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Energie : Verlegenheit nach dem großen Stromausfall

  • -Aktualisiert am

Die Investitionen in das Netz sind deutlich gesunken, trotzdem werden die Leitungen stärker strapaziert Bild: AP

Der Energiekonzern Eon hat die Verantwortung für den Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas übernommen. Eine neue EU-Behörde zur europaweiten Netzsicherung sei jedoch nicht nötig, sagte Bundesumweltminister Gabriel.

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          Der Energiekonzern Eon hat die Verantwortung für den Stromausfall in weiten Teilen Westeuropas übernommen. „Ich bin besonders dankbar dafür, daß es nicht schlimmer gekommen ist, weil die Ursache bei Eon lag“, sagte das für Energie zuständige Eon-Vorstandsmitglied Maubach im ZDF. Der Stromausfall am Samstag abend habe seinen Ursprung in einer von Eon stillgelegten Leitung über den Fluß Ems.

          Dort hatte die Meyer-Werft in Papenburg ein neues Kreuzfahrtschiff in die Nordsee auslaufen lassen wollen. Deshalb sei eine Leitung über die Ems außer Betrieb genommen worden. Am Montag abend startete die Werft einen neuen Versuch, das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Pearl“ unter der Leitung hindurch in Richtung Nordsee auslaufen zu lassen.

          Kettenreaktion nach der Abschaltung

          Der Stromausfall entfachte eine Grundsatzdebatte über zentrale Ursachen und Konsequenzen. Die Betreiber von Windenergieanlagen wiesen Vorwürfe zurück, sie trügen durch überhöhte Einspeisungen eine Mitschuld an der Kettenreaktion nach der Abschaltung der Höchstspannungsleitung. Bundesumweltminister Gabriel (SPD) rief die Stromversorger dazu auf, ihre Netze auszubauen, um Kapazitätsengpässe zu vermeiden. Skeptisch äußerte er sich über den Vorschlag, eine gesamteuropäische Energiebehörde zur Verwaltung der Stromnetze zu schaffen.

          Eine neue Behörde sei nicht nötig, sagte Gabriel, aber „was wir auf jeden Fall brauchen, ist eine Abstimmung der Aufsichtsbehörden.“ EU-Energiekommissar Piebalgs will indessen im Januar Vorschläge für europaweit geltende Vorschriften zur Netzsicherheit vorlegen. „Wir haben ein europäisches Netz - und das muß auch auf EU-Ebene verwaltet werden“, sagte ein Sprecher Piebalgs am Montag.

          Ursachenanalyse noch nicht abgeschlossen

          Die Ursachenanalyse für den Stromausfall ist zwar noch nicht abgeschlossen, doch steht mittlerweile recht zuverlässig fest, daß es mehrere - sich gegenseitig beeinflussende - Gründe für die Störung gegeben hat. Ursprung für den großflächigen Stromausfall war - wie von Eon eingestanden - das Abschalten einer 380-Kilovolt-Hochspannungsleitung im Emsland, um dem Kreuzfahrtschiff die Jungfernfahrt zu ermöglichen: Nur unter der freigeschalteten Hochspannungsleitung kann ein so hoch aufragendes Schiff sicher durchfahren.

          Nach der Abschaltung wurde der Energiefluß auf andere Leitungen verteilt, so daß diese stärker als zuvor belastet wurden. Zudem, und das scheint der zweite Auslöser für die Störung gewesen zu sein, wurde zwischen Emden und Oldenburg zu diesem Zeitpunkt deutlich mehr Windstrom in das Netz eingespeist, als man bei der zuvor erfolgten Simulation des Freischaltvorgangs in das Rechenmodell eingegeben hatte. Die Folge war eine deutliche, kurzzeitige Überlastung der Leitungen.

          Verlängerung des Netzes um 850 Kilometer

          Schutzschalter sprangen an und trennten kaskadenförmig immer mehr Versorgungsleitungen (und damit Regionen) vom Netz, um die Leitungen selbst - wie auch die angeschlossenen Verbraucher - vor Schäden zu schützen. Ob das deutsche Stromnetz sicher ist und ob es vor allem die weiter zunehmenden Windstrommengen störungsfrei wird aufnehmen können, wird in den kommenden Wochen noch intensiver als bisher diskutiert werden. Dabei wird man einige Tatsachen nicht übersehen können.

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