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Erfolgreich im Internet : Trump twittert und twittert

Die Kommunikationspolitik des künftigen Präsidenten Amerikas ist im Vergleich zu dem, was seine Vorgänger praktiziert haben, ungewöhnlich. Bild: dpa

Kaum einer kann das so gut wie der künftige Präsident: Knapp 17 Millionen Menschen erreichen die Botschaften, die Donald Trump über den Kurznachrichtendienst verschickt.

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          Der zum amerikanischen Präsidenten gewählte Unternehmer Donald Trump hat in den jüngsten Tagen Twitter genutzt, um einen regionalen Gewerkschaftsfunktionär, den Flugzeugbauer Boeing, China, die Chefin der grünen Partei und die Comedy-Show Saturday Night Live zu attackieren. Ferner enthielten seine Tweets der letzten Tage Hinweise über Interviews, die er gibt und gab, über die Höhepunkte der „Danke schön“-Tour, die er gerade absolviert, über Grundzüge seiner Handelspolitik, Nominierungen für Ministerposten und erste Erfolge wie die Akquise einer Großinvestition von 50 Milliarden Dollar, die laut eigenem Tweet ihm und seinem Wahlsieg zu verdanken sei.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Wer dachte, Trump würde das Kommunikationsinstrument nach der erfolgreichen Wahl ruhen lassen im Zuge des Wandels vom Wahlkämpfer zum Staatsmann, sieht sich getäuscht. Ein paar Tage vor der Wahl nur ließ sich Trump auf Twitter-Diät setzen. Die ist aber zu Ende. Die Öffentlichkeit lernt: Die Kommunikationspolitik des künftigen Präsidenten ist im Vergleich zu dem, was seine Vorgänger in der Übergangszeit zwischen Wahl und Amtsantritt praktiziert haben, ungewöhnlich. Der internetaffine Barack Obama pflegte Pressekonferenzen zu geben und Videobotschaften zu verbreiten, George W. Bush gab Pressemitteilungen heraus. Die Botschaften von Trumps Vorgängern hatten gemeinsam, dass sie sorgfältig formuliert waren und sich sorgsam ausgewählten Themen widmeten und sich in der Mehrheit an die klassischen Medien richteten.

          Trump dagegen meidet Zeitungen und Fernsehsender, abgesehen von Fox, bewusst, wie einer seiner jüngsten Tweets verrät: „Würde die Presse mich in akkurater und ehrenhafter Weise begleiten, hätte ich weniger Grund zu tweeten. Traurigerweise weiß ich nicht, ob das jemals passieren wird.“ Der Tweet bekam 136000 Herzen von Followern, die damit bekundeten, dass ihnen die Botschaft gefällt.

          Den Charme der Botschaften macht Trumps rohe Authentizität aus

          Trumps Botschaften verdanken ihren Charme einer rohen Authentizität, weniger ihrer Akkuratesse. Sie zeigen zum Beispiel seine Rachsucht und seinen Ärger über den Chef der regionalen Stahlarbeitergewerkschaft in Indiana, Chuck Jones, der Trumps Erfolg in der Rettung von Arbeitsplätzen beim Industrieunternehmen Carrier öffentlich zu schmälern wagte. Jones habe versagt als Arbeitnehmervertreter: „Kein Wunder, dass Unternehmen aus dem Land flüchten“. Der Gewerkschafter wird inzwischen nach eigenen Angaben von anonymen Anrufern bedroht und hat Sorge um seine Kinder.

          Boeing hatte Trump attackiert für nach seinen Angaben aus dem Ruder laufende Kosten für die neuen Präsidenten-Maschinen. Trumps Tweet kam wenige Minuten nachdem eine Kolumne des Boeing-Chefs öffentlich wurde, in der er Trump und die Republikaner aufforderte, ihre Rhetorik gegenüber China zu mäßigen. Der 70 Jahre alte Trump nutzt Twitter seit fünf Jahren wie ein „digital native“, er weiß, was er tut. Spätestens seit dem Vorwahlkampf, in dem er täglich zwischen zehn und 70 Tweets absonderte, zeigt er, was Twitter kann: öffentliche Debatten auslösen, die eigene Marke promoten, Erfolge herausstellen, ablenken, angreifen, beleidigen und einschüchtern. Vorausgesetzt, man beherrscht die Kunst, sich auf 140 Buchstaben zu beschränken, so gut wie Trump. Der Mann hat inzwischen knapp 17 Millionen, die seinen Tweets folgen, mehr als der noch amtierende Präsident, der 12,5 Millionen Follower vereinigt.

          Für das Unternehmen Twitter selbst ist die Entwicklung positiv. Das Unternehmen, das sich eine Dekade nach seiner Gründung im Niedergang sah, hat wieder Aufwind. Dem Chef und Gründer des Unternehmens, Jack Dorsey, ist das Ganze aber nicht geheuer: „Wir haben eine Verantwortung dafür, dass unsere Nutzer die Wahrheit erfahren. Das aber ist kompliziert.“

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