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Landwirtschaft : Drohnen für den Bauernhof

  • -Aktualisiert am

Oktocopter sind Drohnen mit 8 Rotoren: Sie können Felder fotografieren und analysieren, wo genau welcher Dünger eingesetzt werden soll. Bild: REUTERS

Subventionierter Ökostrom hat die Landwirte reich gemacht. Trecker haben sie genug, jetzt kaufen sie Drohnen. Doch davon profitieren nur die großen Betriebe.

          Die Kunst, auch in goldenen Zeiten zu jammern, ist unter Landwirten perfekt eingeübt. Heimlich klagen sie in diesem Sommer zum Beispiel darüber, dass sie nicht wissen, was sie mit dem vielen Geld tun sollen, das ihnen die hohen Getreidepreise des vergangenen Jahres und die weiter steigenden Vergütungen oder Pachteinnahmen für Windräder, Solarpanele und Biogasanlagen auf die Konten spült. Ein älterer Agrarjournalist sagt: „Die Bauern wissen alle nicht mehr weiter, sie haben den Schuppen doch schon so voll stehen mit den neuesten Traktoren.“

          An Technik mangelt es nicht. Neue Investitionschancen bietet die Drohne. Erstmals wurden vor wenigen Tagen Flugdrohnen für die Landwirtschaft auf den Feldtagen der agrarischen Gesellschaft DLG in der Magdeburger Börde der Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr als 70.000 Euro kann so ein Octokopter kosten, der mit einer einfachen Digitalkamera versehen Hunderte Fotos von einem Flug über die Weizenfelder mitbringt. Der Computer fügt sie hernach zusammen und sagt dem Landwirt anhand einer Analyse der Grüntöne oder Lichtreflexion, an welcher Stelle wie viel Stickstoff nötig ist. Solcherlei Technik macht die Landwirtschaft effizienter. Denn sie hilft, Diesel, Stickstoff oder Pestizide einzusparen. Ebenso wie automatisch kommunizierende Traktoren und Erntemaschinen oder eine datenbasierte Optimierung der Abläufe.

          Diese steckt, anders als die laut der DLG schon von rund 1700 deutschen Landwirten eingesetzte Drohne, noch in den Kinderschuhen. Eine vom Konzern Claas finanzierte Softwarefirma namens „365 Farm Net GmbH“ wirbt damit, nun „Big Data“ auf den Bauernhof zu bringen und dem Landwirt mittels Software einen Großteil der Arbeit abzunehmen - und bald vielleicht auch Entscheidungen wie die, welches Saatgut und welchen Dünger er für seine Böden kaufen sollte.

          Immer weniger Landwirte managen immer größere Höfe

          Bleibt die Frage, wem es nützt. Antwort: Der Nachhaltigkeit - und den großen Betrieben. Big Data dürfte den Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter antreiben. Denn mittels Hochtechnologie und Daten werden immer weniger Landwirte immer größere Höfe managen können. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer, selbst Landwirt in der Börde, sagt über die Drohnentechnik: „Bei heterogenen, großen Feldern lohnt sie sich eher.“

          Für den kleineren Ackerbaubetrieb also weniger. Diese dürften vermehrt aufgeben. Tausende Höfe schließen in Deutschland ohnehin in jedem Jahr, das Land wird von den Verbliebenen meist lukrativ dazugepachtet. Gab es laut Statistischem Bundesamt 2007 noch rund 365000 landwirtschaftliche Betriebe, zuzüglich statistisch nicht erfasster Kleinstbetriebe im Nebenerwerb, waren es zuletzt rund 80000 weniger. Die verbliebenen Ackerbaubetriebe hatten in 2013 - damals zu Rekord-Getreidepreisen - allein im Jahresvergleich ihr Betriebsergebnis um mehr als 50 Prozent gesteigert.

          Die Bauern verdienen viel Geld mit Pacht für Windräder

          Der Deutsche Bauernverband, dessen Bauerntag an diesem Mittwoch im pfälzischen Bad Dürkheim beginnt und von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) und EU-Energiekommissar Günther Oettinger besucht wird, hat dieses Spitzentreffen gleichwohl den landwirtschaftlichen Familienbetrieben gewidmet. Damit die eine Zukunft haben, genügen nicht allein die üppigen EU-Subventionen, die rund die Hälfte des Familieneinkommens ausmachen, und die Ökostromerzeugung im Inland, die Landbesitzern etwa Tausende Euro Jahrespacht allein für ein Windrad bringt und ursächlich ist für den starken Anstieg der Pachtpreise für Ackerland. Innerhalb von zehn Jahren verdoppelten sie sich in etwa.

          Aber vor allem an der Entwicklung der Tierhaltung hängt die Zukunft. Die Tierhaltung ist die Achillesferse der Landwirtschaft, sie bringt den Großteil der Umsätze - auch Ackerbauern, da deren Getreide größtenteils als Tierfutter verwendet wird. Das Thema macht den Landwirten Angst, da der Appell zum Fleischverzicht mittlerweile politisch und gesellschaftlich zum guten Ton gehört. Auf dem Bauerntag wird über Fortschritte und „Herausforderungen“ in der Tierhaltung diskutiert. Eine vor einem halben Jahr von Bauernverband und Fleischwirtschaft vollmundig versprochene Tierwohlinitiative, die Millionen für innovative Bauern bringen sollte, ist noch nicht umgesetzt.

          Die moderne Landwirtschaft wird von den Bürgern, die sich dazu äußern, nicht sehr geliebt. Drohnen erreichen die Herzen nicht, gegen Tierställe gibt es Protest. Aber auch hier ist, wirtschaftlich gesehen, die bäuerliche Stimmung schlechter als die Lage: Trotz stagnierender Erlöse und sinkender Preise ist die Geschäftslage prächtig. In der Frühjahrsumfrage der DLG zeigten sich deutsche Landwirte überaus zufrieden, besser als in vielen anderen europäischen Ländern. Auch die Tierhalter. Sie wollen sogar noch mehr investieren. Sie sagen es nur nicht so laut.

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