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Eine Million Elektroautos bis 2020 : Merkel hält an Absatzziel fest

  • Aktualisiert am

Bislang ist die Elektromobilität zumeist eher Vision als Realität Bild: dpa

Bisher sind nur einige tausend Elektroautos in Deutschland zugelassen. Am Ziel von einer Million bis 2020 hält Kanzlerin Merkel aber fest. Wirtschaftsminister Rösler nimmt die Industrie in die Pflicht. Kaufprämien lehnt die Regierung ab.

          Bundeskanzlerin Angela Merkel hält trotz schleppender Verkäufe von Elektro-Autos an dem ambitionierten Absatzziel fest. Bis Ende des Jahrzehnts sollen eine Million Elektro-Autos auf Deutschlands Straßen fahren, bekräftigte Merkel während einer internationalen Konferenz zum Thema Elektromobilität in Berlin. Um das Ziel zu erreichen, sei eine enge Kooperation über Ländergrenzen hinweg notwendig. „Elektromobilität erfordert eine umfassende Zusammenarbeit, sowohl branchen- als auch grenzüberschreitend, um die Mobilität möglichst weltweit klimafreundlicher gestalten zu können“, sagte sie während der Tagung „Elektromobilität bewegt weltweit“ in Berlin.

          An dem Verkaufsziel waren Zweifel aufgekommen, da derzeit erst ein Bruchteil dessen in Deutschland an E-Autos zugelassen ist. Die deutschen Autobauer wollen bis Ende des kommenden Jahres 16 neue E-Modelle auf den Markt bringen, bisher gibt es nur wenige. Ramsauer bekräftigte das Ziel, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen. Bisher sind nur einige Tausend zugelassen.

          Auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) äußerte sich zuversichtlich. Wenn es erst in der Breite ein Angebot gebe, werde sich die Nachfrage auch einstellen, sagte er. Statt Skepsis sei „Begeisterung“ notwendig. „Wir werden es schaffen“, sagte Ramsauer. In den vergangenen Jahren sei viel erreicht worden, allerdings sei manches schwieriger als gedacht. Wichtig sei vor allem die Alltagsfähigkeit von Elektroautos. Außerdem müssten die Fahrzeuge bezahlbar sein. Auf die von Teilen der Autobranche geforderten Kaufprämien für E-Autos ging Ramsauer nicht ein. Die Bundesregierung lehnt solche Prämien, wie es sie in anderen Ländern gibt, ab.

          Aktuell fahren 0,166  Prozent aller Pkw in Deutschland mit Elektro- oder Hybridantrieb Bilderstrecke

          Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) forderte unterdessen Zuverlässigkeit von der Industrie ein. „Unsere Ziele bei der Elektromobilität werden wir aber letztlich nur erreichen, wenn die Industrie ihre Zusagen einhält“, sagte Rösler der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Montag). Neue Fahrzeugmodelle mit elektrischem Antrieb müssten, wie zugesagt, zügig auf den Markt gebracht werden. „Zugleich hat die Industrie angekündigt, 17 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben in Deutschland zu investieren. Dabei muss es bleiben.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehrere Bundesminister und Top-Manager der Autoindustrie treffen sich an diesem Montag in Berlin zu einer Konferenz zur Elektromobilität. Bei der Zukunftstechnologie gibt es derzeit noch viele Probleme. So sind Elektroautos angesichts der hohen Batteriekosten noch viel teurer als Fahrzeuge mit herkömmlichem Antrieb. Die Bundesregierung hat zum Ziel, dass bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos auf deutschen Straßen rollen. Kaufprämien lehnt die Bundesregierung ab.

          „Hochlaufen“ soll der Markt 2015, 2016, 2017

          Auch der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität, Henning Kagermann, hält am Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen bis zum Jahr 2020 fest. „Das Ziel ist erreichbar“, sagte Kagermann am Montag im ZDF-“Morgenmagazin“. Notwendig hierfür seien aber günstige Rahmenbedingungen: Die wichtigsten Faktoren seien „der Ölpreis, der Strompreis, und wie billig die Batterien dann sein werden“. Ein um 20 Prozent niedrigerer Preis für Batterien bis 2020 „würde 250.000 mehr Autos bedeuten“.

          Kagermann sprach sich gegen staatliche Prämien für den Kauf von Elektroautos zum gegenwärtigen Zeitpunkt aus. Deutschland verfolge „einen anderen Ansatz“, sagte er im „Morgenmagazin“. Öffentliche Beschaffungsprogramme und Sonderabschreibungen „können eine ganze Menge bringen“. Dies hätten Modellrechnungen gezeigt. Damit könnten Hunderttausende von E-Autos in den Markt gebracht werden. „Hochlaufen“ solle der Markt 2015, 2016, 2017, sagte Kagermann. Sollte es dann Probleme geben, müsse noch einmal neu nachgedacht werden: Dann sei nicht auszuschließen, dass Kaufprämien erneut diskutiert würden.

          „Es sieht schlecht aus in Deutschland“

          Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hingegen kritisiert die Elektroauto-Strategie der Bundesregierung scharf. „Es sieht schlecht aus für die Elektromobilität in Deutschland“, sagte Dudenhöffer der dpa. Das Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million E-Autos auf die Straßen zu bringen. Dudenhöffer ist skeptisch: „Nach meiner Einschätzung wird es nicht klappen, die Elektromobilität in den nächsten zehn Jahren in Deutschland zum Laufen zu bringen.“

          Die Regierungsprogramme seien viel zu kleinteilig und entfalteten daher keine Wirkung, sagte der Experte von der Universität Duisburg-Essen. „Mit Kleinkleckersdorf-Projektchen entsteht kein Aufbruch. Es fehlt die große Demonstration der Elektromobilität bei den Bürgern.“ Es fehle eine Ladestruktur, zudem gebe es Probleme bei den Reichweiten von Elektroautos. Außerdem seien die Elektroautos noch viel teurer als herkömmliche Fahrzeuge.

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