https://www.faz.net/-gqe-8n88w

Nach Trumps Sieg : Muss Berlin mehr Geld für Rüstung ausgeben?

  • Aktualisiert am

Ein Leopard 2-Kampfpanzer während einer Übung. Momentan beträgt Deutschlands Wehretat 35 Milliarden Euro. Bild: dpa

Deutschland ist als Nato-Mitglied unter Zugzwang. Sollte Donald Trump als Präsident seine Drohung wahr machen, muss die Bundesregierung ihre Rüstungsausgaben erhöhen. Die Konzerne würden profitieren – meistens jedenfalls.

          2 Min.

          Die Ansage von Donald Trump ist eindeutig. Der künftige Präsident der Vereinigten Staaten hat beizeiten angekündigt, dass er die Beistandsverpflichtungen seines Landes im Militärbündnis Nato an harte Bedingungen knüpfen werde und stärkere Beiträge von den europäischen Mitgliedern erwarte.

          Der Fokus richtet sich auf Deutschland. Denn die größte Volkswirtschaft Europas gibt nur 1,2 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes für nationale Sicherheit aus. Das liegt deutlich unter dem Versprechen der Bundesregierung, zwei Prozent zu erreichen. Andere Nato-Staaten wie die Vereinigten Staaten (3,6 Prozent), Großbritannien (2,2), Griechenland (2,4) oder Estland (2,2) übertreffen die Vorgaben. Gemessen am Wehretat von 35 Milliarden Euro rangiert Deutschland unter den größten Waffeneinkäufern hinter den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich. Angesichts solcher Beiträge sei die EU nicht der Lage, „sich gegen Bedrohungen von außen zu verteidigen“, gestand Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

          Berlin wird mit Trumps Einzug ins Weiße Haus „die Lücke bis zu den zugesagten 2 Prozent schleunigst auffüllen müssen, was einer Aufstockung des deutschen Rüstungsetats von bis zu 20 Milliarden Euro gleichkommt“, sagt ein ranghoher Manager eines Rüstungsherstellers. Eine Einschätzung, die von Branchenrivalen geteilt wird. Frisches Geld für die deutschen Militärs werde jedoch weniger in den Kauf neuer Rüstungsgüter, als in die Modernisierung der bestehenden Ausrüstung fließen – deren aktueller Zustand marode ist, heißt es bei den Ausrüstern.

          Airbus warnt vor populistischen Verführern

          Die Aktie des Rüstungsherstellers Rheinmetall verzeichnete am Mittwoch ein Plus von zeitweise 6 Prozent. Die Vorlage von guten Quartalszahlen, die bei Rheinmetall auch vom Schub der Autosparte profitieren, spielten dabei allerdings auch eine Rolle. Der Düsseldorfer Konzern, der bei größeren Rüstungsvorhaben auch mit dem Konkurrenten Krauss Maffei Wegmann verbündet ist, hat 2015 rund ein Viertel seiner Rüstungsaufträge von der Bundeswehr erhalten, während die Bestellungen aus den Vereinigten Staaten nur eine untergeordnete Rolle spielten.

          Wahl in Amerika : Sorge in Deutschland nach Trump-Wahlsieg

          Die Aktie des europäischen Luftfahrt- und Verteidigungskonzerns Airbus lag am Mittwoch dagegen zeitweise mit 1,6 Prozent im Minus. Schon 2010 hatte Airbus einen Großauftrag über Betankungsflugzeuge für die amerikanischen Streitkräfte aus nationalistischen Gründen entzogen bekommen. Sollte sich der „Buy american“-Ansatz der Amerikaner unter Trump verstärken, würde Airbus von einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben durch Trump kaum profitieren.

          Im zivilen Geschäft könnte auch der Wettbewerb zwischen Boeing und Airbus schärfer werden. Im Subventionsstreit ist schon heute keine Einigung in Sicht. „Populistische Politiker bieten nur protektionistische Lösungen an. Doch die Luftfahrt braucht offene Grenzen, daher ist das eine gefährliche Entwicklung“, sagte Brian Pearce, Chefökonom des internationalen Luftfahrtverbandes Iata.

          „Wir sind Teil einer globalen Industrie“

          Airbus würde eine Aufstockung der Rüstungsetats begrüßen. Konzernchef Tom Enders fordert jedoch eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik in Europa. Der wachsende Populismus in den Abnehmerländern ist für Enders gefährlich: Wenn die Politik keine Antworten auf die Verführer mit den einfachen Rezepten fände, wäre das Modell der westlichen Demokratien bedroht, sagt er.

          Dabei käme Trump nicht so einfach an Airbus vorbei, weil der Konzern auch amerikanisch geworden sei. Airbus hat die Endmontage für einen Teil seiner zivilen Flugzeuge und Hubschrauber in die Vereinigten Staaten verlegt. „Wir sind Teil einer globalen Industrie mit globalen Zulieferketten“, sagte ein Airbus-Sprecher, „amerikanische Zulieferer profitieren davon in erheblichem Maße“.

          Wahlkampfzone Wirtschaft : Trump, Clinton und der Welthandel

          Weitere Themen

          Dax steigt auf Rekordhoch Video-Seite öffnen

          Trotz Corona : Dax steigt auf Rekordhoch

          Der Höhenflug an den Aktienmärkten hält an. Befeuert von soliden Firmenbilanzen stieg der Dax bis zum Freitagnachmittag um 1,2 Prozent auf ein Rekordhoch von 15.431,09 Punkten.

          Topmeldungen

          September 2020: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) verfolgt im Bayerischen Landtag eine Rede von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler).

          Die K-Frage der Union : Söder muss nur noch zuschauen

          Die Unterstützung in der CDU für die Kanzlerkandidatur von Armin Laschet bröckelt Stück für Stück. Umso entschlossener wirkt die CSU. Die christsoziale Kampfmaschine funktioniert reibungslos.
          Hedwig Richter, Geschichtsprofessorin an der Bundeswehr-Universität München

          Porträt Hedwig Richter : Die Pop-Historikerin

          Hedwig Richter ist ein Star der Geschichtswissenschaft. Ein neuer Ton macht ihre Bücher über deutsche Demokratie und Kaiserreich zu Bestsellern. Er stößt aber auch auf fachliche Kritik. Ein Porträt.
          Der Herausforderer: Kühlregal mit Yamo-Produkten in einem Schweizer Supermarkt

          Babynahrung : Zoff ums Gläschen

          Wie füttert man sein Baby am besten? Um diese Frage tobt ein Rechtsstreit zwischen Marktführer Hipp und dem Start-up Yamo. Er gibt einen Einblick in einen Markt, in dem vor allem Vertrauen zählt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.