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Energie : Gas und Strom werden im Januar deutlich teurer

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Bild: F.A.Z.

Mit den Strompreisen erhöhen die Energieversorger für Millionen Haushalte zum Jahreswechsel auch die Bezugspreise für Erdgas. Im Mittel bedeutet dies zusätzliche Kosten von etwa 14 Euro je Haushalt im Monat.

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          Mit den Strompreisen erhöhen die Energieversorger für Millionen Haushalte zum Jahreswechsel auch die Bezugspreise für Erdgas. Der größte kommunale Gasversorger, die Berliner Gasag, kündigte eine Verteuerung um acht bis zwölf Prozent an. Die Stadtwerke Düsseldorf werden ihren rund 50.000 Gaskunden vom Januar an einen Aufschlag in der Größenordnung von neun bis elf Prozent berechnen.

          Im Mittel bedeutet dies zusätzliche Kosten (ohne Steuern) von etwa 10 Euro im Monat. Hinzu kommen etwa 2 bis 4 Euro je Monat für höhere Stromkosten. Während Erdgas im ersten Quartal 2006 um durchschnittlich zehn Prozent teurer sein wird, liegt die ebenfalls auf breiter Front angekündigte Anhebung der Stromtarife im Mittel bei rund fünf Prozent.

          Kommentar abgelehnt

          Gasag und die Düsseldorfer Stadtwerke stehen für die meisten der rund 750 Gasverteiler, die vierteljährlich ihre Endkundenpreise an die von den meisten Ferngasgesellschaften im Frühjahr und Herbst korrigierten Großhandelspreise anpassen. Das gilt auch für die meisten zum Einflußbereich von Eon und RWE gehörenden Stadtwerke. RWE kündigte am Dienstag eine Gaspreiserhöhung von rund 10 Prozent an. Das macht für ein Einfamilienhaus monatlich etwa 8,30 Euro (ohne Steuern) Mehrkosten aus.

          Die Eon Energie lehnte im Vorfeld eines Pressegesprächs an diesem Mittwoch in München einen Kommentar ab. Die im südlichen Nordrhein-Westfalen bedeutende Kölner Rheinenergie gehört zu den wenigen Gasverkäufern, die nur an diesen beiden Terminen parallel die eigenen Endverbraucherpreise verändert. Nur für Kunden bei Unternehmen mit dieser Preispraxis besteht die Aussicht, daß sie von den in den vergangenen Monaten stark erhöhten Importpreisen im ersten Halbjahr 2006 weitgehend verschont bleiben.

          Ende noch nicht erreicht

          Dem jüngsten Preisvergleich des Bundesverbands der Energieabnehmer (VEA) zufolge sind die Kosten nach Angaben von VEA-Geschäftsführer Volker Stucke bereits mit Beginn der Heizperiode in Westdeutschland um 12,7 Prozent, in den neuen Ländern um 13,3 Prozent gestiegen. Mit der neuerlichen Preisrunde ist das Ende der Spirale aber noch nicht erreicht: „Wir müssen davon ausgehen, daß die derzeitige Preisrunde auch noch bis in das Jahr 2006 hinein andauern wird“, sagte Martin Weyand, Geschäftsführer des Bundesverbands der Gas- und Wasserwirtschaft (BGW), auf Anfrage am Dienstag in Berlin.

          Anders als bei den allgemeinen Stromtarifen müssen höhere Gaspreise nicht von den Ländern genehmigt werden. Jedoch können die in den Landeswirtschaftsministerien angesiedelten Kartellbehörden prüfen, ob die Preiserhöhung angemessen war. In Hessen hatten die Kartellbehörden im Herbst bereits zwölf Preiserhöhungen überprüft und dabei laut Wirtschaftsministerium in der Mehrzahl der Fälle, so bei der Mainova, Preiserhöhungen bis März 2006 verhindert. Damit gelten hier bis zum Ende der Heizperiode die alten Preise. Zugleich hatten sich die Kartellbehörden von Bund und Ländern auf ein einheitliches Verfahren für das weitere Vorgehen geneigt.

          Noch moderat

          Die Stadtwerke Düsseldorf unterstreichen, daß mit der kommenden Gaspreisanhebung nur ein Teil der im Jahr entstandenen Mehrkosten abgedeckt würde, der Rest durch interne Einsparungen aufgefangen werden soll. Manche der rund 750 Stadtwerke würden die höheren Bezugskosten ihrer Vorlieferanten auch wegen des bestehenden hohen politischen Drucks nicht weitergeben, hieß es beim BGW. Anderen bleibe keine andere Wahl. Von Januar 2004 bis Oktober dieses Jahres hätten sich die Bezugskosten für Erdgas, das zu mehr als 80 Prozent aus dem Ausland eingeführt wird, um annähernd 60 Prozent erhöht.

          Deshalb müßten viele Unternehmen die Preise anheben, sagte Weyand: „Wie hoch das sein wird, hängt von den konkreten Lieferverträgen der einzelnen Unternehmen ab und davon, wie hoch die bisherigen Tarifsteigerungen ausgefallen sind.“ Die Importpreise für Erdgas, das vor allem aus Rußland, Norwegen und den Niederlanden eingeführt wird, sind in langfristigen Lieferverträgen an den Preis des Rohöls gebunden.

          Ein halbes Jahr Verzögerung

          Das hat für viele Jahre zu niedrigen Gaspreisen geführt, doch auch zu dem rasanten Anstieg seit 2004. Im Schnitt folgt der Gaspreis für den Endverbraucher dem Ölpreis mit einem halben Jahr Verzögerung. Der Heizölkunde hat im Januar einschließlich Mehrwertsteuer 44 Euro für 100 Liter leichtes Heizöl zahlen müssen, rund fünf Euro mehr als ein Jahr zuvor. Dieser Preis ist bis August steil um 52 Prozent auf gut 67 (2004: 42) Euro hochgeschossen. Seit Anfang Oktober, als 100 Liter „nur“ noch 65 Euro kosteten, hat sich der Preis bis heute auf 56 Euro zurückgebildet.

          Die jetzt von den Gasverkäufern weitergewälzten höheren Bezugskosten basieren noch auf den von den Ferngasunternehmen im Herbst bei den Großhandelspreisen vorgenommenen Korrekturen. Dafür kann der Kunde im April, also gegen Ende der Heizperiode, auf eine Rücknahme der Endverbraucherpreise hoffen.

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