https://www.faz.net/-gqe-7mq1b

Drohende Staatspleite : Amerika: Ukraine soll sich Geld vom Westen holen

  • Aktualisiert am

Demonstration von Exil-Ukrainern vor dem Weißen Haus in Washington Bild: AFP

Der Ukraine geht das Geld aus. Russland stoppt zugesagte Milliarden. Nun soll das Land schnell zum Internationalen Währungsfonds gehen, fordert Amerikas Finanzminister. Der steht schon bereit.

          Der amerikanische Finanzminister Jack Lew drängt die Ukraine dazu, zügig auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) zuzugehen und um Finanzhilfe zu ersuchen. Sobald eine Übergangsregierung steht, soll sich das Land um Hilfen bemühen, sagte er. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch Europa seien bereit, den Währungsfonds zu unterstützen.

          Die Ukraine braucht dringend finanzielle Hilfen, das Land steht kurz vor dem Staatsbankrott. Russland reagierte auf den am Machtwechsel am Wochenende, indem es vor Wochen zugesagte, 15 Milliarden Dollar umfassende Milliardenhilfen auf Eis legte. Die ukrainische Übergangsregierung teilte mit, das Land brauche 35 Milliarden Dollar, um einen Zahlungsausfall zu verhindern. Nach Angaben des geschäftsführenden Finanzministers Yuriy Kolobov ist die Summe nötig, um dieses und das kommende Jahr abzudecken.

          Am Samstag hatte das Parlament den Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch abgesetzt. Übergangspräsident Oleksandr Turtschinow sprach sich dafür aus, dass sich sein Land wieder Europa annähert. Die Europäische Union sagte der Ukraine zwar finanzielle Unterstützung zu, knüpft diese aber an Reformen der neuen Regierung. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton wird an diesem Montag in Kiew erwartet.

          Jack Lew

          Der Internationale Währungsfonds selbst hat bereits verlautbart, dass er bereit steht, um der Ukraine zu helfen. „Das Land ist ein vollwertiges Mitglied im IWF“, sagte Christine Lagarde, die Geschäftsführende Dirktorin des Fonds, während des Treffens der Finanzminister und Notenbankgouverneure der führenden Volkswirtschaften in Sydney am Wochenende: „Wenn die Verantwortlichen dort um Unterstützung bitten, können wir sowohl Rat bieten, wie auch finanzielle Unterstützung zusammen mit einer Diskussion von Reformen.“

          Allerdings ist die Lage auch für den IWF unübersichtlich. „Wir brauchen jemanden, mit dem wir reden können, bevor wir loslegen“, sagte Lagarde - was Lews Äußerung über die Übergangsregierung erklärt. Der britische Schatzkanzler George Osborne hatte die G20-Staaten in Sydney dazu aufgefordert, eine „sehr starke Botschaft“ an die Ukraine zu senden, indem ihr finanzielle Hilfe angeboten werde: „Sobald eine akzeptierte und legitimierte politische Autorität ausgemacht ist, sollen wir dort mit dem Scheckbuch bereitstehen, um den Menschen in der Ukraine zu helfen, ihr Land wieder aufzubauen.“

          Am Sonntag hatte auch der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier finanzielle Hilfe für die Ukraine in Aussicht gestellt. „Eine Ukraine, die bankrottgeht, die zahlungsunfähig wird, wird eine zu große Belastung sowohl für den großen Nachbarn im Osten wie für die Europäische Union“, sagte er dem ZDF.

          Weitere Themen

          Corbyns kraftloser Vorstoß

          Gegen Johnsons Brexit-Plan : Corbyns kraftloser Vorstoß

          Der Labour-Vorsitzende Jeremy Corbyn will Boris Johnson stürzen. Gute Aussichten auf Erfolg scheint er nicht zu haben. Für Johnson, der seit drei Wochen in der Downing Street 10 amtiert, kann es dennoch sehr eng werden.

          Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

          August 1989 : Als die Grenze fiel

          Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : „Wenn sie kommen, gehen wir einfach nach Hause“

          Hunderttausende protestieren in Hongkong gegen die chinesische Regierung. Von Einschüchterungen aus Peking und der Drohung, die Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, lassen sie sich nicht einschüchtern.
          Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

          Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

          Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.