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Energie : Gasprom will deutsche Stadtwerke

  • Aktualisiert am

Gasprom expandiert nach Europa Bild: dpa/dpaweb

Der russische Energiekonzern Gasprom will sich verstärkt in Westeuropa engagieren. Es sei auch beabsichtigt, sich an deutschen Stadtwerken zu beteiligen, um am lukrativen Endverbrauchermarkt teilzuhaben, so ein Unternehmenssprecher.

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          Angetrieben von Rekordgeschäften in Deutschland, will der russische Energiekonzern Gasprom seine Aktivitäten hierzulande verstärken. Man wolle künftig nicht nur mit der Förderung, dem Transport und Handel von Erdgas Geld verdienen, sondern auch mit dem Verkauf an die Endkunden, teilte das deutsche Tochterunternehmen ZGG Zarubezhgaz-Erdgashandel-Gesellschaft mbH, Berlin, mit.

          Dazu sei auch beabsichtigt, sich an deutschen Stadtwerken zu beteiligen, bestätigte ein Sprecher. Konkrete Gespräche gebe es noch nicht, das sei „eine Sache der nächsten zehn Jahre“. Offenbar sind die Berliner vor allem an Versorgern in Ballungszentren interessiert, wobei unsicher ist, welche davon in den kommenden Jahren überhaupt noch Beteiligungen anbieten.

          Gasprom verfolge das Ziel, die ganze Verkaufskette von der Gasgewinnung bis zum Absatz an den Verbraucher abzudecken, teilte die ZGG mit. Der Einstieg in den Endabnehmer-Markt sei sehr interessant, da rund vier Fünftel der Wertschöpfung in Deutschland selbst anfielen. Neben der Beteiligung an den Stadtwerken wäre auch ein größeres Engagement am deutschen Gashandel wünschenswert, hieß es.

          Verstärktes Engagement in Europa geplant

          Die ZGG bedauere es, beim Verkauf der nach der Eon-Ruhrgas-Fusion freiwerdenden Anteile an dem Leipziger Gas-Großhändler VNG Verbundnetz Gas AG nicht berücksichtigt worden zu sein. Man halte an der VNG weiterhin nur knapp 5 Prozent. An dem gemeinsam mit BASF-Wintershall betriebenen Gashändler Wingas AG, Kassel, besitzt die ZGG mit 35 Prozent deutlich mehr Anteile.

          Gasprom beschränke seine Expansionsabsichten nicht auf Deutschland, präzisierte das Unternehmen. Westeuropa als Ganzes sei ein wachsender Markt, da Erdgas als wichtigster fossiler Energieträger neben Öl und Kohle immer bedeutsamer werde. Ein verstärktes Engagement im Energiegeschäft plane man daher auch in Frankreich, Großbritannien und Italien. Über Tochtergesellschaften ist die ZGG unter anderem in England, Österreich, der Schweiz, der Tschechischen Republik und in der Türkei tätig.

          Mit der neuen Röhrenleitung von Rußland nach Deutschland, deren Bau kürzlich begann, wird sich die Erdgaseinfuhr von Gasprom nach Westeuropa um ein Vielfaches erhöhen. Von Deutschland aus sollen dann auch Frankreich, Großbritannien und die Benelux-Staaten mit russischem Gas versorgt werden. An der Betreibergesellschaft der Ostsee-Pipeline, in deren Aufsichtsrat auch Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) eintreten soll, sind neben Gasprom die deutschen Konzerne Eon und BASF beteiligt.

          Rund 5 Milliarden Dollar Gewinnerwartung

          Wie lukrativ das Geschäft ist, zeigen die Geschäftszahlen der ZGG. Die guten Vorjahreszahlen werde man 2005 noch einmal übertreffen, sagte der Sprecher. Sowohl im Umsatz wie im Ergebnis rechne man mit zweistelligem Wachstum im Konzern. 2004 hatten der Gruppenumsatz 2,6 Milliarden Euro und der Jahresüberschuß 148 Millionen Euro betragen. In den ersten neun Monaten 2005 lag der Umsatz mit rund 2,19 Milliarden um 411 Millionen Euro über dem Vorjahreswert; beim Nachsteuerergebnis waren es mit 146 Millionen Euro etwa 22 Millionen mehr als im Vergleichszeitraum.

          Der russische Staatskonzern Gasprom hatte erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, daß ihm die weltweit steigenden Energiepreise große Umsatzsteigerungen in Westeuropa einschließlich Deutschlands beschert hätten. Der Erlös aus den Gasverkäufen werde 2005 voraussichtlich von 18,3 auf 26 Milliarden Dollar steigen, hieß es, und auch der Gewinn dürfte über den 5 Milliarden Dollar des Vorjahres liegen.

          Die Lieferungen nach Westeuropa hätten sich von 140 auf einen Rekord von 145 Milliarden Kubikmeter erhöht; für 2006 würden 151 Milliarden erwartet. Die ZGG, die nur 100 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 80 in der Hauptstadt, ist seit 15 Jahren in Berlin ansässig.

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