsblatt“ am Freitag unter Berufung auf politische Kreise in Moskau. Der Vertrag über den Einstieg von Eon-Ruhrgas beim Gasfeld Yuschno Russkoje solle am kommenden Donnerstag in der sibirischen Stadt Tomsk im Beisein von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Rußlands Präsident Wladimir Putin unterzeichnet werden. Im Gegenzug wolle Eon dem russischen Gasmonopolisten eine Beteiligung in Mittel- und Osteuropa anbieten. Dabei gehe es vor allem um Ungarn, Tschechien, Bulgarien und Rumänien. Von Eon war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

          Eon und Gasprom sind bereits Partner. Deutschlands größter Gasimporteur Eon-Ruhrgas erhält etwa ein Drittel seiner Importe aus Rußland. Eon ist mit 6,5 Prozent an Gasprom beteiligt und wie die BASF-Tochter Wintershall Partner von Gasprom bei der geplanten Ostsee-Pipeline, durch die ab 2010 russisches Erdgas von Sibirien nach Deutschland gepumpt werden soll. Seit Ende März ist Altbundeskanzler Gerhard Schröder Aufsichtsratschef des Pipeline-Konsortiums.

          „Halboffizielle“ Verhandlungen mit RWE?

          Über RWE berichtete die „Berliner Zeitung“ ohne Angaben von Quellen, dort würden „halboffiziell“ Verhandlungen mit Gasprom über Projekte auf dem deutschen Markt eingeräumt, etwa über den Bau neuer Kraftwerke. „Wir kommentieren keine Marktspekulationen“, sagte eine RWE-Sprecherin.

          Auch RWE führt bereits seit längerem Gespräche mit Gasprom. Dabei gelte aber weiter die Aussage von Konzern-Chef Harry Roels von Ende Februar, sagte die Sprecherin. „Die Gespräche mit Gasprom haben bisher keine Vereinbarung gebracht“, hatte Roels damals gesagt. Er hatte nach eigenen Angaben auch direkte Gespräche mit Gasprom-Chef Alexej Miller geführt. Teams beider Seiten setzten die Beratungen über gemeinsame Projekte fort. Roels hatte dabei auf Möglichkeiten bei der Gasförderung und bei Pipelines verwiesen.

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