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Energie : Gas ohne Grenzen

  • -Aktualisiert am

Aus Sibirien gekühlt auf alle Kontinente

In der Gewißheit ihrer wachsenden Bedeutung verfolgt die bislang auf Exporte nach Europa fixierte Gasprom inzwischen auch Projekte mit Abnehmern in Nordamerika und Fernost. Erst der Einsatz von durch starke Abkühlung verflüssigtem Gas, sogenanntem LNG, macht es möglich, diese Energie in Tankschiffen aus dem Polargebiet in andere Kontinente zu bringen.

Aber auch mit einer zweiten Neuerung macht die Gasprom auf sich aufmerksam: Miller bekräftigte in Amsterdam den Willen, einen integrierten Gaskonzern zu schaffen. Künftig will der russische Gasriese die gesamte Wertschöpfungskette von Förderung und Transport über den internationalen Großhandel bis zum Endverbrauchergeschäft abdecken. Ölmulties wie Exxon-Mobile oder Shell arbeiten schon lange in dieser Form; Eon und RWE streben danach. Der Unterschied ist freilich, daß die Gasprom als staatlich dominiertes Unternehmen zum politischen Instrument werden kann.

Leitungsungebundener Handel mit enormem Aufschwung

Die in jüngerer Zeit stark erhöhten Gaspreise wie auch Effizienzfortschritte bei der LNG-Technik verhelfen diesem leitungsungebundenen Handel zu enormem Aufschwung. So wird allein die Zahl der LNG-Tanker bis Ende 2007 um etwa 80 Einheiten wachsen und die Transportkapazität sich damit mehr als verdoppeln. Bislang galt das allein durch Gasleitungen versorgte Deutschland in seiner geographisch günstigen Lage zu den Produzentenstaaten Holland, Norwegen und Rußland als Land mit den günstigen Importpreisen. So hat die Ruhrgas beispielsweise bei ihrer jüngsten Auktion Gas an einige ausländische Händler verkauft. Sogar ein norwegischer Produzent hat eigenes Gas zurückgekauft. Trotzdem wird nun die gegenüber Leitungen erst bei größerer Entfernung konkurrenzfähige LNG-Technik auch hierzulande interessant.

Der RWE-Konzern will noch in dieser Woche die Beteiligung an einem neuen Anlandeterminal in Europa bekanntgeben und setzt große Hoffnungen auf eigene Vorkommen in Nordafrika, wo mittelfristig ein Verflüssigungsterminal entstehen könnte. Eon Ruhrgas besitzt zwar in Wilhelmshaven mit Minderheitspartnern wie der VNG einen Standort für ein Anlandeterminal. "Aber die Gasreserven, die gerade neu erschlossen werden, sind längst verkauft", sagt Ruhrgas-Chef Burckhard Bergmann. Das heißt Abwarten bis zum Aufschluß weiterer Felder.

Auch die aus einem DDR-Kombinat hervorgegangene VNG, die nach immer stärkerer Diversifizierung ihres einst hundertprozentigen Gaseinkaufs in Rußland strebt, sieht den LNG-Markt skeptisch. "Die Anlagen zur Rückvergasung schießen wie Pilze aus dem Boden. Wo soll nur all das LNG zu ihrer Auslastung herkommen", fragt sich VNG-Chef Klaus-Ewald Holst. Wingas hat die Suche nach LNG-Bezugsquellen vorerst eingestellt, da die Produzenten neuerdings auf unterbrechbaren Lieferverträgen bestünden, wie Wingas-Chef Rainer Seele erklärte. Dafür hat das Gemeinschaftsunternehmen von BASF und Gasprom alle Lieferverträge mit dem russischen Gesellschafter bis 2030 verlängert.

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