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Energiewirtschaft : Droht Stromkunden ein neuer Kostenschub?

  • -Aktualisiert am

Gutachter erwarten erhebliche Kostensteigerungen auf dem Strommarkt. Bild: dpa

Neue Instrumente für mehr Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt könnten schon bald große Folgen für Stromkunden haben. Regierungsgutachter erwarten Zusatzkosten von bis zu 15 Milliarden Euro.

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          Neue Instrumente für mehr Versorgungssicherheit auf dem Strommarkt und zur Finanzierung konventioneller Kraftwerke, wie sie die Energiewirtschaft fordert, würden die Stromkunden Milliardensummen kosten. Das zeigen am Donnerstag veröffentlichte Berechnungen für das Bundeswirtschaftsministerium. Die Zusatzkosten beliefen sich je nach Instrument bis zum Jahr 2030 auf bis zu 15 Milliarden Euro, schreiben die Gutachter im „Endbericht Leitstudie Strommarkt“.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Um diesen Betrag würde die Stromrechnung der Kunden auch dann steigen, wenn es gelingen sollte, die Kostensteigerungen durch den Ökostromausbau zu begrenzen. Das entsprechende Gesetz tritt diesen Freitag in Kraft. Es sieht neben Kostenbegrenzungen den weiteren schrittweisen Ausbau der Ökostromerzeugung vor. Hinzu kommt, dass die Förderung ab 2017 von der heute geltenden, 20 Jahre garantierten Vergütung je eingespeister Kilowattstunde auf kostensenkende Ausschreibungen umgestellt wird. Allein die Ökostromförderung kostet Verbraucher dieses Jahr 22 Milliarden Euro.

          „Erhebliche Zweifel an den Wertungen der Gutachter“

          Es ist genau diese Förderung, die das Verlangen nach Hilfen der Stromwirtschaft begründet. Denn an der Strombörse muss der Ökostrom kein Geld mehr verdienen, er ist schon bezahlt. Entsprechend erhöht er den Konkurrenzdruck auf die übrigen Anbieter von Strom aus Atom-, Kohle-, Wasser- oder Gaskraftwerken. Viele von ihnen arbeiten nicht mehr wirtschaftlich und bauen auch keine neuen Kraftwerke. Weil die für eine sichere Versorgung unerlässlich seien, müssten sie mit Extrageld am Markt gehalten werde, argumentieren die Anhänger diverser Konzepte für „Versorgungssicherheits-“ und „Kapazitätsmärkte“ aus der Energiebranche und Umweltverbänden.

          Die Gutachter des Wirtschaftsministeriums halten solche Sicherungen für überflüssig. Es reiche aus, den heutigen Strommarkt zu optimieren; er gewährleiste „eine sichere und effiziente Versorgung der Verbraucher“. Zudem gebe es schon heute erhebliche Möglichkeiten, Stromnachfrage etwa für die Industrie im Notfall abzuschalten oder zu ersetzen. Zusätzliche Sicherheit böten die heute bestehenden Verbindungen ins Ausland, die zudem noch ausgebaut werden sollten.

          Hier setzt die Kritik der Energiewirtschaft an. So äußerte der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) „erhebliche Zweifel an den Wertungen und Annahmen der Gutachter“, gerade bei den Flexibilitätsvorteilen. Andere vermerken, die Studie plane trotz der von der Regierung betriebenen Kohleausstiegspolitik mit einem unverändert hohen Braunkohle-Stromanteil. Der Brancheverband der Energiewirtschaft (BDEW) sagt, die Gutachtern beschrieben „theoretische Idealsituationen, die es in der Realität so nicht gibt“.

          Sollte die Regierung an Instrumente für Versorgungssicherheit denken, empfehlen die Gutachter die Einführung einer „strategischen Reserve“, in der (Kohle-)Kraftwerke für den Notfall gegen Entgelt bereitstünden. Das Konzept hatte der BDEW als Übergangslösung empfohlen, um in einem weiteren Schritt einen „dezentralen Leistungsmarkt“ zu entwickeln. Dort erhielten die Kraftwerke nicht nur Geld für den erzeugten Strom, sondern allein dafür, dass sie dazu bereit wären. Der VKU, der das Modell präferiert, hat seinerseits ausrechnen lassen, dass die Verbraucher damit unter dem Strich weniger zahlen müssten.

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