https://www.faz.net/-gqe-8o675

Stellenverlagerung nach Mexiko : Trump schlägt Shitstorm gegen Gewerkschafter los

  • Aktualisiert am

Donald Trump und Mike Pence feiern sich als Retter von Stellen beim Klimaanlagen-Unternehmen Carrier. Bild: AP

Ein Gewerkschafter aus Indiana kritisiert Donald Trump. Er habe bei weitem nicht so viele Stellen gerettet, wie er für sich in Anspruch nimmt. Prompt schlägt Trump auf Twitter zurück - und tritt einen Shitstorm gegen den Mann los.

          2 Min.

          Chuck Jones kommt aus dem Mittleren Westen, genauer gesagt aus Indiana. Er ist Chef der Gewerkschaft, die die Arbeiter des Klimaanlagenbauers Carrier vertritt - es geht um die Stellen, die Donald Trump sich zu retten gerühmt hat. Eigentlich müsste Jones jubeln, schließlich hatte sich der designierte amerikanische Präsident (vermeintlich) für seine Arbeiter eingesetzt. Statt dessen hat Jones, wohl gemerkt kein großer, nationaler Gewerkschaftsboss, sondern lediglich der Chef einer Regionalgewerkschaft, jetzt handfesten Ärger mit dem gewählten Präsidenten am Hals. Denn Chuck Jones war nicht so einverstanden mit dem, was Donald Trump beim Besuch der Fabrik in Indianapolis in der vergangenen Woche gesagt hatte.

          Trump reklamiere für sich die Rettung von mehr als 1100 Stellen, doch dies sei eine glatte Lüge, echauffierte sich Jones Anfang der Woche in der „Washington Post“. Dabei seien unterm Strich nur 800 Arbeitsplätze „gerettet“ worden, deren Verlagerung nach Mexiko zur Disposition stand. 550 seiner Gewerkschaftsmitlieder verlören nach wie vor ihre Stellen, monierte Jones. Und Trump habe glatt verschwiegen, dass 350 Mitarbeiter aus dem Bereich Forschung und Entwicklung zu keinem Zeitpunkt nach Mexiko verlagert werden sollten. Trotzdem streiche Trump jetzt Applaus für die Rettung auch dieser Jobs ein - zu Unrecht. Oder in der plakativen Sprache von Jones: „I almost threw up in my mouth“ („Ich musste fast brechen“).

          Nun allerdings hat Trump kurzerhand zurückgeschlagen - und lästert auf Twitter massiv über den Gewerkschaftsfunktionär. „Chuck Jones, der Präsident von United Steelworkers 1999 hat die Arbeiter schrecklich schlecht repräsentiert. Kein Wunder, dass die Unternehmen aus unserem Land fliehen!“, twitterte der gewählte Präsident an diesem Donnerstag - rund 28.000 Likes. Und er legte nochmal nach: Wenn die Gewerkschaft zu „irgendetwas gut wäre“, schreibt Trump, „hätte sie diese Stellen in Indiana gerettet“. Er mahnte dazu „weniger zu reden“ und „mehr zu arbeiten“. Auf Twitter gab es dafür noch einmal rund 27.000 Likes.

          Damit nicht genug. Jones beschwert sich mittlerweile darüber, von anonymen Anrufern bedroht zu werden. Einer habe ihn danach gefragt, welches Auto er fahre, der nächste habe geradeheraus angekündigt: Wir werden dich kriegen. „Niemand sagt, dass sie mich umbringen wollen, aber man bekommt das Gefühl, dass man besser ein Auge auf seine Kinder haben sollte“, sagte Jones später dem Sender MSNBC.

          Der Chef des Gewerkschaftsbundes AFL-CIO in Indiana, des Dachverbandes von Jones' Regionalorganisation, kritisierte Trumps Verhalten als unverhältnismäßig. Jones verdiene „nur Pennies“ für sein gewerkschaftliches Engagement, sagte Brett Voorhies der Washington Post zufolge. Und nun verleumde ihn der gewählte amerikanische Präsident auf Twitter. „Womit dieser Mann sich herumschlagen muss, ist einfach nur verrückt.“

          Auch auf Twitter selbst erfährt Chuck Jones mittlerweile Solidarität. Unter den Hashtags #StandWithChuck und #Imwithchuck solidarisieren sich Gewerkschaftsmitglieder und andere Twitter-Nutzer mit dem von Trump gescholtenen Funktionär. Sie schrieben unter anderem, Jones habe sein Gewerkschaftsamt jedenfalls mit der Mehrheit der Stimmen erlangt - während Trump nicht die Mehrheit der Stimmen der einfachen Bürger, sondern nur die der Wahlmänner auf sich vereinen konnte.

          Amerika : Trumps Fabrikjobs kommen nicht zurück

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.