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Einwanderung aus Afrika : Mit dem Wohlstand kommen die Flüchtlinge

Flüchtlinge auf dem Rettungsschiff der „Ärzte ohne Grenzen“ Bild: Reuters

Lässt mehr Wohlstand in den Ländern Afrikas den Flüchtlingsstrom abebben? Nein. Das sagt der Afrika-Verein und prophezeit: Die Zahlen werden mit dem Wirtschaftswachstum sogar steigen.

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          Der Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft erwartet, dass der Zustrom von Flüchtlingen über das Mittelmeer nach Europa in den nächsten Jahren weiter wachsen wird. Migration gebe es weniger aus ganz armen Ländern, sondern nur, wenn ein gewisses Wohlstandsniveau erreicht sei, erläuterte sein Vorsitzender Stefan Liebing am Mittwoch in Berlin. Erst dann seien die Menschen in der Lage, sich zu informieren, welche Chancen es woanders für sie gebe. Auch könnten dann Familien das Geld zusammenlegen, um es einem Angehörigen zu ermöglichen, nach Europa zu gehen und dort sein Glück zu machen. In vielen Ländern Afrikas wird nach seinen Angaben der Auswanderungsdruck erst noch deutlich größer, bevor er sinken wird. Er verwies auf Berechnungen von Wissenschaftlern, nach denen das Bruttoinlandsprodukt bis auf 7000 Dollar je Kopf steigen muss, bevor die Flüchtlingszahlen zurückgehen. Seine Schlussfolgerung: „Die absoluten Zahlen der Flüchtlinge aus Afrika werden mit dem Wirtschaftswachstum steigen.“ Im ersten Halbjahr 2015 stammten 19 Prozent der Asylanträge, die in Europa gestellt wurden, von Afrikanern.

          Manfred Schäfers
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Liebing warb dafür, die deutsche Entwicklungspolitik grundsätzlich zu überdenken. Ziel müsse sein, dass es keinen Anreiz für die Menschen mehr gebe, sich in unsichere Boote zu drängen. Der Fokus müsse darin liegen, den Aufholprozess afrikanischer Länder zu beschleunigen. An drei Punkten sollte man sich orientieren: erstens Arbeitsplätze vor Ort zu schaffen, zweitens Infrastruktur auszubauen und drittens mit Ausbildungsplätzen jungen Menschen eine Perspektive zu geben.

          Der Afrika-Verein schlug dazu vor, Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) neue Instrumente an die Hand zu geben. So könnte ein neuer Fonds zur Förderung von Industrieparks und Sonderwirtschaftszonen aufgelegt werden. Die Länder mit den besten Konzepten sollten daraus unterstützt werden. Damit erziele man größere Effekte als mit immer neuen Machbarkeitsstudien. Auch zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten sollten Fonds aufgelegt werden.

          Afrikas Bedeutung für deutsche Wirtschaft nimmt zu

          Zudem plädiert der Afrika-Verein dafür, deutsche Unternehmen auch in frühen Projektphasen zu fördern. Mittelständler täten sich schwer, in der Hochrisikophase einzusteigen. „13 Windparks gehen in Afrika an Netz – nicht ein einziger ist von einem deutschen Unternehmen entwickelt worden“, hob Liebing hervor. Mit 100 Millionen Euro, die in einer frühen Projektphase eingesetzt würden, könne man ein Investitionsvolumen von fünf Milliarden Euro gewinnen. Er regte eine Versicherung für Projekte in der Frühphase an: Wenn es erfolgreich ist, zahlt der Unternehmer einen Teil des Überschusses in den Topf ein, wenn es aber nicht realisiert wird, erhält er einen Teil des Entwicklungsaufwandes zurück.

          Der Afrika-Verein sieht die deutschen Unternehmen im Wettbewerb mit europäischen Konkurrenten im Nachteil. Erst seit wenigen Monaten sind Geschäfte mit acht Ländern Afrikas überhaupt erstmals abzusichern. Die meisten Länder des Kontinents sind damit weiterhin außen vor. Bei den anderen ist der Selbstbehalt für die hiesigen Unternehmen mit 10 Prozent doppelt so hoch wie in anderen Schwellenländern, wie der Afrika-Verein beklagt. Andere Ausfuhrländer hätten sogar nur Selbstbehalte von zwei Prozent. Von vergleichbaren Wettbewerbsbedingungen sei man damit weit entfernt. Bei der deutschen Ausfuhrversicherung Hermes stehe der Schutz des Bundeshaushalts im Vordergrund, urteilte Hauptgeschäftsführer Christoph Kannengießer.

          Wie Liebing hervorhob, hat Afrika heute eine ähnliche Bedeutung für die deutsche Wirtschaft wie China im Jahr 2005. In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die deutschen Investitionen auf 10 Milliarden Euro verdoppelt. Ähnlich stark habe das Handelsvolumen in dieser Zeitspanne zulegt. Nach seinen Angaben belasten zwei Faktoren derzeit die Entwicklung auf dem Nachbarkontinent: der Verfall der Rohstoffpreise und die nachlassende Dynamik in China.

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