https://www.faz.net/-gqe-z2fm

Ehec-Infektionen : Die Verbraucher kaufen weniger Salat

Die Salatbauern spüren schon die Kaufzurückhaltung der Verbraucher Bild: dpa

Die Furcht vor EHEC-Infektionen hat schon Folgen: Die Kaufzurückhaltung ist spürbar - vom Großhändler bis zum Verbraucher auf dem Wochenmarkt. Gemüsebauern wehren sich gegen Mutmaßungen, falsch gedüngtes Gemüse sei der Grund für die Infektionen.

          2 Min.

          Die deutschen Gemüsebauern bekommen zu spüren, dass derzeit vor allem der Verzehr von Rohkost als möglicher Grund der kräftig angestiegenen Infektionsfälle mit dem Bakterium Ehec genannt wird. Zwar ist ein solcher Zusammenhang bislang nicht bestätigt. Gleichwohl warnt das Robert-Koch-Institut bereits vor dem Verzehr von rohen Tomaten, Gurken und Salat (Ehec: RKI warnt vor Tomaten, Salat und Gurken). Schon am Mittwoch berichteten Gemüsebauern von einem spürbaren Nachfragerückgang. Landwirte hätten mitgeteilt, dass nicht nur Großkunden Bestellungen stornierten, sondern auch Verbraucher auf Wochenmärkten kein Gemüse mehr kauften, sagte der Geschäftsführer der Fachgruppe Gemüse im nordwestdeutschen Gartenbauverband, Axel Böse. Die Mutmaßungen treffen die Bauern zu Beginn der Erntezeit. Die Margen der Gemüsebauern seien so gering, dass diese schon wegen eines Nachfragerückgangs von 20 Prozent Verluste machten, sagte Böse.

          Anne-Christin Sievers

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Viele unwahrscheinliche Ereignisse müssten zusammenkommen, damit auf Feldern ausgebrachte Gülle das Gemüse mit Ehec-Colibakterien kontaminiert. In Gewächshäusern, wo vor allem Tomaten und Gurken angebaut werden, wird ohnehin nicht mit Gülle gedüngt. Im Freiland geschieht dies, bevor die Pflanze sprießt, also viele Wochen vor der Ernte. Die im Darm von Wiederkäuern lebenden Ehec-Bakterien sind lang überlebensfähig. Denkbar wäre daher etwa eine Kontaminierung nach langer Trockenheit, infolge der die Gülle nicht in den Boden eindringen konnte, gefolgt von heftigem Regen und baldiger Ernte. Doch auch diese Überlegung löst das Rätsel nur unbefriedigend. Denn die allermeisten Bauern sprengen ihr Gemüse bei andauernder Trockenheit. Nur gut zwei Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland werden für die Gemüseerzeugung verwendet. Der Umsatz der rund 20.000 Gemüsebaubetriebe beträgt 1,3 Milliarden Euro. Knapp 40 Prozent des in Deutschland verzehrten Gemüses wird im Inland angebaut.

          Kantinenbetreiber müssen wohl nicht haften

          Rechtliche Forderungen dürften auf Kantinen oder Gemüseerzeuger nicht zukommen. „Das Hauptproblem ist, dass für eine Haftung erst der Ursachenzusammenhang geklärt werden muss“, sagte Markus Grube, Fachanwalt der Kanzlei Krell Weyland Grube. Die Beweislast liege beim Geschädigten. Der Kläger müsse nachweisen, dass ein kausaler Zusammenhang bestehe zwischen dem Lebensmittel und seiner Erkrankung. Dafür müsse man die Stämme des Bakteriums beim Erkrankten typisieren und überprüfen, ob sie zu dem vermeintlich kontaminierten Lebensmittel passen — was nur gelingen kann, wenn dieses nicht verzehrt wurde oder verdorben ist. Grube sagte, ihm sei kaum ein Fall bekannt, in dem zivilrechtliche Ansprüche vom Geschädigten erfolgreich geltend gemacht worden seien.

          Wie ein Sprecher des Kantinenbetreibers Sodexo mitteilte, erwartet dieser keine rechtlichen Forderungen von Seiten seines Kunden Pricewaterhouse-Coopers oder seitens der Erkrankten, weil das Unternehmen nicht von eigenem Verschulden ausgehe. Zwei von Sodexo betriebene Kantinen waren infolge dutzender Krankheitsfälle geschlossen worden. Das Unternehmen behalte sich aber vor, wenn erforderlich und sinnvoll rechtliche Schritte gegen Lieferanten einzuleiten.

          Viele Kantinen verzichteten am Mittwoch weiter darauf, Rohkost anzubieten. Im Moment sehe es so aus, als wenn Salatteile eine Rolle spielten, verriet Susanne Huggett, die ärztliche Leiterin eines mit Untersuchungen betrauten Hamburger Labors, dem ARD-Morgenmagazin. Sollte eine Kontaminierung durch den Einsatz von Fäkaliendünger die Ursache sein, würde vermutlich die Biobranche in den Fokus rücken. Denn der Bioanbau lehnt künstlich erzeugte Düngemittel ab und setzt lieber Naturdünger ein. Jetzt sei die Zeit, wo man sich hemmungslos dem ungesunden Essen hingeben könne, scherzte die Frankfurter Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann von den Grünen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zögern in Wolfsburg: VW dürfte doch kein neues Werk in der Türkei bauen.

          F.A.Z. exklusiv : Bulgarien lockt VW mit mehr Geld

          Wegen der türkischen Offensive in Syrien legt VW Pläne für ein Werk nahe der Metropole Izmir auf Eis. Nun hofft Sofia, doch noch das Rennen um die begehrte Milliardeninvestition zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.