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Elektroautos : Keine große Starthilfe aus Deutschland

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Auch wenn Deutschland Weltmarktführer für Elektromobilität werden soll: Nennenswerte Starthilfe von der Regierung gibt es dafür nicht. Während Barack Obama seiner Autoindustrie 25 Milliarden Dollar für diesen Zweck spendiert, sollen die deutschen Autohersteller mit 500 Millionen Euro auskommen.

          Auch wenn Deutschland Weltmarktführer für Elektromobilität werden soll: Nennenswerte Starthilfe von der Bundesregierung gibt es dafür nicht. Während der amerikanische Präsident Barack Obama seiner Autoindustrie 25 Milliarden Dollar für diesen Zweck spendiert, sollen die deutschen Autohersteller mit 500 Millionen Euro auskommen. Trotz Absatzschwäche und Skepsis der Konsumenten müssen sie Milliarden von Euro in die Entwicklung neuer Antriebstechnik stecken. Schon liefert sich die Branche ein Wettrennen um die Markteinführung von Elektroautos. Der Startschuss für die Produktion in größeren Stückzahlen fällt 2010; erste Testmodelle werden auf der Automesse IAA in Frankfurt zu sehen sein.

          Neben technischen Hürden müssen dann nicht zuletzt die Zweifel der Verbraucher überwunden werden: Laut einer neuen Studie von Aral könnten sich zwar 36 Prozent der Autofahrer den Kauf eines Elektroautos vorstellen. Jedoch seien mehr als zwei Drittel der potentiellen Käufer lediglich bereit, einen kleinen Aufpreis von bis zu 2000 Euro zu bezahlen – angesichts der noch 10.000 Euro teuren Batterien ein fast unerfüllbarer Wunsch. Für fast drei Viertel der Käufer sei eine Reichweite von mindestens 300 Kilometern pro Aufladung des Elektroautos eine Voraussetzung für den Kauf – auch das eher eine Vision für die fernere Zukunft.

          Autohersteller haben jeweils drei Partner

          Dennoch arbeiten die deutschen Hersteller mit Hochdruck am Elektroauto. Jeder von ihnen hat dafür drei Partner: einen Batteriehersteller, einen Stromkonzern und einen Spezialisten für den Antriebsstrang. Ohne diese zahlreichen Kooperationen würde das Fachwissen fehlen, und die Entwicklung würde viel zu teuer. Die Deutschen müssen sich beeilen, wenn sie der fernöstlichen Konkurrenz nicht hinterherhinken wollen: Der japanische Elektro-Kleinwagen i-MiEV von Mitsubishi kommt schon jetzt testweise am Frankfurter Flughafen zum Einsatz, kostet aber noch 33.000 Euro; die Markteinführung in Österreich ist für 2010 geplant (siehe auch Mitsubishi iMIEV: Die tosende Lautlosigkeit der neuen Kraft). Auch Japans Nissan-Konzern stellt Elektroautos für den Großversuch des kalifornischen Infrastrukturbetreibers Better Place in Israel bereit.

          Die Betriebsamkeit in München, Stuttgart und Wolfsburg nimmt vor diesem Hintergrund deutlich zu. BMW entwickelt mit dem kalifornischen Antriebshersteller AC Propulsion einen Elektroantrieb. Ein Elektroauto vom Modell Mini wird seit Ende 2008 in Kalifornien getestet – allerdings ohne Rückbank, weil die Batterie so viel Platz braucht. Parallel dazu läuft ein Großversuch in Berlin mit 50 Elektrominis. Der Stromkonzern Vattenfall stellt die Ladestationen, die Abrechnungsinfrastruktur und betreibt das ganze System. Die Batterien liefert ein Gemeinschaftsunternehmen des deutschen Autozulieferers Bosch mit dem südkoreanischen Mischkonzern Samsung.

          Auch Konkurrent Daimler fährt gleich drei Großversuche parallel in Berlin, London und Rom ab – mit jeweils 100 Elektroautos vom Modell Smart. In Berlin stellt der Stromkonzern RWE die Ladestationen, die Abrechnungsinfrastruktur und betreibt das ganze System; in Rom übernimmt diese Rolle Enel. Mit dem Essener Mischkonzern Evonik entwickelt Daimler in den beiden Gemeinschaftsunternehmen Litec und Deutsche Accumotive die Stromspeichertechnik. Zudem hat sich Daimler zusammen mit dem arabischen Großaktionär Abu Dhabi mit 10 Prozent an dem kalifornischen Elektro-Sportwagenhersteller Tesla beteiligt, um die Markteinführung zu beschleunigen.

          Nischenanbieter drängen in den Markt

          Zurückhaltender gibt sich Volkswagen. Vorstandschef Martin Winterkorn wies zuletzt auf der Automesse in Genf darauf hin, dass zunächst die Einsparmöglichkeiten herkömmlicher Motoren ausgeschöpft werden sollten – bevor in der ferneren Zukunft ausgereifte Elektroautos zur Verfügung stehen könnten.

          Doch auch VW entwickelt gemeinsam mit dem japanischen Konzern Toshiba eine Elektroversion des Kleinstwagens „Up“, der von 2011 an voraussichtlich im slowakischen Bratislava hergestellt wird. Zusammen mit dem chinesischen Autohersteller BYD – ein ehemaliger Batterienproduzent – will VW die gemeinsame Entwicklung eines Elektroautos prüfen. Darüber hinaus hat die Tochtergesellschaft Audi ein Unternehmen mit dem japanischen Konzern Sanyo für die Entwicklung von Lithium-Ionen-Batterien gegründet.

          Die Autohersteller müssen sich sputen, wenn sie nicht eines Tages von Nischenanbietern wie Segway, dem kleinen Hersteller der beliebten, motorbetriebenen Stadtroller, verdrängt werden wollen. Eine Studie der Beratungsfirma A.T.Kearney prognostiziert für 2020 beim Elektroauto einen Zulieferanteil von 100 Prozent.

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