https://www.faz.net/-gqe-7pjf1
 

Migration : Einwanderungsland Deutschland

  • -Aktualisiert am

Deutschland ist das zweitbeliebteste Einwanderungsland - nach Amerika. Bild: dpa

Wenn Deutschland seinen Wohlstand halten will, braucht es junge und qualifizierte Einwanderer. Deshalb sollte besser ausgewählt werden, wer kommt.

          1 Min.

          Wer hätte das gedacht? Nach den Vereinigten Staaten ist Deutschland das beliebteste Einwanderungsland der Welt. Das ist die Realität, auch wenn das manche immer noch nicht wahrhaben wollen. Gemessen am Anstieg der Zuwanderung und auch in absoluten Zahlen hat Deutschland klassische Einwanderungsländer wie Kanada oder Australien abgelöst.

          Jeder dritte Zuwanderer kommt aus Südeuropa, wo die Euro-Krise die Arbeitsmärkte zusammenbrechen ließ und einer Generation junger Menschen die Perspektive raubte. Nun ist Migration kein Ersatz für eine bessere Wirtschafts- und Sozialpolitik in den Krisenländern, aber der EU-Binnenmarkt dient zumindest als Ventil.

          Die Freizügigkeit für Arbeitnehmer, der freie Handel und der Wettbewerb im gemeinsamen Binnenmarkt sind von zentraler Bedeutung für die EU. Deshalb muss, bei aller berechtigter Kritik an vielen Euro-Rettungsmaßnahmen und trotz des verständlichen Ärgers über die Brüsseler Regulierungswut, der freie Zugang zur Beschäftigung innerhalb der EU erhalten bleiben.

          Das rasch alternde und in weiten Teilen vollbeschäftigte Deutschland ist auf den Zuzug von jungen und qualifizierten Menschen angewiesen, wenn es sein Wohlstandsniveau halten möchte. Noch führt die Euro-Krise viele europäische Talente nach Deutschland, die hier Arbeit und Zukunft finden. Aber es wird dem Zufall überlassen, wer mit welcher Ausbildung aus anderen Weltgegenden kommt.

          Das machen Länder wie die Schweiz, Australien oder Kanada besser, weil dort verstanden wird, dass der Kampf um die besten Nachwuchskräfte zum Wettbewerb gehört. Dort wählt man die Zuwanderer nach Qualifikation und Bedarf aus. Deshalb liegen diese Länder im Wettlauf um die Besten ebenso vorne wie bei vielen Schülerwettbewerbern.

          Wer hingegen das (noch) reiche Deutschland zur Sozialstation Europas oder darüber hinaus machen möchte, der wird das Gegenteil schaffen – ein überfordertes, gesellschaftlich gespaltenes und am Ende verarmtes Land. Jetzt hat der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs festgestellt, dass Deutschland auch EU-Bürgern Hartz-IV-Leistungen verweigern darf, um „Missbräuche und eine gewisse Form von Sozialtourismus zu verhindern“. Deutsche Politiker und Gerichte sollten entsprechend handeln. Wer nur einreist, um Sozialhilfe zu beziehen, den sollte man nicht mit hilfsbedürftigen Arbeitssuchenden verwechseln. Bleibt zu hoffen, dass auch die obersten europäischen Richter Europa (noch) nicht als Sozialunion sehen.

          Weitere Themen

          Reiche besitzen mehr als gedacht

          Hohe Vermögen : Reiche besitzen mehr als gedacht

          Bislang ließ sich nicht messen, wie viel Vermögen Reiche in Deutschland haben. Darunter litt auch die Verteilungsforschung. Nun ist es DIW-Forschern gelungen, durch eine neue Stichprobe mehr Erkenntnisse zu gewinnen.

          Topmeldungen

          Kann sich auch mal leisten, wer nicht als „reich“ gilt: Dinner in Amsterdam.

          Vermögensverteilung : Die Neuvermessung der Reichen

          Wer die Lücke zwischen Arm und Reich verringern möchte, muss am unteren Ende ansetzen und den Aufbau von Vermögen unterstützen. Viel zu viele Deutsche haben keinerlei Ersparnisse. Das ist ein Armutszeugnis.
          Lauthals gegen Biden: Trump bei der Pressekonferenz im Rosengarten.

          Trumps Ersatz-Wahlkampf : Noch konfuser als sonst

          Wegen Corona kann Donald Trump keine Kundgebungen abhalten. Ersatzweise lädt er Journalisten ins Weiße Haus. Der Vorwand? Die neue China-Politik. Das tatsächliche Thema? Joe Biden. Denn der wolle alle Fenster abschaffen!
          Gesperrter Grenzübergang zwischen Luxemburg und Deutschland in Echternach, fotografiert Anfang Mai.

          Corona-Risikogebiet : Wird Luxemburg fürs fleißige Testen bestraft?

          In Luxemburg stecken sich vermehrt Jüngere mit Corona an, die deutsche Regierung hat das Land zum Risikogebiet erklärt. Auf beiden Seiten der Grenze wächst die Angst, dass sich die Schlagbäume senken könnten. Schon wieder.
          Sturmumtost: das Gebäude der „New York Times“ in New York

          „New York Times“ in der Kritik : Ein Forum für alle?

          Von Kollegen gemobbt, von Twitter bevormundet: Meinungsredakteurin Bari Weiss verlässt die „New York Times“ – und erklärt in einem gepfefferten Kündigungsbrief, warum sie dort nicht mehr arbeiten möchte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.