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Energie : Gasprom kann sich keinen Ruf als unsicherer Kantonist leisten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Preiskampf ums Erdöl zwischen Russland und Weißrussland zeigt die Abhängigkeit der EU-Länder von Russlands Energielieferungen. Die russische Liefertreue gegenüber dem Westen steht aber nicht in Frage. Denn die Abhängigkeit ist durchaus gegenseitig.

          Erst ein in letzter Minute abgewendeter Erdgas-Lieferstopp und nun noch die Unterbrechung des Transportes von russischem Erdöl in die ostdeutschen und polnischen Raffinerien - der Preiskampf zwischen Russland und Weißrussland zeigt die Verwundbarkeit der Europäischen Union im Blick auf ihre Energieimporte. Stück für Stück wurde die GUS und insbesondere Russland zum wichtigsten Energielieferanten. Deutschland bezog 2006 gut ein Drittel seines Rohölbedarfs aus Russland und ein Fünftel allein durch die seit Montag leere weißrussische Transitpipeline „Freundschaft“. Im Fall von Erdgas macht die Lieferabhängigkeit gar rund 40 Prozent aus.

          Es wird zwar in der Bevölkerung und Politik allgemein akzeptiert, dass Russland durchaus nicht seine zahlungskräftigen Kunden in Deutschland und Westeuropa treffen will, sondern die nach dem Untergang der Sowjetunion 1991 weiterhin subventionierten Energielieferungen auf internationales Preisniveau anheben will. Aber der bislang gute Ruf Russlands als verlässlicher Lieferant leidet. Man fragt sich: Wenn Russland - ob aus rein wirtschaftlichen oder gar politisch-strategischen Gründen - den Einsatz des Lieferboykotts im Fall der Ukraine und Weißrusslands nicht scheut, warum sollte der Energieriese diese Waffe dann nicht auch einmal gegen westeuropäische Kunden einsetzen?

          Niedrigpreise auf dem Heimatmarkt

          Die jüngeren Regierungseingriffe auf dem russischen Energiemarkt - angefangen bei der Rückverstaatlichung des größten privaten Erdölkonzerns bis zum Aussteuern westlicher Ölmultis aus gemeinsamen Förderprojekten - zeugen zudem von der mangelhaften Rechtssicherheit für Auslandsinvestitionen in der Energiewirtschaft.

          Aber der Erdgaspreiskampf erst mit der Ukraine und nun mit Weißrussland ist kaum geeignet, die Liefertreue in Frage zu stellen. Denn zwischen den russischen Öl- und Gasverkäufern sowie deren Abnehmern in Westeuropa gibt es nicht nur einseitige, sondern auch gegenseitige Abhängigkeiten.

          In Russland wird Energie weit unter Weltmarktpreisen verkauft. Gasprom erhält von den heimischen Verteilerunternehmen nur ein Sechstel der Exportpreise von gegenwärtig 220 bis 240 Dollar je 1000 Kubikmeter. Diese Subvention ist politisch gewollt. Andererseits kann der Staatshaushalt nicht auf hohe Umsatz- und Ertragssteuern der Energieproduzenten verzichten. Gasprom allein trug lange mehr als ein Viertel des russischen Steueraufkommens. Da das Unternehmen gleichzeitig den Inlandsmarkt alimentieren muss, arbeitet es mit aller Kraft daran, das Exportvolumen immer stärker auszuweiten. Da kann es sich bei seinen zahlungskräftigen Kunden in Westeuropa einen Ruf als unsicherer Kantonist nicht erlauben.

          An russischen Gasreserven kommt niemand vorbei

          Das sieht auch die deutsche Gaswirtschaft so. Eon Ruhrgas hat im vergangenen Herbst nicht nur die bestehenden Lieferverträge bis 2035 verlängert, sondern die langfristigen Abnahmen um 20 Prozent aufgestockt. Im RWE-Konzern wurde gerade für die Tschechische Republik - wo der Essener Konzern einen wesentlich höheren Marktanteil im Gasgeschäft hat als im Heimatmarkt - ein großvolumiger Vertrag mit Gasprom bis 2036 verlängert. Beide Konzerne setzen zwar auf eine Diversifizierung ihrer Erdgasquellen und versuchen vor allem in das von Deutschland bisher vernachlässigte Marktsegment verflüssigtes Erdgas vorzudringen. Aber vorläufig besteht ein Engpass bei den Verflüssigungsterminals in den Förderländern.

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