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Energie : Rosneft bietet sich westlichen Aktionären an

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Die Firmenzentrale in Moskau: Haben Staatsinteressen Vorrang? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Rosneft hat seinen Börsengang in London angekündigt. Der zweitgrößte russische Erdölkonzern hat vor allem von der Yukos-Zerschlagung profitiert. Doch unter westlichen Anlegern ist das Unternehmen umstritten.

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          An diesem Montag findet an der London Stock Exchange (LSE) ein denkwürdiges Ereignis statt: Der staatliche russische Erdölkonzern OAO Rosneft, der von der Yukos-Zerschlagung profitiert hat, stellt Antrag auf Registrierung von Aktien für den Parketthandel. Der Börsengang soll nach jüngsten Berichten noch vor dem G-8-Gipfel in Sankt Petersburg stattfinden, wahrscheinlich am 14. Juli.

          Zugleich mit der Plazierung in London beginnt der Handel mit Rosneft-Werten an der Moscow Interbank Currency Exchange (MICEX). Die Agentur Bloomberg berichtete am Wochenende unter Berufung auf Gewährsleute bei Rosneft, daß das Unternehmen mit dem drittgrößten Börsengang der Welt einen Erlös von 14 Milliarden Dollar anstrebe. Nach dem Börsengang bleiben noch 70 bis 80 Prozent der Anteile in Staatshand.

          Rückverstaatlichung der Ölbranche

          Der russische Staat kontrolliert wieder ein gutes Drittel der Ölwirtschaft. Die Rückverstaatlichung eines Teils der Branche, die erst in den neunziger Jahren privatisiert worden war, hatte unter Präsident Wladimir Putin begonnen. Im Dezember 2004 kam es zur Zerschlagung des privaten Ölkonzerns Yukos, der zuvor mit Steuernachforderungen von 30 Milliarden Dollar überzogen worden war.

          Das Herzstück des Yukos-Konzerns, die Ölfördergesellschaft Yuganskneftegas, wurde für rund 9 Milliarden Dollar weit unter Marktwert zwangsversteigert. Zwei Jahre später trennte sich Roman Abramowitsch - nach verbreiteter Einschätzung auf Druck des Kremls - von seinem Ölkonzern Sibneft, der an die staatliche Gasprom kam.

          Ausländische Banken haben bei der Yukos-Zerschlagung und dem Aufstieg des Staatskonzerns Rosneft eine nicht zu übersehende Rolle gespielt. So beauftragte die russische Regierung die Bank Dresdner Kleinwort Wasserstein mit der Bewertung von Yuganskneftegas und orientierte sich dann bei der Festsetzung des Unternehmenswertes vor der Zwangsversteigerung an der Wertuntergrenze, um den Preis zu drücken. Den Zuschlag erhielt der einzige Bieter, die Briefkastenfirma Baikal Finance Group, deren Gesellschafter nur Putin bekannt waren. Von dieser Gruppe kaufte Rosneft Yuganskneftegas, unter anderem mit einem chinesischen Kredit.

          Kredit von 7,5 Milliarden Dollar

          Wenige Monate nachdem Michail Chodorkowskij, der Gründer und Mehrheitsaktionär von Yukos, in einem als politisch geltenden Prozeß zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden war, gewährte eine Bankengruppe aus ABN Amro, Dresdner Kleinwort Wasserstein, JP Morgan und Stanley sowie BNP Paribas und Barclays Capital im September 2005 der staatlichen Rosneft-Muttergesellschaft Rosneftegas einen Kredit von 7,5 Milliarden Dollar. Dieser diente dazu, den Erwerb von Gasprom-Anteilen zu finanzieren, um die staatliche Anteilsmehrheit noch vor der Liberalisierung des Handels mit Gasprom-Aktien sicherzustellen.

          Ende März 2006 strengte eine Gruppe von Banken, zu der auch die Deutsche Bank und die Commerzbank gehörten, ein Insolvenzverfahren gegen Yukos an. Die Forderungen von gut 480 Milliarden Dollar verkauften die Banken wenig später an Rosneft. Den Rosneft-Börsengang begleiten JP Morgan, Morgan Stanley, ABN Amro und Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Chef von Barclays Capital, Hans-Jörg Rudloff, wurde dieser Tage in den Aufsichtsrat von Rosneft gewählt.

          Zweitgrößter Russischer Ölkonzern

          Durch die Übernahme von Yuganskneftegas stieg Rosneft zum zweitgrößten russischen Ölkonzern auf. Rosneft hatte 2004 22 Millionen Tonnen Öl gefördert, 2005 waren es 75 Millionen Tonnen. Nach Angaben der Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ stiegen die Erlöse von Rosneft im vergangenen Jahr um das Viereinhalbfache auf 23,95 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn betrug 4,2 Milliarden Dollar, die langfristige Nettoverschuldung belief sich auf 11 Milliarden Dollar. Unter westlichen Anlegern ist der Börsengang von Rosneft umstritten.

          Der Investor George Soros hat davor gewarnt, in ein Unternehmen einzusteigen, in dem Staatsinteressen Vorrang und private Investoren das Nachsehen haben würden. Unvergessen ist auch, daß der russische Staat mit der Yukos-Zerschlagung nicht nur rechtsstaatliche Normen verletzt, sondern auch große Verluste westlicher Anleger verursacht hat. Erst habe man diese faktisch enteignet, heißt es unter westlichen Investoren - und nun strebe Rosneft danach, mit westlichem Kapital Schulden zu begleichen, darunter die „Übernahmeschulden“ in Sachen Yuganskneftegas.

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