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Dubioser Transfer : Bank of England verkaufte Nazi-Gold

Die „Bank of England“ in London Bild: dpa

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hat die britische Zentralbank dem deutschen Nazi-Regime geholfen, gestohlenes Gold aus der damaligen Tschechoslowakei zu verkaufen. Die Tatsache wurde erst jetzt bekannt und sorgt für Schlagzeilen.

          Die britische Zentralbank hat dem deutschen Nazi-Regime kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs geholfen, gestohlenes Gold aus der damaligen Tschechoslowakei zu verkaufen. Das geht aus einem internen historischen Dokument der Bank of England hervor, das erst jetzt auf der Homepage der Notenbank veröffentlicht worden ist. Deutsche Truppen hatten die Tschechoslowakei im März 1939 überfallen und das Land besetzt. Am 21. März, erhielt der Leitende Kassierer der Bank of England von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) den Auftrag, in London lagerndes Gold der tschechoslowakischen Notenbank im Wert von 5,6 Millionen Pfund (nach heutigem Wert rund 850 Millionen Euro) auf ein Konto der Deutschen Reichsbank umzuschreiben. Der Auftrag wurde laut der jetzt veröffentlichten internen Historie der Bank of England am selben Tag ausgeführt.  Die BIZ mit Sitz in Basel fungiert als eine Art Zentralbank der Notenbanken. Das der Deutschen Reichsbank zugeschanzte tschechische Gold wurde von dieser noch im März 1939 weiterverkauft. Der Zweite Weltkrieg begann wenige Monate später, im September 1939 mit dem deutschen Überfall auf Polen.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In Großbritannien sorgte der dubiose Goldtransfer von damals am Dienstag für Schlagzeilen in allen großen Zeitungen. Die Bank of England führte die politisch brisante Umschreibung der tschechischen Goldbestände offensichtlich ohne Rücksprache mit der britischen Regierung aus, obwohl der vorangegangene Einmarsch der Nazis in der Tschechoslowakei international verurteilt worden war. Nach einem Bericht der „Financial Times“ hatte die Regierung in London damals bereits angeordnet, alle in Großbritannien lagernden Vermögenswerte aus der Tschechoslowakei  einzufrieren, damit sie nicht in die Hände der Deutschen gelangen konnten.

          Der interne Bericht verschwand für mehr als sechs Jahrzehnte im Archiv

          Aus den historischen Aufzeichnungen der Bank of England geht weiter hervor, dass die britische Notenbank am 1. Juni 1939 noch eine weitere Goldtransaktion im Auftrag der BIZ ausführte. Die Notenbanker hatten in der Zwischenzeit offenbar kalte Füße bekommen und fragten dieses Mal zunächst bei der britischen Regierung an, wie sie zu dazu stehe. Auf Druck der BIZ wurde das Goldgeschäft im damaligen Wert von 440.000 Pfund dann aber doch sofort ausgeführt, ohne eine Antwort der Regierung abzuwarten.

          Die jetzt von der Notenbank veröffentlichten Dokumente sind Teil einer detaillierten internen Geschichtsschreibung der Bank of England über die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Die insgesamt rund 1800 Seiten umfassenden Aufzeichnungen wurde von einem Mitarbeiter der Notenbank im Jahr 1950 fertiggestellt. Damals wurde jedoch entschieden, sie nicht zu veröffentlichen. Stattdessen verschwanden die sieben Bände der Historie für mehr als sechs Jahrzehnte im Archiv der Bank of England.

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