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Migration : Was hat Deutschland von der Einwanderung?

Ein Hauch von Istanbul am Main: Seit 10 Jahren können Frankfurter Döner Kebab aus diesem „Döner-Boot“ kaufen. Vorbild für den türkischen Gastronomen waren die Imbisse Istanbuls an der Galatabrücke, die ebenfalls aus Booten heraus an Passanten verkaufen. Bild: Jung, Hannes

Welche Folgen hat die Einwanderung für unser Land? Diese Frage stellen sich unzählige Ökonomen. Klar ist, dass die Migration Deutschland verändert hat. Aber wie?

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          Seit den Pegida-Demonstrationen debattiert Deutschland wieder stärker über seine Einwanderer. Befeuert wird die Debatte auch durch den Aufstieg der „Alternative für Deutschland“, der die Altparteien aufgeschreckt hat und nun alle gemeinsam plötzlich nach einem Einwanderungsgesetz rufen lässt. Tatsächlich ist die Zahl der Zuwanderer in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen – so viele Zuzüge hatte es zuletzt vor über zwanzig Jahren gegeben. Der Ökonom Hans-Werner Sinn spricht sogar von einem „Migrationssturm“. Das klingt alarmierend, denn wenn ein Sturm aufzöge, dann müsste man sich eigentlich schützen. Aber hat er das wirklich so gemeint?

          Tillmann Neuscheler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wirtschaftswissenschaftler sehen die Dinge naturgemäß nüchtern. Sind Zuwanderer finanziell betrachtet ein Gewinn oder eine Belastung für Deutschland? Diese Frage erscheint den meisten von ihnen als durchaus zulässig -  ganz ohne moralische Wertung. Ein Blick auf die bundesdeutsche Geschichte der „Gastarbeiter“ zeigt aber auch, wie stark sich unser Denken über Kosten und Nutzen der Einwanderung im Laufe der Zeit gewandelt hat. Und vor allem auch unsere Vorstellung davon, welche Einwanderer wir wollen.

          In den 50er Jahren warb Deutschland  aus vielen Ländern Arbeiter an. Gekommen sind damals vor allem Menschen aus ärmeren Regionen. Aus Italien kamen weniger die  reichen Norditaliener, sondern die Süditaliener. Aus der Türkei kamen viele aus Anatolien.  Das störte nicht. Vielen Deutschen hat das Wirtschaftswunder damals den sozialen Aufstieg erlaubt: Als der Käfer in der Garage stand, im Wohnzimmer der Fernseher flimmerte und die Wäsche in der Waschmaschine rotierte, heizte der Wohlstand für alle die Industrieproduktion weiter an. Die Unternehmen suchten händeringend nach einfachen Arbeitern. Mitte der 50er Jahr schloss Deutschland das erste Anwerbeabkommen – die Masseneinwanderung begann, erst zögerlich, dann mit immer mehr Schwung. Der Industrie in den Nachbarländern ging es ähnlich. Auch andere Länder wie Frankreich, Belgien, die Niederlande und die Schweiz warben Arbeiter aus Südeuropa an. Als Deutschland das erste Anwerbeabkommen aushandelte, hatten viele Länder schon ähnliche Verträge geschlossen: „Deutschland war eher spät dran“, sagt der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer: „Es gab einen regelrechten Wettbewerb, etwa um Gastarbeiter aus Italien.

          Diese Zeit prägt Deutschland bis heute. Seit 1971 sind die Türken die größte Ausländergruppe, wenngleich ihre Zahl in den letzten Jahren wieder geschrumpft ist, teils durch Einbürgerung, teils durch Abwanderung. Die Grafik zeigt, dass Ende der 60er Jahre noch die Italiener die größte Ausländergruppe in Deutschland waren. Mit Italien hatte die Bundesrepublik 1955 das erste Anwerbeabkommen geschlossen, es folgten ähnliche Verträge mit Spanien und Griechenland (1960), der Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968).

          Auf Integration legte anfangs kaum jemand großen Wert: „Der nicht integrierte, auf sehr niedrigem Lebensstandard vegetierende Gastarbeiter verursacht relativ geringe Kosten“, schrieb das Handelsblatt zu Beginn der 70er Jahre. Erst bei Vollintegration werde es teuer. Die Arbeitgeber plädierten zeitweise für das sogenannte „Rotationsprinzip“: Die Aufenthaltsgenehmigung von Gastarbeitern sollte nach einigen Jahren automatisch ablaufen, die Gastarbeiter sollten dann in ihre Heimatländer zurückkehren und durch neu angeworbene ersetzt werden. Das bewährte sich aus Sicht der Industrie aber nur teilweise, weil es vielen Unternehmen mit der Zeit doch wenig sinnvoll erschien, eingearbeitete Arbeitskräfte, die sich bewährt hatten, nach einigen Jahren durch Rotation zu verlieren, um neue, ungelernte Gastarbeiter neu einarbeiten zu müssen.

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