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Energie : Strom wird 2012 in Deutschland knapp

Die Kraftwerkskapazitäten in Deutschland könnten schon bald nicht mehr ausreichen Bild: ddp

Selbst bei striktem Stromsparen und dem Ausbau von Wind- und Solarenergie deckt die Stromproduktion die Nachfrage bald nicht mehr. In Deutschland entsteht eine Versorgungslücke, warnt die Energieagentur Dena. Alte Kohle- und Kernkraftwerke müssen deshalb länger laufen, verlangt sie.

          Die Kraftwerkskapazitäten in Deutschland werden bald nicht mehr ausreichen, um die inländische Stromnachfrage zu decken. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung der bundeseigenen Deutschen Energieagentur (Dena), die am Montag bei einem Gespräch von Kanzleramtsminister Thomas de Maizière (CDU) mit den Vorstandschefs großer Energie- und Industriekonzerne vorgelegt wurde.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Darin heißt es, ein Weiterbetrieb bestehender Kraftwerke sei „über die bisher geplanten Laufzeiten notwendig, um eine Stromlücke zu vermeiden und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“. Das bezieht sich auf konventionelle und Atomanlagen. Die Dena warnt vor steigenden Strompreisen und plädiert für den zügigen Ausbau neuer Kraftwerke, auch auf Kohlebasis. Gesprächsteilnehmer sagten, Regierung und Energiekonzerne stimmten der Analyse zu, die zuvor auch von der Bundesnetzagentur geprüft worden sei.

          Annahmen basieren auf optimistischen Regierungsplanungen

          „Bei Umsetzung des Energieprogramms der Bundesregierung, also bei einem sinkenden Stromverbrauch, wird bereits ab 2012 nicht mehr genügend gesicherte Kraftwerksleistung zur Verfügung stehen, um die Jahreshöchstlast zu decken“, heißt es in der Analyse. Bis 2020 wachse die Differenz sogar auf rund 11.700 Megawatt. Das entspricht der Kapazität von 15 Großkraftwerken oder einem Siebtel der erwarteten Nachfrage.

          Dabei basieren die Annahmen auf optimistischen Regierungsplanungen. Die unterstellen eine Verdoppelung der Energieeffizienz bis zum Jahr 2020. Ferner gehen sie von einem kräftigen Ausbau von Erzeugungsanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien (Meeres-Windparks) aus. Hier kommt es jedoch zu erheblichen Verzögerungen. „Die Erreichung dieser Ziele kann heute noch nicht als gesichert angesehen werden“, schreiben die Autoren der Kurzanalyse.

          „Laufzeitenverlängerung würde Szenario verzögern“

          Ferner wurden in die Dena-Berechnungen auch umstrittene Kraftwerksprojekte wie das große Vattenfall-Kohlekraftwerk Moorburg bei Hamburg aufgenommen. Fallen sie aus, würde die „Stromlücke“ größer. Wird andererseits eine konstante Stromnachfrage unterstellt, wächst die „Stromlücke“ bis 2020 auf 15.800 Megawatt. Das entspräche einem Fünftel der deutschen Nachfrage.

          Helfen könnte eine Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke. „Eine Laufzeitverlängerung der Kernenergienutzung um 20 Jahre auf dann durchschnittlich 52 Jahre würde diese Differenz je nach Szenario um 10 bis 15 Jahre verzögern“, urteilen die Autoren: „Deshalb wird ein Weiterbetrieb bestehender Kraftwerke über die bisher geplanten Laufzeiten notwendig, um eine ,Stromlücke‘ zu vermeiden und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.“

          Agentur rechnet mit weiteren Preissteigerungen

          SPD und Grüne wollen dies bei Atomkraftwerken und zunehmend bei Kohlekraftwerken nicht akzeptieren. Die Chefs von Eon, RWE, Vattenfall und ENBW sicherten derweil im Kanzleramt nach Angaben von Teilnehmern zu, man werde kein Kernkraftwerk vor der Wahl im Herbst 2009 schließen. Sie würden vielmehr so betrieben, dass die jeweils zugestandene Reststrommenge einen Betrieb über den Wahltermin hinaus erlaube.

          Die Stromeinfuhr aus dem Ausland sei wegen der wachsenden europaweiten Knappheit auch keine Alternative für die deutsche Versorgungssicherheit, urteilt die Dena. Die Folgen der „Stromlücke“ liegen für die Agentur auf der Hand. „Aufgrund der Verknappung des Stromangebots ist mit weiteren Strompreissteigerungen zu rechnen.“ Auch werde der Weiterbetrieb ineffizienter Kraftwerke zu hohen Kohlendioxidemissionen führen. Weil die Betreiber dafür Emissionszertifikate zukaufen müssen, werde der Strompreis zusätzlich steigen.

          Dena empfiehlt zügigen Ausbau des Stromnetzes

          Derzeit befänden sich in Deutschland 15 Kraftwerke im Bau; sechs geplanten Anlagen räumt die Agentur eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit ein. Darüber hinaus seien an die 60 Projekte mit sehr unsicheren Realisierungschancen. Als Gründe dafür werden in der Studie die fehlende Akzeptanz in der Öffentlichkeit genannt, hohe Preise für Kraftwerkstechnik, die internationale Preisentwicklung sowie Unsicherheiten über die Preisentwicklung der Kohlendioxidzertifikate in den Jahren nach 2013. Kraftwerke werden für Jahrzehnte gebaut, ihre Betreiber erwarten dafür Kalkulationssicherheit.

          Um die erwartete „Stromlücke“ zu schließen, empfiehlt die Dena unter anderem den zügigen (und derzeit oft blockierten) Ausbau des Stromnetzes samt der Kuppelstellen an den Grenzen. „Um eine sichere, risikoarme und nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen, ist ein gesellschaftlicher Konsens über die Not-

          wendigkeit der Erneuerung des Kraftwerksparks und des Ausbaus des Stromnetzes in Deutschland herbeizuführen.“

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