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Energie : Uran ist ein begehrter Rohstoff geworden

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Bild: F.A.Z.

Die Aktien der Minengesellschaften steigen, genauso wie der Preis des Brennstoffs für Atomkraftwerke. Uran ist zweifellos gefragt. Über die Endlichkeit der Reserven gibt es allerdings verschiedene Meinungen.

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          Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat in dem politischen Streit um die Atomkraft klar Stellung gegen längere Laufzeiten der Atomkraftwerke bezogen. Als Grund führte er an, daß der Rohstoff Uran ebenso wie Öl oder Gas begrenzt sei und aus dem Ausland eingeführt werden müsse.

          „Wenn wir unabhängiger werden wollen von Importen, dann ist jedenfalls der Weg in die Kernenergie der falsche Weg. Dann natürlich muß man auch Uran importieren. Ausgerechnet Uran ist aber der Brennstoff, der am kürzesten noch zur Verfügung steht, nämlich je nach Nutzung der Kernenergie zwischen 20 und 60 Jahren. Also noch weniger als Öl und Gas. Von daher ist es natürlich keine besonders kluge Strategie, die eine Abhängigkeit vom Gas durch eine noch größere Abhängigkeit vom Uran zu ersetzen“, sagte Gabriel im Deutschlandfunk.

          Preisanstieg um 400 Prozent

          Die politische Debatte um die Reichweite der Uran-Vorkommen ist vergleichsweise neu. Erst der Preisanstieg um 400 Prozent in den vergangenen fünf Jahren auf etwa 35 Dollar je Pfund hat den Brennstoff für die Atomkraftwerke wieder in die Schlagzeilen gebracht. Hintergrund des starken Anstiegs sind die Pläne einiger Länder wie China und Indien, neue Atomkraftwerke zu bauen und zusätzlich Uran am Weltmarkt nachzufragen.

          Die Exploration natürlichen Urans wurde lange Zeit vernachlässigt, da gehortetes Uran aus dem Kalten Krieg und aus nicht mehr benötigten Atomwaffen in großem Stil auf den Markt gebracht wurde. Diese Reserven werden allerdings in etwa 20 Jahren aufgebraucht sein, meint Peter Gerling von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Seit etwa zwei Jahren wird daher die Suche nach natürlichem Uran wieder vorangetrieben, das in der Natur nur in Verbindung mit Sauerstoff als Uranoxyd vorkommt. Der Hauptproduzent des Natururans ist Kanada mit einem Anteil von 28 Prozent im Jahr 2004 vor Australien (23 Prozent) und Niger (8 Prozent).

          „Uran ist noch mindestens 200 Jahre verfügbar“

          Die gesamten bekannten Reserven betragen etwa 1,8 Millionen Tonnen Uran. Weitere 5,7 Millionen Tonnen sind nach Ansicht der Bundesanstalt sogenannte Ressourcen, die bei steigenden Preisen und technischem Fortschritt abgebaut werden können. Die größten bekannten Reserven liegen in Australien, Kasachstan, Kanada, Namibia, Südafrika und den Vereinigten Staaten. Vor allem Australien bemüht sich, seine Uranvorkommen bestmöglich zu vermarkten, und hat bereits Lieferverträge mit China abgeschlossen.

          Heute verbrauchen die rund 440 Atomkraftwerke in aller Welt rund 68.000 Tonnen Uran jährlich. Wie lange die Reserven noch reichen, ist aber umstritten. „Bei jetzigem Verbrauch reichen die Vorkommen noch 50 Jahre“, sagt Gerling. In dieser Zahl ist aber nur die Förderung der heute bekannten Minen berücksichtigt. Wird Uran intensiv gefördert, könnte der Rohstoff viel länger reichen, meint Christian Wößner vom Deutschen Atomforum.

          „Uran ist nach heutigem Kenntnisstand noch mindestens 200 Jahre verfügbar“, meint Wößner, der den Interessenverband der deutschen Atomwirtschaft repräsentiert. Petra Uhlmann vom Kraftwerksbetreiber Eon-Kernkraft ist ebenfalls optimistisch: „Uran ist noch für mindestens 200 Jahre vorhanden. Die Endlichkeit des Urans ist für Eon kein Thema.“ Außer aus den bekannten Minen könne Uran auch aus Phosphaten und sogar aus Meerwasser gewonnen werden.

          Geringer Anteil an den Gesamtkosten

          Uran ist zwar für den Betrieb der Atomkraftwerke heute zwingend erforderlich, spielt aber in den Kosten der Betreiber keine wesentliche Rolle. „Nur etwa 3 Prozent der Stromerzeugungskosten eines Kernkraftwerkes entfallen auf das Uran. Dieser Anteil ist im Strompreis kaum spürbar“, sagt Wößner. Selbst wenn der Uranpreis um 200 Prozent steigen würde, gingen die Gesamtkosten des Kraftwerkes nur um 4 bis 5 Prozent nach oben, rechnet Uhlmann vor.

          Die Planungen für weitere Atomkraftwerke hat die Aktien der Besitzer der Uranminen kräftig steigen lassen. Der Aktienkurs des kanadischen Produzenten Cameco hat sich in den vergangenen zwölf Monaten verdoppelt. Auch Rohstoffkonzerne wie BHP Billiton oder Rio Tinto profitieren von der steigenden Nachfrage. In Australien sind längst nicht mehr die Betreiber der Kohleminen die Lieblinge an den Börsen, sondern die Besitzer der Uranminen.

          In Deutschland aber ließ Bundeskanzlerin Angela Merkel ein Machtwort sprechen. „Der Koalitionsvertrag läßt an dieser Stelle nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig“, sagte Regierungssprecher Thomas Steg diese Woche in Berlin. Das habe Merkel deutlich gemacht. „Deshalb kann die Regelung zum Atomausstieg nicht geändert werden.“ Das bedeutet den Ausstieg aus der Atomkraft.

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