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Energie : Kalifornien investiert - Deutschland profitiert

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Bild: F.A.Z.

Eine Million Gebäude in Kalifornien sollen in den kommenden elf Jahren mit Solardächern ausgestattet werden. Von der Solarinitiative der Kalifornier profitieren auch deutsche Unternehmen.

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          Der amerikanische Bundesstaat Kalifornien will den Ausbau der Solarenergie mit 2,9 Milliarden Dollar fördern. Bis zum Jahr 2017 sollen eine Million Gebäude mit Solardächern ausgestattet werden, teilte die Regulierungsbehörde PUC mit. Nach Angaben der Behörde könnten damit 2,3 Millionen Kalifornier mit Energie versorgt werden.

          Die erwarteten 3.000 Megawatt Energie entsprechen der Produktionsleistung von sechs Elektrizitätswerken. Mit der „California Solar Initiative“ setzt der Westküstenstaat das bisher größte Solarförderungsprogramm in den Vereinigten Staaten um. Einen Teil der Kosten will die PUC durch einen Aufschlag in Höhe von einem Dollar auf die monatliche Gas- und Stromrechnung der Kalifornier wettmachen.

          Gouverneur Arnold Schwarzenegger begrüßte den Plan als großen Schritt für eine umweltfreundliche Energieversorgung im bevölkerungsreichsten Bundesstaat. Ein ähnliches von Schwarzenegger vorgeschlagenes Eine-Million-Dächer-Programm war im vergangenen Jahr im Parlament gescheitert.

          Gouverneur Schwarzenegger: „Ein großer Schritt für eine umweltfreundliche Energieversorgung”

          „Aufträge im zweistelligen Millionen-Bereich“

          Von der Solarinitiative der Kalifornier profitieren auch deutsche Unternehmen, die sich inzwischen in der Weltspitze der Solarindustrie etabliert haben. „Wir haben schon feste Aufträge aus Kalifornien im zweistelligen Millionen-Bereich“, sagte der Chef des Bonner Unternehmens Solarworld, Frank Asbeck, dieser Zeitung. „Wir sind sehr zuversichtlich, daß sich deutsche Unternehmen einen beträchtlichen Teil des Kuchens abschneiden können. Ich tippe auf einen zweistelligen Prozentteil“, sagte Carsten Körnig, Geschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW).

          Neben den Amerikanern fördern auch viele Länder in Südeuropa und in Asien die Stromgewinnung aus Sonnenenergie. Spanien, Italien, Griechenland und Portugal, aber auch Südkorea und einige Provinzen in China haben das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) inzwischen in leicht modifizierten Varianten übernommen.

          „In Spanien ist die Förderung auf 25 Jahre ausgelegt. Die Förderung fällt nicht degressiv wie in Deutschland, sondern hängt vom Strompreis ab. Wird Strom teurer, fließt mehr Geld in den Solarstrom“, erklärt Asbeck. Die Folge: „Der Solarmarkt in Spanien explodiert wie in Kalifornien“, sagte Asbeck. Das Marktvolumen in Spanien habe sich im vergangenen Jahr verdreifacht. In Italien werde 2006 sogar eine Verzehnfachung des Marktes erwartet, da Deckelungen in den Förderprogrammen abgeschafft worden seien, sagte Körnig.

          Auslandsumsatz 2010 : zehn Milliarden Euro

          Deutsche Unternehmen wie Solarworld, Conergy, Q-Cells oder Ersol setzen wegen der großen Wachstumschancen stark auf das Ausland. „Bis Ende 2007 wird unser Umsatzanteil im Ausland von 40 auf 60 Prozent steigen“, erwartet Asbeck. Der Branchenverband BSW schätzt, daß die deutschen Solarunternehmen im Jahr 2010 rund drei Milliarden Euro Umsatz im Ausland erzielen. Bis 2020 soll der Auslandsumsatz auf zehn Milliarden Euro steigen, sagte Körnig. Die Hauptkonkurrenten der deutschen Unternehmen kommen aus Asien.

          Dort haben Anbieter wie Sharp, Kyocera oder Sanyo lange vor den deutschen Unternehmen begonnen, Sonnenenergie in Strom oder Wärme umzuwandeln. Zudem investieren Konzerne wie BP, Shell oder General Electric große Summen in den Solarmarkt. Zur Zeit wird das Wachstum der Photovoltaikindustrie noch von der Knappheit des Basisrohstoffes Silizium gebremst. „Diese Wachstumsbremse wird noch zwei bis drei Jahre zu spüren sein. Danach dürften die Preise für Silizium fallen“, erwartet Matthias Fawer, Analyst der Schweizer Bank Sarasin.

          „Wir dürfen noch einiges erwarten“

          Noch bis etwa zum Jahr 2015 könnte die Stromerzeugung aus Sonnenenergie allerdings benötigen, um mit konventionellen Kraftwerken konkurrieren zu können, sagte Körnig. Bis dahin müssen allerdings noch wichtige Investitionsentscheidungen in der Energiewirtschaft fallen, da viele alte Kraftwerke ersetzt werden müssen.

          „Die große Frage lautet: Welche erneuerbare Energie kann die alten Grundlastkraftwerke ersetzen, die auch dann Strom liefern, wenn die Sonne nicht scheint oder kein Wind weht“, sagte Fawer. Er sieht großes Potential in solarthermischen Kraftwerken, aber auch in der Geothermie und in Wellenkraftwerken, um die Grundlast zu decken. „Von den erneuerbaren Energien dürfen wir uns angesichts steigender Preise für Öl und Gas aber noch einiges erwarten“, sagte Fawer.

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