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EEG : Ökostrom-Umlage wird wohl sinken

Die Umlage für Solarstrom wird wohl sinken Bild: dpa

Die Finanzreserve zum Ausbau der Ökostromanlagen wächst. Zwar gab es eine EEG-Reform, aber die ist dafür nur zum Teil verantwortlich. Der Grund ist simpler: Die Sonne scheint deutlich seltener.

          Die Umlage zur Finanzierung des Ökostromausbaus wird voraussichtlich im nächsten Jahr erstmals nicht steigen, sondern sinken. Millionen Stromverbraucher und Unternehmen können sich auf eine geringfügige Entlastung einstellen. Das wird nach Informationen dieser Zeitung in Kreisen der zuständigen Netzbetreiber nach Abrechnung der Einnahmen und Ausgaben bis Ende August erwartet. Es sei nicht die Frage, ob die Umlage sinke, sondern wie stark. Aktuell beträgt sie 6,24 Cent für jede Kilowattstunde, die Verbraucher aus dem Stromnetz ziehen. Festgelegt wird die genaue Höhe der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) Mitte Oktober, wenn die Abrechnungsdaten einschließlich September vorliegen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Ende August wies das Ökostrom-Konto nach den am Donnerstag verbreiteten Daten einen Überschuss von 1,5 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr war dort zu diesem Zeitpunkt noch ein Defizit von 2,3 Milliarden Euro zu Buche geschlagen. Ohne das zum Jahresende 2013 aufgelaufene Defizit betrüge der Überschuss aktuell sogar 1,7 Milliarden Euro. Klassischerweise steigt er zum Jahresende weiter an.

          Die Kosten sind immer noch enorm

          Patrick Graichen, Vorsitzender der Berliner Energie-Denkfabrik „Agora Energiewende“, sagte dieser Zeitung: „Nach unserer Schätzung wird die EEG-Umlage 2015 bei voraussichtlich rund sechs Cent pro Kilowattstunde liegen, also leicht unter dem Wert für dieses Jahr.“ 2010 hatte die Umlage 2,05 Cent je Kilowattstunde betragen, weniger als ein Drittel der aktuellen Kosten. Nach Analysen von Agora wäre rechnerisch eine Umlage von rund 6 Cent pro Kilowattstunde möglich. Der rapide Anstieg und die Klagen der Wirtschaft über die wettbewerbsschädlichen Zusatzkosten waren der wesentliche Beweggrund für die von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) betriebene EEG-Reform, die Anfang August in Kraft trat. Sie macht Vorgaben für den Ökostromausbau und reduziert die Vergütung für Neuanlagen. Das schlägt sich in den Erwartungen für 2015 aber noch nicht nieder.

          Gabriels Reform verhindere einen starken Anstieg der EEG-Umlage in den kommenden Jahren, sagte Graichen, dessen Vorgänger Rainer Baake heute als Staatssekretär die Energiepolitik für Gabriel verantwortet. Die leichte Senkung der Umlage 2015 wäre „aber in ähnlicher Form auch ohne Novelle gekommen“.

          Gabriel hilft, dass die Sonne wenig schien und die teuren Solaranlagen weniger Kosten verursacht haben als erwartet. Das dürfte auch das überraschend hohe Plus von 442 Millionen Euro im August auf dem Ausgleichskonto erklären. Traditionell fällt es im sonnigen August ins Minus. In den ersten 8 Monaten haben die Stromverbraucher 15 Milliarden Euro für die reine Ökostromförderung gezahlt. An der Börse war der Strom, der Erzeugern mit 14,7 Milliarden Euro vergütet wurde, 1,2 Milliarden Euro wert.

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