https://www.faz.net/-gqe-896db

Edelmetalle : Frankreich hofft auf Reichtum aus dem Boden

Im Departement Creuse in Zentralfrankreich wird wieder nach Gold gesucht. Bild: Picture-Alliance

In Kürze wird in Frankreich erstmals nach Jahren wieder nach Gold gebohrt. Auch andere wertvolle Metalle könnten das Tageslicht erblicken. Doch Umweltschützer stellen sich quer.

          4 Min.

          Es ist noch kein Goldrausch, aber die Temperaturanzeige auf dem Fieberthermometer der Goldgräber steigt. Frankreich macht sich nach vielen Jahren der Enthaltsamkeit wieder daran, seine Rohstoffe in der Erde auszubeuten. Gold steht dabei obenan, doch auch seltene Metalle, die für die Industrie als „strategisch“ angesehen werden, könnten in einigen Jahren das Tageslicht erblicken.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Erstmals seit mehreren Jahrzehnten vergibt die Regierung nun wieder Bohrgenehmigungen zum Ermitteln des Bestandes im Boden. Die Bergbaufirmen melden dabei erste ermutigende Ergebnisse. Das Unternehmen Cominor, das dem internationalen Goldproduzenten La Mancha gehört, will in den kommenden Wochen nach mehrjährigen Bodenanalysen umfangreiche Probebohrungen im Departement Creuse in Zentralfrankreich aufnehmen.

          Damit wird im französischen Mutterland zum ersten Mal wieder nach Gold gesucht, seit die letzte Mine in der südfranzösischen Region Languedoc-Roussillon 2004 geschlossen wurde.

          Bild: F.A.Z.

          „Frankreich verfügt in seinen Böden über erhebliche Reichtümer. Wirtschaftlich gesehen, wäre es ein schwerer Fehler, sie nicht auszubeuten“, sagte der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron kürzlich in einem Zeitungsgespräch. Frankreich ist kein wirklich rohstoffreiches Land, doch bei einzelnen Metallen kann es sich sehen lassen. So gilt Frankreich bei Zink als die Nummer drei Europas hinter Schweden und Spanien, bei Wolfram liegen nur Österreich und Portugal vor den Franzosen, berichtet das staatliche geologische Forschungsinstitut BRGM.

          „Wir erteilen die Genehmigungen praktisch bei jedem Antrag“

          Die Neuorientierung hin zu aktiver Förderung begann in Frankreich 2011 unter dem Präsidenten Nicolas Sarkozy. Der sozialistische Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg trieb die Entwicklung bis 2014 weiter voran, auch wenn seine Träume vom Aufbau eines staatlichen Bergbaukonzerns verflogen sind. Unter seinem Nachfolger Macron kommt es jetzt in Zusammenarbeit mit privaten Bergbaugesellschaften zu konkreten Schritten: Knapp zehn Bohrgenehmigungen nach Gold und Metallen hat das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben vergeben, in ungefähr gleicher Zahl liegen Anträge vor. „Wir erteilen die Genehmigungen praktisch bei jedem Antrag. Es geht darum, die Größe der Vorkommen zu ermitteln“, heißt es in der Fachabteilung des Ministeriums.

          Französische Goldmine um 1920.
          Französische Goldmine um 1920. : Bild: Picture-Alliance

          Das Bergbauunternehmen Cominor gibt sich auf jeden Fall optimistisch. Seine Suche gilt Gold sowie als kleinem Nebenprodukt Antimon, das in der Elektronikindustrie gebraucht wird. Eine gute Autostunde nordwestlich von Clermont-Ferrand hat das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr in einer 47 Quadratkilometer großen Zone Wasser- und Salzproben analysiert und andere geophysische Untersuchungen vorgenommen. „Was wir gefunden haben, macht uns Mut“, sagt der Unternehmenssprecher Dominique Delorme. Ob dort eine Mine eröffnet wird, ist aber noch nicht sicher. Zum Ausforschen der Vorkommen will Cominor von Mitte November an rund 50 Löcher in einer Tiefe von bis zu 200 Meter bohren.

          Vor dreißig Jahren hatte dort schon der Ölkonzern Total nach Gold gesucht, doch weil der Goldpreis niedrig war, wurde nichts daraus. Beim aktuellen Preis von rund 1100 Dollar je Feinunze könnte das anders aussehen, auch wenn Delorme daran erinnert, dass der Goldpreis 2011 noch bei 1900 Euro lag, als Cominor die erste Bohrgenehmigung beantragte. „Bis die Förderung beginnen kann, vergehen mindestens noch acht Jahre. Die Entscheidung dafür oder dagegen wird nicht nur vom Goldpreis abhängen, sondern auch von der Größe und der Beschaffenheit der Vorkommen. Diese bestimmt etwa, ob der Abbau unter Tage oder über Tage erfolgen kann. Die Kosten sind dafür sehr unterschiedlich“, erklärt Delorme.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzlerin Angela  Merkel (CDU) bei der Stimmabgabe am Mittwoch im Bundestag

          Entscheidung im Parlament : Endlich kommt die Notbremse

          Die detailverliebte Kritik an der Bundes-Notbremse greift zu kurz. Das jetzt beschlossene Gesetz bringt politisch endlich Klarheit im Land. Das Wichtigste aber ist, und man wünscht es ihr, dass sie auch wirkt.
          Eine „Black Lives Matter“-Demonstration im August 2020 in London

          Britische Rassismusstudie : Reinwaschung des Sklavenhandels?

          Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie findet keinen systemischen Rassismus im Land. Von der UN kommt scharfe Kritik. Die Untersuchung schüre Rassismus, heißt es.
          Der Schriftsteller Philip Roth 2010 in New York

          Wettstreit der Biographen : Die Gegenleben des Philip Roth

          Er wünschte sich eine Biographie, die nicht nur seine Sexualität beschreibt. Drei Jahre nach Philip Roths Tod sind zwei erschienen. Erfüllen sie den Wunsch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.