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Eine Milliarde Überschuss : Krankenkassen horten Geld

Das Gesundheitssystem hat 30 Milliarden Euro in Reserve. Bild: dpa

Die Finanzlage der gesetzlichen Krankenkassen verbessert sich weiter: 2013 haben sie einen deutlichen Überschuss erwirtschaftet. Auch der Gesundheitsfonds sitzt auf einem Berg von Liquidität.

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          Die gesetzlichen Krankenkassen weisen für das vergangene Jahr einen Überschuss von gut einer Milliarde Euro aus. Nach Recherchen dieser Zeitung dürften die Einnahmen die Ausgaben um etwa 1,2 Milliarden Euro übertroffen haben – ein Viertel jener 5 Milliarden Euro, die die Kassen 2012 als Überschuss ausgewiesen hatten. Damit hat sich die seit Jahren äußerst positive Finanzlage weiter verbessert.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Unter dem Strich steigen die Reserven der Kassen auf 16,4 Milliarden Euro. Auch der Gesundheitsfonds, der die Beitragsgelder einsammelt und monatlich an die Kassen weiterleitet, sitzt auf einem Berg von Liquidität. Nach früheren Angaben des Gesundheitsministeriums sollten sie mindestens auf dem Vorjahresniveau von mehr als 13 Milliarden Euro liegen. Damit besaß das System Ende Dezember Reserven von 30 Milliarden Euro – bei Ausgaben von gut 190 Milliarden Euro.

          Die gute Finanzlage des Fonds überrascht

          Die gute Finanzlage des Fonds überrascht deshalb, weil er 2,5 Milliarden Euro weniger Steuerzuschüsse bekam, aber mit 2,3 Milliarden Euro für den Ausgleich der abgeschafften Praxisgebühr und Klinikzuschüsse herhalten musste. Dass er diese Ausfälle von fast 5 Milliarden Euro ohne Rückgriff auf die Liquiditätsreserve verkraften konnte, liegt vor allem an den wachsenden Beitragseinnahmen, die wiederum Folge der zunehmenden Beschäftigung sind.

          Bei den Kassen sinken die Überschüsse wegen steigender Ausgaben. Dennoch ist das Bild heterogen. Die Lage wird dominiert von den elf Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), die knapp eine Milliarde Euro weniger ausgaben als sie einnahmen. Im Jahr zuvor waren es noch 1,85 Milliarden Euro. Die Ersatzkassen hingegen, die mehr Mitglieder und Versicherte zählen, haben 2013 mit einem Minus von 88 Millionen (Vorjahresüberschuss 1,8 Milliarden) Euro abgeschossen. Allerdings kommt der Fehlbetrag nur zustande, weil drei der sechs Kassen Prämien an ihre Mitglieder ausgeschüttet haben. Ohne diese Ausschüttung von 520 Millionen Euro wäre der Abstand zur AOK nicht so groß ausgefallen, zumal keine der AOK Prämien gezahlt hat.

          Die Innungskrankenkassen melden für das Jahr ein Plus von 68 Millionen Euro, die Knappschaft von 23 Millionen Euro. Bei den Betriebskrankenkassen, von denen auch etliche Prämien ausschütten, lagen aktuelle Zahlen noch nicht vor. Sie hatten per Ende September 223 Millionen Euro Überschuss gemeldet. Allerdings fallen die Ergebnisse je nach Krankenkasse oft sehr unterschiedlich aus. Trotz der guten Finanzlage im System haben einige gerade ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Gerade ihnen dürfte der Trend steigender Ausgaben zu schaffen machen, der sich auch in diesem Jahresverlauf gezeigt hat.

          Bei den Ersatzkassen stiegen die Einnahmen im Vorjahresvergleich noch um 2,7 Prozent je Versichertem, während die Leistungsausgaben um 5,2 Prozent anzogen. Auch für das neue Jahr rechnen die Fachleute vom Schätzerkreis der Krankenversicherung mit einem Ausgabenzuwachs von 5 Prozent. Zugleich will die Regierung den heute geltenden Sonderbeitrag von 0,9 Prozent der Arbeitnehmer abschaffen, was eine Lücke von 11 Milliarden Euro hinterlassen wird. Die soll durch kassenindividuelle Zusatzbeiträge aufgefangen werden, die prozentual vom Gehalt berechnet und kassiert werden. Damit dürften die allermeisten der 134 Kassen im nächsten Jahr einen Zusatzbeitrag verlangen müssen.

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