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Energie : 100 Millionen Dollar Gewinn pro Tag

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Der Mineralölkonzern Exxon profitiert vom hohen Ölpreis Bild:

Der Ölriese Exxon Mobil hat im vergangenen Jahr das höchste Unternehmensergebnis aller Zeiten erwirtschaftet: 36,1 Milliarden Dollar. Damit könnte man die Deutsche Post oder BMW kaufen.

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          Auf Ölquellen zu sitzen ist eine Lizenz zum Gelddrucken. Exxon Mobil, der größte private Energiekonzern der Welt, fährt jeden Tag einen Gewinn von knapp 100 Millionen Dollar ein. In der Summe waren es im vergangenen Jahr 36,1 Milliarden Dollar, der höchste Nettogewinn, den jemals ein Unternehmen erwirtschaftet hat. Die Summe würde reichen, um ein Unternehmen wie die Deutsche Post oder BMW zu kaufen.

          Exxon Mobil ist zwar ein Unternehmen, dem im allgemeinen nachgesagt wird, daß es sehr gut geführt ist. Doch dafür, daß der Gewinn allein im vergangenen Jahr nochmals um satte 43 Prozent gestiegen ist, kann das Management herzlich wenig. Der Gewinnsprung ist, wie es Ökonomen auszudrücken pflegen, in erster Linie ein „windfall profit“, also ein ungeplanter oder überraschender Gewinn.

          Krisengewinnler „Big Oil“

          Es ist der stark gestiegene Ölpreis, der die Aktionäre von Exxon so reich macht. Und für diesen Preisanstieg sind eine Vielzahl von Faktoren verantwortlich, von dem riesigen Ölhunger der Asiaten über Produktionsausfälle durch Wirbelstürme bis zu den politischen Spannungen im ölreichen Nahen und Mittleren Osten.

          Mit einer Portion Bösartigkeit könnte man „Big Oil“, wie die privaten Mineralölkonzerne in Amerika genannt werden, denn auch als Krisengewinnler bezeichnen. Als die Benzinpreise im September vergangenen Jahres historische Höhen erreichten, wurden aus der Politik denn auch Forderungen laut, die Mineralölkonzerne mit Sondersteuern zu belegen.

          Starke Lobby

          Doch kaum fielen die Preise an den Zapfsäulen, verliefen viel dieser Initiativen im Sand - in Europa wie in Amerika. Zwei Gesetzesinitiativen, die den amerikanischen Ölkonzernen höhere Steuern auferlegen würden, passierten zwar den Senat, nicht aber das Repräsentantenhaus. „Big Oil“ hat in Washington eine starke Lobby, nicht zuletzt in Person des Präsidenten Bush und seines Stellvertreters Cheney, die beide aus der Ölindustrie kommen.

          Als im vergangenen Herbst eine Gruppe von Senatoren an die neun größten Ölkonzerne des Landes appellierte, im Winter verbilligte Ölkontingente für einkommenschwache Familien zur Verfügung zu stellen, kam nur ein Brief zurück. Ausgerechnet von Citgo, einem Ableger der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft. Venezuelas Präsident Hugo Chavez, erklärtermaßen ein Erzfeind von Präsident Bush, läßt Citgo seit Wochen Heizöl mit einem Discount von 40 Prozent an ärmere Bevölkerungskreise im Nordosten der Vereinigten Staaten verteilen.

          „Nur“ 17,7 Milliarden Dollar investiert

          Diese Großzügigkeit, so durchsichtig sie sein mag, wirft ein schlechtes Licht auf die großen Ölkonzerne des Landes. Sie sehen sich ohnehin dem Vorwurf ausgesezt, ihre „windfall profits“ überwiegend an die Aktionäre verteilen. So hat Exxon im vergangenen Jahr über Dividenden und Aktienrückkäufe 23 Milliarden Dollar an seine Anteilseigner verteilt. Investiert wurden dagegen „nur“ 17,7 Milliarden Dollar.

          Die hohe Ausschüttung ist allerdings auch aus der Not geboren. „Big Oil“ investiert nicht mehr, weil es an Gelegenheiten fehlt: Die großen Öl- und Gasvorkommen dieser Welt werden zu 90 Prozent von staatlichen Ölgesellschaften aus Ländern wie Saudi-Arabien, Iran, Rußland oder Venezuela kontrolliert. Deren Gewinne und Reserven machen selbst Exxon zu einer Pygmäe.

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