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Oberstes Prozent : Deutschlands Spitzenverdiener schwächeln

Selbst im oberen Prozent (Einkommen ab rund 150.000 Euro im Jahr) kann sich nicht jeder so eine Yacht leisten. Bild: AFP

Der Einkommensanteil des reichsten Prozents der Bevölkerung ist hoch, er fällt aber zurück. Die Finanzkrise hat die deutschen Top-Verdiener Einkommen gekostet.

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          Deutschlands Superreiche werden immer reicher? So ist es nicht ganz. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Spitzenverdiener sogar über mehrere Jahre an Einkommen verloren. Bislang unveröffentlichte Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die dieser Zeitung vorliegen, zeigen, dass die Einkommen des obersten Prozents der deutschen Steuerzahler zwischen 2008 und 2011 durchschnittlich zurückgegangen sind.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es handelt sich dabei um diejenigen, die als einzeln oder gemeinsam Steuerveranlagte mehr als rund 150.000 Euro im Jahr verdient haben. Auch die Einkommensanteile des obersten Tausendstels (mehr als 500.000 Euro Einkommen im Jahr) und des obersten Zehntausendstels (mehr als 2 Millionen Euro) sind zurückgegangen.

          Das reichste Prozent der Deutschen hatte 2008 noch einen Einkommensanteil von 14,5 Prozent – im Jahr 2009 waren es nur noch rund 13 Prozent, und dort verharrte der Einkommensanteil bis zu den jüngsten verfügbaren Zahlen für 2011. Das liegt daran, dass in den Jahren nach der Finanzkrise die Kapitalgewinne besonders gelitten haben. Unternehmen machten Verluste und schütteten kaum noch Dividenden aus, Aktienkurse sanken, auch die Zinsen fielen. Das drückte das Einkommen der Reichen in vielen Ländern.

          In Deutschland dauerte dieser Trend allerdings offenbar länger an als in den Vereinigten Staaten, wo die Einkommen des obersten Prozents schon 2011 fast wieder ihren historisch hohen Vorkrisenstand erreicht hatten und so den Anlass für die Demonstrationen der „Occupy Wall Street“-Bewegung gaben.

          Die Spitzenverdiener haben immer noch relativ viel

          Studien-Mitautorin Charlotte Bartels betont, dass Deutschlands Reichste in den Jahren vor der Finanzkrise ihr Einkommen besonders stark gesteigert hätten. „Von 2004 bis 2008 ist der Einkommensanteil der Spitzenverdiener rapide gestiegen“, sagt die DIW-Forscherin. Auch nach dem Rückgang in der Finanzkrise sei der Anteil im historischen Vergleich noch relativ hoch. Ihren Rechnungen zufolge hatten die Spitzenverdiener zuletzt während des Wirtschaftswunders in den sechziger Jahren so einen großen Anteil am Einkommen der Deutschen.

          Die neuen Untersuchungen stärken eine These über die Schere zwischen Arm und Reich, die unter Experten schon seit einigen Jahren diskutiert wird: Zwar haben sich Arm und Reich in Deutschland vor allem in den Zeiten hoher Arbeitslosigkeit Anfang des vergangenen Jahrzehnts weit auseinanderentwickelt. Doch seit einigen Jahren geht die Schere nicht weiter auf, vor allem seit viele arme Deutsche in Folge von Gerhard Schröders „Agenda 2010“ wieder Arbeit gefunden haben. Zudem schlug die Finanzkrise auf die Einkommen der Reichen.

          Insgesamt wächst die wirtschaftliche Ungleichheit, gemessen am sogenannten „Gini-Koeffizienten“ der Bruttoeinkommen, den aktuellsten Berechnungen zufolge seit 2005 nicht mehr. Den Rekordwert aus jenem Jahr hat sie nicht mehr erreicht.

          Dass der Trend der Spitzeneinkommen erst nach mehreren Jahren deutlich wird, liegt an Statistikproblemen. Einkommensstatistiken werden häufig durch Umfragen ermittelt. Die wichtigste ist das sogenannte Sozio-ökonomische Panel (Soep) am DIW, für das jährlich mehr als 20.000 Menschen befragt werden. Doch trotz aller Bemühungen fehlen Teilnehmer aus dem reichsten Prozent. Nachdem Gewerkschaften und einige Ökonomen das kritisiert hatten, verglichen Soep-Forscher jetzt ihre Daten mit denen der Einkommensteuerstatistik. Dort sind alle Steuerzahler erfasst, auch die Spitzenverdiener. Dafür fehlen viele arme Deutsche, die mangels Geld gar keine Steuern zahlen. Die Steuerdaten kommen erst mit einigen Jahren Verspätung, wenn Steuererklärungen und Einsprüche erledigt sind.

          Was die steigenden Aktienkurse der vergangenen Jahre für die Ungleichheit bedeuten, ist unsicher. Gegen eine wachsende Ungleichheit spricht, dass nach wie vor immer mehr Menschen Arbeit haben und die Löhne im vergangenen Jahr so schnell gestiegen sind wie seit Jahren nicht mehr. In jedem Fall aber bleibt die wirtschaftliche Ungleichheit weit unter dem Niveau, mit dem die meisten Deutschen rechnen. Schon vor einigen Monaten hat eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft gezeigt, dass die Deutschen vor allem das Ausmaß der Armut deutlich überschätzen.

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