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Einigung im Tarifkonflikt : Zweimal 2,1 Prozent mehr für Metaller

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Bekommen mehr Geld: Beschäftigte der Metallindustrie Bild: ddp

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt. Der Abschluss sieht unter anderem Entgelterhöhungen in zwei Schritten von jeweils 2,1 Prozent vor. Damit ist ein Streik wohl in letzter Minute abgewendet.

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          Im Tarifkonflikt der deutschen Metall- und Elektroindustrie haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt. Die Beschäftigten erhalten vom 1. Februar 2009 an zunächst 2,1 Prozent mehr Geld. Die volle Erhöhung der Entgelte von 4,2 Prozent soll dann vom Mai an gelten.

          Allerdings kann dieser Schritt auf betrieblicher Ebene bis zu sieben Monate aufgeschoben werden. Für die Monate November 2008 bis Januar 2009 wird eine Einmalzahlung in Höhe von 510 Euro gezahlt. Weitere Einmalzahlungen wurden für die Monate Mai bis Dezember 2009 vereinbart. Sie betragen jeweils 0,4 Prozent eines Monatsentgeltes. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages beträgt 18 Monate bis zum April 2010. Nach Angaben der Arbeitgeber wurde zudem für die Monate von Januar bis April 2010 ein Volumen von 1,6 Prozent vereinbart, das allein für die Finanzierung der Altersteilzeit verwendet werden soll.

          Arbeitgeber: Ein guter Tag

          Südwestmetall-Chef Stefan Roell zeigte sich zufrieden: „Dieser Tag ist ein guter Tag für die Metall- und Elektroindustrie.“ Allerdings schließt nach er nach der Tarifeinigung einen Arbeitsplatzabbau nicht aus. Roell sagte, das Verhandlungsergebnis sei „insgesamt fair, stabilisierend, aber wie immer an der Grenze des ökonomisch Vertretbaren“. Unternehmen und Beschäftigte hätten nun für einen längeren Zeitraum die
          notwendige Kalkulationssicherheit. „Das Gesamtpaket ist in der einmalig schwierigen Situation angemessen, gibt unseren Mitarbeitern trotz Krise mehr Geld und lässt den Betrieben für das unsichere Jahr 2009 eine erhebliche Kostenflexibilität.“

          Pflichtschuldig die Hände geschüttelt: Verhandlungsführer Röll (r.) und Hofmann

          Gewerkschaftschef Huber: Keine Euphorie

          IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sagte: „Das Ergebnis ist geprägt von dem Wollen beider Seiten, einen Arbeitskampf abzuwehren.“ Der Gewerkschaftsvorsitzende Berthold Huber erläuterte: „Ich kann mit dem Ergebnis einigermaßen gut leben. Aber es ist ein Ergebnis, das mich nicht in Euphorie verfallen lässt. Es ist ein ordentliches Ergebnis. Auch mit einem Arbeitskampf hätten wir kein signifikant besseres Ereignis
          herausholen können.“

          Bankvolkswirte nennen Abschluss „moderat“

          Stefan Mütze von der Helaba nannte den Tarifabschluss „relativ vernünftig“. Die IG-Metall habe sich moderat gezeigt. Unternehmen hätten Zeit durch die Klausel gewonnen, die zweite Anhebungsstufe um bis zu sieben Monate zu verschieben. „Mit den Einmalzahlungen können viele Unternehmen gut leben, da sie noch von den Gewinnen der Aufschwungzeit zehren.“

          Ralph Solveen von der Commerzbank sprach von einem moderaten Abschluss. „Er zeigt, dass sich die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer wegen der deutlichen Abschwächung der Konjunktur verschlechtert hat. Eine Reihe von Unternehmen wird wohl die zweite Erhöhung verschieben. Die allgemeine Abschwächung der Gesamtwirtschaft schlägt sich in dem Abschluss nieder.“

          Nach der Piloteinigung in Baden-Württemberg haben die ersten Tarifkommissionen der IG-Metall-Bezirke mit der Beratung des Abschlusses begonnen.

          In mehr als 22-stündigen Gesprächen haben die Tarifparteien im Südwesten in letzter Minute einen großen Streik in der deutschen Schlüsselindustrie abgewendet. Es wäre der erste Arbeitskampf der Metaller seit sechs Jahren gewesen.

          Die am Dienstag begonnenen Tarifverhandlungen gestalteten sich als langandauernde Zitterpartie. Mehrfach wurde kolportiert, dass die Verhandlungen noch platzen können. Die Gewerkschaft war mit einer Forderung nach acht Prozent in die Tarifverhandlungen gegangen. Die Arbeitgeber hatten für die 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche ursprünglich 2,1 Prozent mehr Einkommen für 2009 und Einmalzahlungen für 2008 angeboten.

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