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Energie : Gas ohne Grenzen

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Gefragt: verflüssigtes Gas Bild: AP

Die Verflüssigung von Gas macht den Transport des Energieträgers auf alle Kontinente möglich - und stärkt die Macht der Förderländer. Gasprom will künftig die gesamte Wertschöpfungskette von der Förderung bis zum Endverbrauchergeschäft abdecken.

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          Überraschend wird nun doch ein internationaler Partner in den Bau der Ostseepipeline eingebunden. Die niederländische Gasunie will sich zu Lasten der Anteile von BASF und Eon mit neun Prozent an der von der russischen Gasprom forcierten Nordeuropäischen Gaspipeline (NEGP) beteiligen. Die jetzt von Gasprom auf der Weltgaskonferenz veröffentlichte Absichtserklärung zeigt, daß der größte Erdgasproduzent der Welt konsequent versucht, näher an die großen Verbrauchermärkte zu rücken. So will sich das Unternehmen an der gerade von der Gasunie mit Partnern wie Eon zwischen Holland und Großbritannien gebauten Pipeline BBL beteiligen.

          "Großbritannien ist ein sehr interessanter Markt", sagte Gasprom-Chef Alexej Miller in Amsterdam. Gasproms Interesse am größten britischen Gasversorger Centrica ist schon länger bekannt. Aber Finanzminister Gordon Brown, der demnächst Tony Blair als Premierminister ablösen könnte, bezeichnte jetzt einen etwaigen Übernahmeversuch als ein politisches Thema, das gründlich geprüft werden müsse.

          Preisnivellierung für Deutschland von Nachteil

          Über die NEGP sollen von 2010 an jährlich rund 27,5 Milliarden Kubikmeter sibirisches Erdgas durch die Ostsee fließen. Diese Menge entspricht knapp einem Drittel des deutschen Gasverbrauchs. An der 1200 Kilometer langen Leitung von St. Petersburg nach Greifswald oder Rostock ist Gasprom mit 51 Prozent beteiligt. Beim Einstieg der Gasunie würden die Anteile von BASF und Eon Ruhrgas auf jeweils 20 Prozent schrumpfen. Die erste Leitung wird bis zu 2,5 Milliarden Euro kosten.

          Die Weltgaskonferenz ist der Pulsmesser der internationalen Gaswirtschaft. Unter den fast 4000 Teilnehmern befinden sich auch Vorstände der 500 größten gaswirtschaftlichen Unternehmen. Auf der Vorgängerveranstaltung in Tokio vor drei Jahren "gab es keinen Weltgasmarkt, sondern nur einige lokale Gasmärkte. Aber mit verstärktem Einsatz von verflüssigtem Erdgas verschmelzen diese Regionalmärkte inzwischen zu einem einzigen Weltmarkt", beschreibt Gasunie-Chef George Verberg einen dramatischen Branchenumbruch. Für Deutschland mit seinen im internationalen Vergleich günstigen Importpreisen wäre freilich eine allgemeine Preisnivellierung eher von Nachteil.

          Langfristige Versorgung ist Schlüsselthema

          In den letzten Jahren ist der globale Erdgasverbrauch nicht zuletzt unter dem Einfluß der stark wachsenden Volkswirtschaften von China und Indien beschleunigt gestiegen. Da wird eine vorausschauende Einkaufspolitik für die großen Verbraucherländer ohne eigene Vorkommen immer wichtiger. Der Gasstreit zwischen Rußland und der Ukraine im Januar hat das Image der Gasprom als eines zuverlässigen Lieferanten beschädigt und die Frage einer langfristig sicheren Versorgung zum Schlüsselthema werden lassen.

          Jedoch wird an dem russischen Produzenten auf lange Sicht kein großes Verbraucherland vorbeikommen. Denn nach Untersuchungen der Internationalen Energieagentur IEA befinden sich von den in aller Welt derzeit sicheren Gasreserven in Höhe von 173.000 Milliarden Kubikmeter jeweils fast ein Drittel auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion und im politisch instabilen Nahen Osten. Nach der jüngsten IEA-Prognose wird der Weltenergiebedarf bis zum Jahr 2030 um mehr als 50 Prozent wachsen und der Erdgasverbrauch überproportional steigen.

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