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Eigenkapitalvorschriften : Ein dickes Finanzpolster für die Banken

Hier wird über die neuen Bankenregeln entschieden: die Zentrale der BIZ in Basel Bild: David Croll / Wikipedia

Die Banken werden sicherer, wenn sie mehr Eigenkapital halten. Dazu wurden sie heute in Basel verpflichtet. In der Zentrale der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sich die globale Finanzelite.

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          Noch strahlt das runde Hochhaus seine Dominanz nur auf den Platz vor dem Basler Bahnhof aus. Doch heute Abend schaut die ganze Welt darauf. Hier, in der Zentrale der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), der Bank der Zentralbanken, trifft sich die globale Finanzelite: die Chefs der Notenbanken und Bankenaufsichtsbehörden aus 27 Ländern, von Argentinien und Brasilien über Frankreich, Großbritannien und Italien bis hin zu den Vereinigten Staaten. Deutschland reist mit Bundesbank-Chef Axel Weber und dem Bafin-Leiter Jochen Sanio an.

          Dyrk Scherff
          (dys.), Geld & Mehr, Wirtschaft

          Alle wollen sich heute auf Maßnahmen für ein großes Ziel verständigen: Die Finanzkraft der Banken soll so gestärkt werden, dass die Staaten in der nächsten Krise nicht mehr mit Milliarden aus Steuergeldern einspringen müssen, um den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Ein ganzes Bündel von neuen Regeln soll das verhindern. Aber werden sie helfen? Können die Kunden künftig auf finanziell solidere Banken vertrauen?

          Banken müssen deutlich mehr Eigenkapital vorhalten als bisher

          Der erste Blick auf die neuen Regeln mit dem Namen Basel III ist vielversprechend. Denn sie verlangen von den Banken, dass sie deutlich mehr Eigenkapital als bisher vorhalten müssen. Kommt es zu einer Finanzkrise mit Abschreibungen bei Wertpapieren oder zu einer Rezession mit entsprechenden Kreditausfällen, haben die Banken künftig einen größeren Puffer, um damit die Schäden aufzufangen, bevor die Lage für sie bedrohlich wird.

          Die wichtigste Kennzahl ist dabei das Kernkapital, das Experten als Tier-1-Kapital bezeichnen. Es stellt einen Teil des Eigenkapitals dar und umfasst stimmberechtigte Aktien und Gewinnrücklagen. Bisher musste es mindestens vier Prozent des nach Risiko gewichteten Geschäftsvolumens ausmachen. Künftig soll diese Quote auf sechs bis neun Prozent steigen. Die genaue Zahl soll heute das Treffen in Basel festlegen. Klar ist aber schon jetzt: Je riskanter die Geschäfte einer Bank, etwa durch Kredite an Schuldner mit schwacher Bonität, desto höher werden die Anforderungen an das Kernkapital. Das stabilisiert die Banken.

          Damit nicht genug. Zu den Mindestkapitalquoten, die die Banken von 2013 an einhalten müssen, kommen noch zwei Sicherheitspuffer von erwarteten je drei Prozent des risikoabhängigen Geschäftsvolumens. Insgesamt müssen dann die Banken bis zu 12 Prozent Kernkapital vorhalten. Das ist deutlich mehr als bisher und sorgt für zusätzliche Sicherheit.

          Der erste Puffer ist nicht zwingend, aber wenn er nicht existiert, darf die Bankenaufsicht Dividendenausschüttungen an die Aktionäre verbieten. Der zweite Puffer soll in Boomzeiten aufgebaut werden, um den folgenden Abschwung besser auffangen zu können. Damit sind die Kapitalanforderungen nicht starr, sondern variieren mit dem Konjunkturverlauf. Ein cleveres Instrument.

          Lob aus der Wissenschaft

          Notenbanker und Aufseher dürften heute auch eine Verschuldungsobergrenze für die Banken beschließen. Genannt wird derzeit eine Begrenzung auf das 33-fache des Eigenkapitals. Eine freizügige Kreditvergabe würde sich dann nicht mehr lohnen, weil man dafür viel teures Kapital beschaffen müsste. Zudem sollen die Banken ausreichend liquide Mittel - zum Beispiel in Form von Wertpapieren - vorhalten müssen, um im Krisenfall lange genug zahlungsfähig zu bleiben. Was neben Staatsanleihen dazu zählt, ist noch offen und wird vielleicht heute auch noch nicht beschlossen.

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