https://www.faz.net/-gqe-nuhj

Energie : Eon und Gasprom in schwierigen Verhandlungen

  • -Aktualisiert am

Gasprom bewertet die strategische Bedeutung der Vermögenswerte anders Bild: dpa

Das Erdgasfeld Juschno-Russkoje ist heiß begehrt. Seit Jahren verhandelt Eon mit Gasprom um eine Beteiligung. Bei Eon ist man jetzt zuversichtlich, die Gespräche bald erfolgreich zu beenden. Gasprom-Vertreter sind da nicht so sicher.

          3 Min.

          Seit mehreren Jahren schon verhandelt der deutsche Energieversorger Eon mit dem staatlich kontrollierten russischen Erdgas-Monopolisten Gasprom über eine Beteiligung am westsibirischen Erdgasfeld Juschno-Russkoje. Bei Eon ist man zuversichtlich, die Gespräche mit Gasprom bis zum 29. September zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. An diesem Datum soll die industrielle Förderung in Juschno-Russkoje beginnen. Bis dahin könnten die künftigen Eigentümerverhältnisse schon geklärt sein, heißt es bei Eon. Der Düsseldorfer Energiekonzern strebt eine Beteiligung von 25 Prozent minus einer Aktie am Feld Juschno-Russkoje an.

          Bereits im Sommer 2004 hatte Eon mit Gasprom eine Absichtserklärung zur Erschließung des Gasfeldes unterzeichnet, was den russischen Gasmonopolisten freilich nicht davon abhielt, später auch mit BASF über das Projekt zu verhandeln. Im vergangenen Jahr kam es zu einer Rahmenvereinbarung, bei der die Düsseldorfer Gasprom Minderheitsbeteiligungen an den ungarischen Gesellschaften Eon Földgaz Trade und Eon Földgaz Storage sowie an Eon Hungaria angeboten hatten. Zudem war ursprünglich eine Ausgleichszahlung von 1,2 Milliarden Euro vorgesehen.

          Am wertvollsten wäre ein Zugang zu den Endkunden

          Der Knackpunkt der Verhandlungen sind die unterschiedlichen Bewertungen und Beurteilungen zur strategischen Bedeutung der angebotenen Vermögenswerte. Gasprom-Vertreter hatten in den vergangenen Monaten mehrfach gesagt, dass die Verhandlungen auch scheitern könnten. Auf Wunsch der Russen ist auch eine mögliche Kooperation bei ausgewählten Stromerzeugungsprojekten im Gespräch. So wurden unter anderem Anteile an britischen Gaskraftwerken der Eon ins Spiel gebracht. Am wertvollsten für Gasprom wäre aber wohl ein direkter Zugang zu den Endkunden in einem großen europäischen Land. Eine Beteiligung Gasproms am Deutschland-Geschäft von Eon war jedoch nach früheren Aussagen der Düsseldorfer kein Gegenstand der Verhandlungen.

          Mit Hilfe der Beteiligung an Juschno-Russkoje möchte der Eon-Konzern, der über seine Tochtergesellschaft Eon Ruhrgas als größter privater Anteilseigner rund 6,4 Prozent an dem russischen Gaskonzern hält, den angestrebten Anteil von etwa 15 Prozent des Gasbezugs aus eigenen Quellen erreichen. Die Produktionsmenge von Juschno-Russkoje entspricht etwa 10 Prozent des Gaseinkaufs von Eon.

          Versorgung von 10 Millionen Haushalten jährlich

          Bisher machen die Projekte in der britischen und norwegischen Nordsee rund 5 Prozent aus. Die Reserven des westsibirischen Erdgasfeldes belaufen sich nach Unternehmensangaben auf mehr als 600 Milliarden Kubikmeter. Es wird damit gerechnet, dass jährlich eine Menge von bis zu 25 Milliarden Kubikmetern über einen Zeitraum von 30 Jahren produziert wird. Mit diesem Ausstoß können jährlich bis zu 10 Millionen Haushalte versorgt werden. Da Gasprom aber das Exportmonopol für russisches Erdgas hat, bleibt die Vermarktung der Juschno-Russkoje-Produktion in den Händen des russischen Riesen. Zudem ist Gasprom der Betreiber.

          Eine Rolle bei den Verhandlungen spielen möglicherweise auch die Pläne von Eon zu einem Einstieg in die Energieproduktion in Russland. So könnte beispielsweise Erdgas von Juschno-Russkoje auch für die Befeuerung von Gaskraftwerken Verwendung finden. Eon hatte bereits angekündigt, bei der geplanten Auktion des russischen Versorgungsbetriebes OGK-4 mitzubieten. Vor wenigen Tagen sagte jedoch Lutz Feldmann, der bei Eon für Übernahmen zuständige Vorstand, dass das Unternehmen nur am Bieterwettbewerb teilnehmen werde, wenn gewisse Klauseln in den Verträgen geändert würden. Feldmann sagte jedoch nicht, welche Bestimmungen er meinte. Bei der ersten Auktion eines russischen Versorgers, OGK-5, waren die Deutschen dem italienischen Energiekonzern Enel unterlegen.

          Auch BASF ist noch nicht am Ziel

          Eon begann über die Tochtergesellschaft Ruhrgas bereits im Jahr 1973 mit dem Vertrieb russischen Erdgases in Deutschland. Dennoch hat der Chemiekonzern BASF bei einer Beteiligung an Juschno-Russkoje die Nase vorn. Aber auch BASF, die sich über die Tochtergesellschaft Wintershall an Juschno-Russkoje beteiligen will, ist noch nicht am Ziel. Zwar sagte Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht bei der Bilanzvorlage im Frühjahr, dass nur noch technische Details im Vertragswerk geregelt werden müssen, und kündigte einen Abschluss der Verhandlungen zur Jahresmitte an. „Die Verhandlungen sind weitgehend abgeschlossen“, sagte ein Sprecher von Wintershall dieser Tage. Dem Vernehmen nach fehlen noch die Eintragungen in die Handelsregister.

          Im Unterschied zu Eon haben BASF und Gasprom einen reinen Tausch von Vermögenswerten vereinbart. Wintershall erhält 25 Prozent minus einer Aktie sowie weitere 10 Prozent nicht stimmberechtigter Aktien an der Gesellschaft Severneftegasprom, die die Lizenz am Erdgasfeld hält. Für die 35 Prozent am wirtschaftlichen Ertrag des Gasfeldes bekommt Gasprom einen von 35 auf 50 Prozent minus einer Aktie aufgestockten Anteil an der Wingas AG, einem Gemeinschaftsunternehmen von Wintershall und Gasprom.

          „Unsere gemeinsame Tochtergesellschaft“

          Außerdem erhalten die Russen noch eine Beteiligung an einem Ölfeld in Libyen. Die bisherige Verabredung sieht außerdem vor, dass sich Wingas künftig auf den Vertrieb von Gas in Deutschland konzentrieren soll. Gleichzeitig werden Wintershall und Gasprom mit gleichen Anteilen die Wingas Europa gründen, die den Gashandel außerhalb Deutschlands ausbauen soll.

          Aus russischer Sicht scheinen die Verhältnisse auch ohne Verträge weitgehend geregelt. Im Zusammenhang mit Wingas ist bereits von „unserer deutschen Tochtergesellschaft“ die Rede. Vor drei Jahren gründeten BASF und Gasprom das Gemeinschaftsunternehmen Achimgas zur Ausbeutung des großen Gasfeldes Nowy-Urengoi. Wintershall ist damit bisher das einzige deutsche Unternehmen, das bei der Förderung von Erdgas in Russland aktiv ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Fahrer von Volkmarsen : Tatverdächtiger war früher bereits straffällig

          In Volkmarsen ist ein Autofahrer in den Rosenmontagsumzug gefahren. Es gibt 30 Verletzte, darunter sieben Schwerverletzte. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Auch eine zweite Person wurde festgenommen.

          CDU-Nachfolge : Nach der Wahl ist vor dem Söder-Test

          Der CDU-Vorstand beschließt, dass am 25. April ein neuer Vorsitzender gewählt wird. Doch viele Fragen bei der Nachfolge sind noch unbeantwortet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.