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Energiekonzerne : Regulierer kürzt Netzkosten

Der Anteil der Netzgebühren am Strompreis für Haushaltskunden liegt bei knapp 32 Prozent Bild: ddp

Die großen Stromversorger müssen sich auf massive Kürzungen der beantragten Netzentgelte einstellen. Am härtesten trifft es nach Informationen der F.A.Z. den Stromkonzern EnBW. Die Bundesnetzagentur kappt den eingereichten Kostenantrag um 29 Prozent.

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          Die großen Stromversorger müssen sich auf massive Kürzungen der beantragten Netzentgelte einstellen. Am härtesten triff es nach Informationen dieser Zeitung EnBW: Wie aus Branchenkreisen verlautete, wird die Bundesnetzagentur den eingereichten Kostenantrag um 29 Prozent kappen. Für RWE sei eine Kürzung um 28 Prozent zu erwarten, während Vattenfall mit einem Minus von 15 Prozent vergleichsweise glimpflich davonkomme. Über den Antrag des Branchenführers Eon will die Netzagentur erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden. Ein Sprecher der Behörde lehnte jeden Kommentar zur Höhe der Kürzungen ab. Er bestätigte lediglich, dass die drei Bescheide fertiggestellt und verschickt worden seien. Voraussichtlich werde sich die Netzagentur an diesem Donnerstag zu den ersten Ergebnissen der Genehmigungsrunde äußern. Auch die Konzerne wollten offiziell noch nicht Stellung nehmen.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Wien.

          Dem Vernehmen nach hat die Netzagentur unter anderem die kalkulierten Zinsansprüche kräftig nach unten korrigiert. Weitere Abschläge beträfen die Bewertung des Sachanlagevermögens, weil die Behörde bei den historischen Abschreibungen anders gerechnet habe als die Antragsteller. Der Effekt der Kürzungen auf die Endverbraucherpreise dürfte sich in Grenzen halten. Der Anteil der Netzgebühren am Strompreis für Haushaltskunden liegt zwar immerhin bei knapp 32 Prozent. Die nun erwarteten Kürzungsbescheide betreffen jedoch nur diejenigen Kosten, welche die Versorger 2008 in ihre Nutzungsgebühren für die Höchstspannungsnetze einrechnen dürfen.

          Versorger hatten ihre Anträge höher als bislang angesetzt

          Zudem hatten die Unternehmen ihre Anträge deutlich über dem Niveau des Vorjahres angesetzt. Nach früheren Angaben von Netzagenturpräsident Matthias Kurth waren Aufschläge von zum Teil mehr als 20 Prozent verlangt worden. Unter anderem haben die Versorger wegen der gestiegenen Strompreise höhere Kosten für Ausgleichsenergie kalkuliert. Dadurch steigen tendenziell die Netzkosten in Regionen mit einem hohen Anteil von Windenergie. Dies erklärt zum Teil, warum die Kürzung für den überwiegend in Ostdeutschland tätigen Konzern Vattenfall vergleichsweise niedrig ausfällt.

          Ob die Entgelte nach der Korrektur durch die Regulierungsbehörde unter dem Strich niedriger sein werden als im Vorjahr, ist offen. In der ersten Genehmigungsrunde hatte die Netzagentur die beantragten Kosten 2007 um durchschnittlich 13 Prozent gekürzt. Gegenüber den Anträgen errechnete sich ein Abschlag von rund 2 Milliarden Euro. Dadurch gelang es immerhin, den Anstieg der Strompreise zu dämpfen: Innerhalb eines Jahres sanken die durchschnittlichen Stromnetzentgelte für Haushaltskunden von 7,3 auf 6,3 Cent je Kilowattstunde. Höhere Beschaffungskosten sowie steigende Steuern und Abgaben trieben den Strompreis nach Angaben der Netzagentur aber um etwa 6 Prozent in die Höhe.

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