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Familienpolitik : Paare sollen länger Elterngeld bekommen

  • Aktualisiert am

Familienministerin Manuela Schwesig. Bild: dpa

Familienministerin Manuela Schwesig will Eltern entlasten und das Elterngeld über einen längeren Zeitraum strecken. Künftig kann die Unterstützung doppelt so lange gezahlt werden. Die Verbesserungen gibt es nicht umsonst.

          Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will mit einer Streckung des Elterngeldes die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. „Wir wollen die Elternzeit flexibler gestalten. Die Lebenswelt von jungen Familien hat sich verändert“, sagte Schwesig am Freitag in Berlin, wo sie Eckpunkte für ein sogenanntes Elterngeld Plus vorstellte.

          Bisher können Eltern, auch wenn sie in Teilzeit arbeiten, das Elterngeld lediglich für 14 Monate beantragen, je nach Höhe des vorherigen Nettoverdienstes gibt es zwischen 300 und 1800 Euro monatlich. Reduzieren jedoch beide Elternteile die Arbeitszeit und beziehen parallel dazu den Verdienstausgleich, sind die 14 Monate bereits nach sieben aufgebraucht.

          Mit der Einführung des sogenannten Elterngeldes Plus will Schwesig eine frühere Rückkehr in den Beruf attraktiver machen: Wer Teilzeit in einem Umfang von mindestens 25 Prozent arbeitet, kann künftig bis zu 28 Monate zusätzlich zum Teilzeiteinkommen Elterngeld bekommen. Wenn Väter und Mütter Teilzeit arbeiten, sollen sie maximal die Hälfte des regulären Elterngelds bekommen. Also zum Beispiel 650 Euro über 24 Monate statt 1300 Euro über 12 Monate ohne Erwerbstätigkeit.

          Unterm Strich bekommen in Teilzeit arbeitende Eltern über den gestreckten Zeitraum dann genauso viel Elterngeld wie Eltern, die auf Berufstätigkeit verzichten. Zusätzlich ist ein Partnerschaftsbonus geplant: Väter und Mütter, die zeitgleich in Teilzeit wechseln, um sich um das Kind zu kümmern, können dafür vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate bekommen. Eltern von Mehrlingen bekommen künftig neben einer Bonuszahlung von 300 Euro  zwei zusätzliche Partnermonate.

          Auch Regeln der Elternzeit werden geändert

          Änderungen sind auch bei der dreijährigen Elternzeit geplant: Bislang müssen zwei Jahre am Stück genommen werden, ein weiteres Jahr können die Eltern auf Antrag beim Arbeitgeber später nehmen. Künftig sollen Eltern einen Zeitraum von zwei Jahren später in Anspruch nehmen können - bis zum achten Lebensjahr des Kindes. Der Wunsch muss drei Monate vorher beim Arbeitgeber angemeldet werden, seine Zustimmung ist nicht erforderlich.

          Die Eckpunkte seien „der erste Schritt zu einer Familienarbeitszeit“, betonte Schwesig. Die Ministerin verwies auf  Umfragen, nach denen sich 60 Prozent der Eltern wünschten, dass beide Partner in gleichem Umfang erwerbstätig sein und sich gleichermaßen um Haushalt und Familie kümmern könnten - „doch nur 14 Prozent verwirklichen diesen Wunsch“. Die flexibleren Regelungen in Elternzeit und beim Elterngeld sollten dazu beitragen, auf „ganz  unterschiedliche Umstände in den Familien einzugehen“.

          Reform kostet rund 100 Millionen Euro im Jahr

          Schwesigs Vorschlag, junge Eltern nur noch 32 Stunden pro Woche  arbeiten zu lassen und das Gehalt durch den Staat aufstocken zu  lassen, war zu Beginn ihrer Amtszeit vom Koalitionspartner Union  abgelehnt worden.

          Bisher gibt der Bund rund 5,3 Milliarden Euro pro Jahr für das Elterngeld aus, die nun geplante Reform soll die Kosten um etwa 100 Millionen erhöhen. Die neue Regelung soll laut Schwesig ab 1. Juli 2015 in Kraft treten.

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