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Energie : Teures Öl treibt Gaspreis 20 Prozent hoch

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Rekordpreis von fast 140 Dollar je Fass Öl treibt auch den Gaspreis für die deutschen Haushalte in die Höhe. Fachleute rechnen in den kommenden Monaten mit etwa 20 Prozent Preisanstieg.

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          Der Rekordpreis von fast 140 Dollar je Fass Öl treibt auch den Gaspreis für die deutschen Haushalte in die Höhe. Fachleute rechnen in den kommenden Monaten mit etwa 20 Prozent Preisanstieg. Gaspreiserhöhungen von zunächst 25 Prozent und nochmals 40 Prozent im Herbst, wie sie der SPD-Umweltpolitiker Michael Müller am Wochenende angekündigt hatte, sind jedoch nicht zu befürchten. "Diese Aussagen sind nicht nachvollziehbar. Eher sind 20 Prozent die Obergrenze", sagte der Energiefachmann Christoph Weber von der Universität Duisburg-Essen.

          10 Prozent im Sommer, 10 Prozent im Herbst

          Als "Irreführung des Verbrauchers" kritisierte auch Heino Elfert vom Energie-Informationsdienst Müllers Äußerungen. Nur ein Drittel der Steigerungen bei den Großhandelspreisen komme schließlich beim Endverbraucher an. "Im Sommer werden die Preise um 10 Prozent steigen. Im Herbst könnte es dann noch um etwas mehr als 10 Prozent in die Höhe gehen", sagte Elfert.

          Die erste Preiswelle kommt jetzt auf die Verbraucher zu. Zum 1. Juni und 1. Juli erhöhen mindestens 100 Gasversorger ihre Preise um durchschnittlich 8 Prozent. Eine weitere Preisrunde wird für den Herbst zu Beginn der Heizperiode erwartet. "Die Gaspreise werden zweifellos weiter und schneller steigen, da die Kosten für Erdgas an den explodierenden Rohölpreis gekoppelt sind. Wir erwarten eine weitere Preisrunde im Herbst mit Steigerungen von durchschnittlich etwa 10 Prozent", sagte Dagmar Ginzel vom Verbraucherportal Verivox. Seit Januar 2005 sind die Preise für die Endverbraucher in Deutschland um rund 31 Prozent gestiegen. Seit dem vergangenen Sommer hat sich die Gasrechnung für einen Durchschnittshaushalt um 7,4 Prozent auf 1375 Euro erhöht, hat Verivox errechnet.

          Schuld ist die Bindung an den Ölpreis

          Hintergrund der Preiserhöhungen ist die umstrittene Bindung des Gaspreises an den Ölpreis. "Man hat diese Regelung Anfang der sechziger Jahre eingeführt. Damals machte es noch Sinn, um die Pipelines zu bauen und zu investieren. Man wollte verhindern, dass Gas ein billiges Konkurrenzprodukt zum Öl wird", sagte Claudia Kemfert, Energieexpertin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Das sei heute nicht mehr zeitgemäß. "Der Gaspreis sollte sich frei am Markt entwickeln. Der Preis wäre dann deutlich niedriger, weil es die Sonderfaktoren, die zur Zeit zu den Riesensprüngen beim Ölpreis führen, beim Gas nicht gibt", sagte Kemfert.

          Auch Ulf Moslener vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung plädiert für die Abschaffung der umstrittenen Kopplung. "Ökonomisch gibt es heute keinen Grund mehr für die Kopplung dieser Preise, da sie den Marktmechanismus ausschalten", sagte Moslener. Erfahrungen aus den Vereinigten Staaten zeigten, dass "der Gaspreis ohne Kopplung an das Öl stärker schwankt, aber im Durchschnitt rund 15 Prozent billiger ist als in Deutschland", sagte Moslener. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hält jedoch an der Kopplung fest. Sie sei Bestandteil langfristiger Lieferverträge.

          Gabriel will Sozialtarif

          Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat wegen der drohenden Explosion der Gaspreise die Einführung von Sozialtarifen für ärmere Bürger gefordert. "Wir haben ja andere Beispiele in Europa, wo das der Fall ist", sagte Gabriel am Montag in Berlin. Dabei könne es einen niedrigen, zum Teil kostenlosen Tarif bis zu einem bestimmten Energieverbrauch geben. Energieökonom Moslener lehnt Sozialtarife allerdings ab. "Der Anreiz für das Energiesparen geht dann verloren. Lieber sollte man den Verbrauchern das Geld geben", sagte Moslener.

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