https://www.faz.net/-gqe-8h0n1

Tarifstreit beigelegt : 4,8 Prozent mehr Lohn für die Metaller

  • Aktualisiert am

Im Gespräch vor den Tarifverhandlungen: der Verhandlungsführer der IG Metall, Knut Giesler (r.), und der Präsident des Verbandes der Metall- und Elektro-Industrie Nordrhein-Westfalen, Arndt Kirchhoff Bild: dpa

Arbeitgeber und IG Metall sind sich einig: Die Beschäftigen erhalten in zwei Stufen mehr Geld. Und haben eine neue Streikmethode verhindert.

          Arbeitgeber und IG Metall haben in Nordrhein-Westfalen einen Tarifabschluss mit Signalcharakter für die deutsche Metall- und Elektroindustrie vereinbart. Die Beschäftigten der Branche sollen dem Pilotabschluss zufolge 4,8 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 21 Monaten bekommen.

          Die Übereinkunft  beteilige die Beschäftigten am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen, sagte der Verhandlungsleiter der IG Metall, Knut Giesler, nach einem mehr als 14 Stunden langen  Verhandlungsmarathon am Freitagmorgen. Der Verhandlungsleiter der Arbeitgeber, Arndt Kirchhoff, sprach von einer „guten Lösung für unsere Unternehmen und unsere Mitarbeiter“. Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger sagte, der Abschluss bedeute eine Mehrbelastung für die Unternehmen von rund zehn Milliarden Euro im Jahr.

          Das Ergebnis sehe eine Einmalzahlung in Höhe von 150 Euro für die Monate April bis Juni 2016 vor, teilten beide Seiten mit. Ab 1. Juli würden die Entgelte in einer ersten Stufe um 2,8 Prozent erhöht. Die zweite Stufe folge dann ab April 2017 mit einer Erhöhung um zwei Prozent.

          Beide Seiten hatten bereits in den vergangenen Tagen deutlich gemacht, eine Einigung mit Signalwirkung für die gesamte Branche finden zu wollen. Zu Beginn der Verhandlungen über den Pilotabschluss lagen die Positionen aber noch weit auseinander: Die Gewerkschaft ging mit einer Forderung von fünf Prozent mehr Lohn für die bundesweit 3,8 Millionen Beschäftigten der Branche in die fünfte Runde der Verhandlungen.

          Ein leicht verbessertes Angebot der Arbeitgeber hatte die IG Metall in der dritten Verhandlungsrunde als viel zu niedrig abgelehnt. Diese Offerte sah damals eine Entgelterhöhung in zwei Schritten um insgesamt 2,1 Prozent
          bei einer Laufzeit von 24 Monaten vor und zusätzlich eine Einmalzahlung von 0,3 Prozent.

          Viele Streiks

          Die Arbeitgeber drangen in den Gesprächen zudem auf Sonderregelungen für ertragsschwache Betriebe, die aus ihrer Sicht eine Lohnerhöhung nicht voll stemmen können. Bei Firmen, die eine unterdurchschnittliche Ertragslage aufweisen, können die Tarifvertragsparteien nun die Einmalzahlung in der Höhe abweichen lassen oder die zweite Stufe der Tariferhöhung verschieben. Die Arbeitgeber fürchteten, dass ohne solche Regelungen weitere Betriebe aus dem Flächentarifvertrag ausscheren könnten.

          Die IG Metall hatte Betriebe der Branche seit Ablauf der Friedenspflicht am 29. April mit zahlreichen Warnstreiks überzogen. Insgesamt hätten sich bundesweit rund 760.000 Menschen an den Aktionen beteiligt, teilte die Gewerkschaft mit.

          Im vergangenen Jahr hatte die IG Metall für den größten deutschen Industriezweig mit seinen 3,7 Millionen Beschäftigten eine Tariferhöhung um
          3,4 Prozent ausgehandelt. Die ursprüngliche Forderung der Gewerkschaft hatte damals bei 5,5 Prozent gelegen.

          Weitere Themen

          Bieter kämpfen um Osram

          Milliarden-Übernahme : Bieter kämpfen um Osram

          Der Chiphersteller AMS will die Finanzinvestoren Bain und Carlyle überbieten. Aktionäre des Lichttechnikspezialisten können daher zwischen zwei Übernahmeangeboten wählen, wenn die Finanzaufsicht grünes Licht gibt. Der Aktienkurs steigt.

          Topmeldungen

          G-7-Gipfel in Biarritz : Jetzt wird es ungemütlich

          Bislang hat Donald Trump auf dem G-7-Gipfel in Biarritz alles und jeden gelobt. Doch an diesem Sonntag stehen die weltweiten Handelskonflikte auf der Agenda. Die Stimmung dürfte frostiger werden – auch bei Angela Merkel.

          Bundesbankpräsident Weidmann : „Ich sehe keinen Grund zur Panik“

          Die Aussichten für die Konjunktur trüben sich ein. Bundesbankpräsident Weidmann hält einen Großeinsatz der Geldpolitik aber für falsch. Im Interview spricht er über den drohenden Abschwung, übertriebene Angst vor Inflation – und warum die Zinsen noch tiefer sinken können.
          Der Ort Tasiilaq in Grönland

          Reaktion auf Trumps Kauf-Idee : Wem gehört eigentlich Grönland?

          Das Eis schmilzt, darunter liegen Bodenschätze – und Trump würde Grönland gern kaufen. Was die Bewohner der Insel vom wachsenden Interesse an ihrer Heimat halten, erklärt eine grönländische Filmemacherin im Interview.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.