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Energie : Eons Kampf um Endesa

  • -Aktualisiert am

Objekt der Begierde: Endesa Bild: AP

Noch vor kurzem hatte es ausgesehen, als sei der Weg frei für die Übernahme der spanischen Endesa durch den deutschen Eon-Konzern. Doch weiter stößt Eon auf erbitterten Widerstand. Die europäische Übernahmeschlacht nimmt immer härtere Ausmaße an.

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          Deutsche gegen Spanier, Franzosen gegen Italiener, Spanier und Italiener gegen Deutsche - ist das Europas Zukunft? Den Eindruck kann bekommen, wer die Übernahmeschlachten europäischer Energiekonzerne verfolgt. Die Vorgeschichte: Der deutsche Energieriese Eon will den spanischen Wettbewerber Endesa übernehmen; er stößt auf erbitterten Widerstand der Regierung Zapatero.

          Die war aus guten Gründen alles andere als erfreut, als Eons Vorstandschef Bernotat seine Übernahmepläne zuerst in Madrid der Öffentlichkeit vorstellte, dabei nicht Spaniens Politiker, sondern die EU-Kommission für zuständig erklärte und erst danach den Ministerpräsidenten Zapatero aufsuchte. Unterdessen ordnete Frankreichs Premierminister de Villepin die Zwangsfusion des Versorgers Suez mit der staatlichen Energiegesellschaft Gaz de France an, um das Vordringen des italienischen Enel-Konzerns auf französisches Territorium zu verhindern. Und nun sollen Zapatero und Italiens Ministerpräsident Prodi vereinbart haben, dass die in Frankreich abgeblitzte Enel bei der bedrängten Endesa einsteigen darf, wenn im Gegenzug Spaniens größte Telefongesellschaft bei Telecom Italia eine wichtige Rolle spielen dürfe.

          Tendenz zum Protektionismus

          Offensichtlich wird das aus Frankreich stammende Konzept des „nationalen Champions“ zum Vorbild in Europa. Zunehmend aggressiver gehen nationale Industriepolitiker gegen unliebsame ausländische Konkurrenz vor, angeblich zum Schutz der eigenen Unternehmen, wobei am Ende die Konsumenten zahlen müssen, wenn der Wettbewerb ausgeschaltet wird. Gleichzeitig wird aber mit Stolz vermerkt, wenn die eigenen Konzerne durch grenzüberschreitende Übernahmen wachsen.

          Diese Tendenz zum Protektionismus untergräbt den Binnenmarkt, vor allem aber widerspricht Abschottung den Römischen Verträgen, deren Unterzeichnung vor fünfzig Jahren in wenigen Wochen gefeiert wird. Die Vorteile schrankenloser Märkte für Waren und Kapital in Europa sind im Alltag so greifbar wie selbstverständlich. Dennoch misstrauen die Europäer zunehmend ihrem eigenen Erfolgsrezept. Die gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und in den Niederlanden haben die Gemeinschaft tief verunsichert, Ähnliches gilt für die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Ost-Erweiterung der EU.

          Doch nicht wenige nationale Champions werden über die wirtschaftliche Zukunft Europas entscheiden, sondern der globale Wettbewerb. Mit nationalen Abwehrreflexen wird Europa die Zukunft in einer globalisierten Wirtschaftswelt nicht gewinnen. Die EU ist nicht durch Abschottung, sondern durch Wettbewerb wirtschaftlich stark und anziehend geworden, über die Grenzen hinweg.

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