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Energiewende : Ein Jahr voller Superlative für den Ökostrom

Nicht immer beliebt: Windräder in Niedersachsen Bild: dpa

Fast 25 Milliarden Euro haben die Verbraucher im vergangenen Jahr für Ökostrom ausgegeben. Doch das ist nicht der einzige neue Rekord der Energiewende.

          3 Min.

          Für Strom aus Wind, Sonne und Biomasse war das abgelaufene Jahr eines der Höchstwerte: Nie zuvor wurde so viel Elektrizität aus regenerativer Erzeugung verbraucht, noch nie war ihr Anteil am Erzeugungsmix der größte, noch nie wurde so viel Geld für ihre Produktion von den Verbrauchern kassiert, noch nie war der Ökostrom an der Börse so wenig wert – und noch nie waren die Finanzreserven auf dem Konto zur Bezahlung des Grünstroms nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) so hoch wie Ende des vergangenen Jahres.

          Andreas Mihm
          (ami.), Wirtschaft

          Wie stark sich der stete Ausbau von Windkraft-, Photovoltaik- und Biomasseanlagen in der Stromerzeugung niederschlägt, hatten die einschlägigen Fachleute schon im Dezember ausgerechnet: Fast ein Viertel der Stromerzeugung stammte aus solchen Anlagen. Der Ökostromanteil am Stromverbrauch lag mit mehr als 27 Prozent sogar noch darüber, weil konventionelle Kraftwerke oft selbst viel Elektrizität verbrauchen. Seit Mitte der Woche sind auch die finanziellen Auswirkungen bekannt. Die Netzbetreiber haben die Jahresabrechnung der Konten ins Netz gestellt (www.netztransparenz.de) und Einnahmen und Ausgaben für EEG-Strom 2014 bilanziert.

          Demnach sind die Auszahlungen an die Anlagenbetreiber im vergangenen Jahr auf 21,5 Milliarden Euro geklettert, das waren gut zwei Milliarden Euro mehr als im Jahr davor. Stärker haben die Einnahmen angezogen. Sie stiegen um fast drei Milliarden auf 24,6 Milliarden Euro. Die Einnahmen unterteilen sich vereinfacht in zwei Kategorien: Zum einen der Verkaufserlös des Ökostroms an der Börse, zum anderen die EEG-Umlage auf die Stromkosten, die die Differenz zwischen dem Börsenwert und den versprochenen Fördersätzen ausgleichen muss.

          Börsenpreis hat ein neues Tief erreicht

          Nun ist im vergangenen Jahr die Stromnachfrage einerseits gesunken. Andererseits gab es mehr Ökostrom, der an der Börse kostenfrei angeboten wird. Beides hat dazu geführt, dass der Börsenpreis mit im Jahresschnitt 33 Euro für 1000 Kilowattstunden ein neues Tief erreicht hat. Im Vorjahr hatte man dafür noch 38 Euro bezahlen müssen. Der Preisverfall trifft die Anbieter von konventionellem Strom aus Kernenergie, Kohle oder Gas, nicht aber die von Elektrizität aus Wind, Sonne oder Biomasse. Sie haben garantierte Preise, für die Differenz kommt der Verbraucher auf.

          Die Rechnung „eingespeiste Strommenge mal Fördersatz abzüglich Börsenverkaufspreis“ ergab auch im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert von fast 23 Milliarden Euro. So hoch war der Ökostromaufschlag auf die deutsche Stromrechnung. Aber Vorsicht: Daraus kann nicht geschlossen werden, dass die Energierechnung ohne die EEG-Förderung im gleichen Umfang niedriger ausgefallen wäre. Denn ohne die Einspeisung der regenerativen Energien wäre auch der Börsenpreis für konventionellen Strom höher gewesen, was sich entsprechend in der Stromrechnung niedergeschlagen hätte.

          Mit knapp 23 Milliarden Euro war die EEG-Umlage 2014 so hoch wie nie zuvor. Ein Jahr vorher hatte sie keine 20 Milliarden Euro betragen. Allerdings hatten die Netzbetreiber damals auch Schulden von 225 Millionen Euro aufgenommen. Denn die EEG-Umlage war für das Jahr 2013 nicht hoch genug angesetzt worden, um alle Ansprüche der einspeisenden Grünstromerzeuger zu befriedigen.

          Energiewende : Kraftwerksbetreiber verlieren Milliarden

          Für 2015 wurde die Umlage leicht abgesenkt

          Immerhin das hat sich im abgelaufenen Jahr geändert. Unter dem Strich steht ein Rekordeinnahmenüberschuss von 2,86 Milliarden Euro. Der erklärt zum Teil die hohe Umlage des vergangenen Jahres. Die hätte aber auch bei passgenauer Kalkulation – also einer etwas niedrigeren EEG-Umlage 2014 – einen neuen Rekordwert markiert. Der Überschuss bildet zugleich ein Finanzkissen, das Politik und Netzbetreiber einstweilen gelassen in das neue Jahr blicken lassen können. Für 2015 wurde die Umlage leicht von 6,24 auf 6,17 Cent je Kilowattstunde abgesenkt. Allerdings lag der Börsenpreis für Strom 2014 am Ende doch unter den Planungswerten für 2015, auch ist ungewiss, wie viel regenerativer Strom 2015 aus Wind und Sonne erzeugt werden wird.

          Gewiss ist indes, dass auch hier neue Rekorde verzeichnet werden. 2014 stieg die Windstromerzeugung um mehr als neun, die aus Photovoltaikanlagen um mehr als 13 Prozent. Neue Anlagen werden trotz gesenkter Fördersätze angeschlossen. Der Zubau von Windkraftanlagen markierte mit mehr als 3500 Megawatt eine neue Jahresbestmarke.

          Auch die Solaranlagenindustrie freut sich über ihre wachsende Bedeutung in Deutschland und der Welt. Nach einer neuen Schätzung des Bundesverbandes Solarwirtschaft legte die weltweite Nachfrage 2014 um mehr als zehn Prozent zu. 2015 ist weiter stürmisches Wachstum zu erwarten. Zu den wichtigsten Wachstumsmärkten zählten Japan, China und die Vereinigten Staaten. Auch in Deutschland sei Solarenergie weiterhin sehr beliebt. Die Zahl der Solarstromanlagen habe sich 2014 um 75000 Anlagen auf rund 1,5 Millionen erhöht.

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