https://www.faz.net/-gqe-vcge

Energiekonzerne : GDF und Suez fusionieren

Suez-Chef Gerard Mestrallet (l) und Gaz-de-France-Chef Jean-François Cirelli Bild: AFP

In Frankreich entsteht ein neuer Energieriese. Die beiden Konzerne GDF und Suez schließen sich zusammen. Die Fusion führt formal zur Privatisierung des Staatskonzerns GDF. Doch Paris bekommt eine Sperrminorität von gut 35 Prozent am neuen „Energiechampion“.

          2 Min.

          Die Fusion der beiden französischen Energiekonzerne GDF und Suez ist beschlossen. Wie die Firmen am Montag gemeinsam mitteilten, stimmten beide Direktorien einer Fusion unter Gleichen zu. Der nun vereinbarte Aktientausch basiere auf einem Verhältnis von 21 GDF-Aktien zu 22 Suez-Aktien. Der französische Staat werde mit „mehr als 35 Prozent“ an dem neuen Unternehmen mit dem Namen GDF Suez beteiligt sein. Derzeit hält der Staat an GDF rund 80 Prozent. Durch die Fusion werde pro Jahr etwa eine Milliarde Euro über Synergien eingespart. Der Zusammenschluss solle im nächsten Jahr so rasch wie möglich abgeschlossen werden, teilten die Firmen mit.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Damit entsteht - gemessen an der Marktkapitalisierung - einer der größten Energieanbieter der Welt entstehen. Auf Grundlage des Umsatzes aus dem Jahr 2006, könnte der neue Konzern in Europa an der Spitze stehen.

          Sarkozy skeptisch

          Der Zusammenschluss war bereits im Februar 2006 vom französischen Premierminister Dominique de Villepin verkündet worden. Er reagierte damit auf den Versuch des italienischen Konkurrenten Enel, Suez zu übernehmen. Doch juristische Hürden, der Widerstand der Gewerkschaften und schließlich der Wechsel von Staatspräsident und Regierung in Frankreich verzögerten den Zusammenschluss.

          Bild: F.A.Z.

          Staatspräsident Nicolas Sarkozy galt nie als großer Freund der Fusionsidee. Nun hat er sich dazu durchgedrungen, drückt ihr aber einen eigenen Stempel auf. Sarkozy verlangte von Suez, das Geschäft mit der Abfallentsorgung und der Wasserversorgung mit seinem geschätzten Marktwert von rund 20 Milliarden Euro und einem Umsatz von gut 11 Milliarden Euro abzutrennen.

          Unter massivem Druck eingelenkt

          Durch diese Schrumpfung würde das Ziel einer „Fusion unter Gleichen“ mit dem mehrheitlich staatlichen GdF-Konzern weitgehend eingehalten. In den vergangenen Monaten ist der Börsenwert von Suez auf 53 Milliarden Euro gestiegen und damit deutlich stärker gewachsen als jener von GdF mit seinen 36,2 Milliarden Euro. Die ursprünglich vereinbarte Sonderdividende, die der Staat als GdF-Großaktionär an die Suez-Anteilseigner überweisen wollte, hätte damit auf rund 6 Milliarden Euro anwachsen müssen - eine inakzeptable Summe für Sarkozy.

          Suez-Präsident Gérard Mestrallet hatte sich lange gegen die Forderung einer Aufspaltung gewehrt, denn er verwies auf die Synergieeffekte der beiden Geschäftsbereiche: Gerade im Auslandsgeschäft würden die breiten Kontakte zu Kommunen und nationalen Behörden Suez bei der Auftragsvergabe in beiden Sektoren helfen. Unter dem massiven Druck von Sarkozy soll Mestrallet jetzt aber eingelenkt haben, hieß es in Paris, zumal offenbar auch einige einflussreiche Mitglieder des Suez-Verwaltungsrates auf die Linie des Staatspräsidenten eingeschwenkt sind.

          Protestaktionen angekündigt

          Mit der Fusion wird ein führender Anbieter von Nuklearenergie und Gas entstehen. Das neue Unternehmen ist nach eigenen Angaben der größte Gasverkäufer Europas in Bezug auf das Vertriebsnetz, Kunden und das Einkaufsvolumen. Im Hinblick auf die Energieerzeugungskapazitäten - die Suez-Tochtergesellschaft Electrabel verfügt über sieben Kernkraftwerke in Belgien - wäre das Unternehmen die Nummer fünf in Europa.

          Unklar ist noch, in welcher Form sich Suez von seinem Umweltgeschäft trennen soll. In Unternehmenskreisen hieß es, dass die Suez-Aktionäre auf dem Wege eines „Spin-off“ kostenlos Aktien einer an der Börse notierten Suez-Umwelt-Gesellschaft erhalten könnten. Suez-Chef Mestrallet dringe aber darauf, dass der Stammkonzern 34 Prozent an der abgespalteten Gesellschaft behalte, hieß es in Paris, womit er sein Gesicht einigermaßen wahren könne.

          Von dieser Konstruktion ist auch abhängig, welchen Anteil der französische Staat an dem neuen Energiekonzern behalten wird. Ursprünglich war vorgesehen, dass 34 Prozent in öffentlicher Hand bleiben; dieser Anteil könnte jedoch auch auf mehr als 40 Prozent klettern, meinten Analysten. Gewerkschaften und die sozialistische Partei waren von Anfang an gegen die Fusion und haben nun Protestaktionen angekündigt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Arbeiten schon lange erfolgreich zusammen: der CDU-Vorsitzende Armin Laschet (links) und Nathanael Liminski (rechts)

          CDU-Vorsitzender : Laschets Vertraute

          Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist jetzt Bundesvorsitzender der CDU – und hat noch einiges vor. Auf wessen Rat hört er?
          Britische Zeitungen am Tag nach dem Interview.

          Harry und Meghan : Rassismus bei den Royals?

          Eine familiäre Seifenoper hat sich in eine kleine Staatsaffäre verwandelt. Wenn sich sogar Boris Johnson äußern muss, wurde tatsächlich eine „Atombombe gezündet“.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.