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Nach „Charlottesville“ : Konzernchefs wenden sich von Trump ab

Intel-Chef Brian Krzanich trat im Februar gemeinsam mit Donald Trump im Weißen Haus auf, um eine große Investition anzukündigen. Bild: EPA

Immer mehr Unternehmenslenker verlassen Trumps Beratergremien wegen dessen Reaktion auf die rassistischen Ausschreitungen am Wochenende. Nun auch der Chef eines riesigen Chipherstellers.

          Aufgrund der zurückhaltenden Reaktion Donald Trumps auf die rassistischen Ausschreitungen in der Stadt Charlottesville haben offenbar immer mehr amerikanische Unternehmenslenker die Nase voll von ihrem Präsidenten. Nun hat auch der Vorstandsvorsitzende des Chipkonzerns Intel, Brian Krzanich, angekündigt, sich aus einem prominent besetzten Beratergremiums Trumps zurückzuziehen, des Industrierats.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Er ist damit schon der dritte Manager innerhalb von 24 Stunden - zuvor dies der Chef des Pharmakonzerns Merck Ken Frazier und der Chef des Sportartikelherstellers Under Armour Kevin Plank. „Ich trete zurück und will damit Aufmerksamkeit auf die ernsthafte Gefahr lenken, die die politische Spaltung für wichtige Themen darstellt", schrieb Intel-Boss Krzanich auf seinem Blog. Der Gewerkschaftsverband AFI-CIO erklärte, er prüfe einen Rückzug.

          Die diversen Beratungsgremien von Top-Managern, die der amerikanische Präsident Donald Trump ins Leben gerufen hat, werden von weißen Männern dominiert. Frauen oder ethnische Minderheiten wie Afro-Amerikaner sind unterrepräsentiert, ebenso wie dies in Chefetagen amerikanischer Unternehmen der Fall ist. Wenn Trump sich mit seinen Beratern aus der Wirtschaft trifft, lässt er aber Vertreter dieser unterrepräsentierten Gruppen oft direkt neben sich sitzen.

          Trumps Probleme mit Frauen und Nicht-Weißen

          Das hat den Effekt, dass die Gremien auf den Bildern, die hinterher in Medien zu sehen sind, weniger uniform erscheinen als sie es in Wirklichkeit sind. Mary Barra, die Vorstandsvorsitzende des Autoherstellers General Motors, hatte bei Sitzungen im Weißen Haus schon mindestens zweimal den Platz direkt neben Trump. Gleiches gilt für Kenneth „Ken“ Frazier, den Afro-Amerikaner an der Spitze des Pharmakonzerns Merck & Co.

          Sich auf eine solche Beraterrolle einzulassen, ist für weibliche und schwarze Manager womöglich ein besonderer Balanceakt. Trump ist schließlich schon oft mit sexistischen Äußerungen aufgefallen, und ihm ist vorgeworfen worden, die Sympathien rechtsextremer „White Supremacy“-Gruppen zu kultivieren, die Überlegenheit von Weißen gegenüber anderen Rassen propagieren.

          Der Merck-Chef hat trotzdem zunächst beherzt die Chance ergriffen, einen direkten Dialog mit Trump führen zu können. „Danke, Mister President, es ist gut, hier zu sein,“ sagte er im Februar bei einer Sitzung im Weißen Haus. Hinterher hatte er vor laufenden Fernsehkameras nur Gutes zu berichten und lobte das große Interesse an Steuersenkungen, das Trump signalisiert habe.

          Bei einem anderen Treffen sagte Frazier zur Freude des Präsidenten, dass Merck & Co. die Produktion für ein Krebsmedikament zurück in die Vereinigten Staaten bringe. „Das ist sehr gut“, sagte Trump und schüttelte Frazier die Hand.

          Scheidepunkt Charlottesville

          Mit der Harmonie ist es nun freilich vorbei. Zu Wochenbeginn legte der 62 Jahre alte Pharmamanager abrupt seinen Sitz im „American Manufacturing Council“ nieder, von dem sich Trump Hilfe bei der Stärkung der verarbeitenden Industrie im Land verspricht. Frazier reagierte damit auf Trumps zögerliche Distanzierung von rechtsextremen Gruppen nach gewalttätigen Ausschreitungen am Wochenende im amerikanischen Charlottesville.

          Der Präsident hatte Neonazis und andere Gruppierungen weißer Nationalisten, die den Aufmarsch in der Stadt organisierten, zunächst im Gegensatz zu vielen anderen Politikern nicht ausdrücklich verurteilt, sondern nur vage von „Gewalt auf vielen Seiten“ gesprochen. Erst im Laufe des Montags ließ er sich zu einer direkten Kritik der Extremisten hinreißen.

          Für Frazier kam das zu spät. Ohne Trump direkt beim Namen zu nennen, sagte er in einer Stellungnahme, Amerikas Führung müsse jeglichen Ausdruck des Hasses und der Überlegenheit einzelner Gruppen „klar zurückweisen“.

          Tobsuchtsanfall des Präsidenten

          Es war ein riskantes Manöver, schließlich ist die amerikanische Regierung ein wichtiger Kunde von Merck & Co. Trump nahm es alles andere als gelassen hin. Noch bevor sich er sich am Montag dazu durchrang, sich ausdrücklich von Neonazis zu distanzieren, griff er Frazier mit einem sarkastischen Twitter-Eintrag an.

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