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Diskussion um Höchstlöhne : Was darf ein Manager verdienen?

Josef Ackermann. Verdienst: Ungefähr 13 Millionen Euro Bild: Helmut Fricke - F.A.Z.

Immer öfter erschallt der Ruf nach gesetzlichen Höchstlöhnen für Manager. Ökonomen sind entsetzt: „Reiner Populismus“, rufen sie - und betonen, dass höhere Gehälter doch ein Ansporn seien für die, die weniger verdienen: „Sie halten dem Esel so lange die Wurst vor die Nase, bis er rennt“.

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          Mit Hilfe des Gesetzgebers wollen immer mehr Politiker die Gehälter und Abfindungen von Managern begrenzen. Das widerspricht zwar so gut wie allen Grundsätzen einer freien Wirtschaftsordnung und des deutschen Steuerrechts, aber das kümmert die Befürworter offenbar wenig, solange es im Land gut ankommt.

          Manfred Schäfers

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Und das scheint der Fall zu sein, wie verschiedene Umfragen zeigten. Denn anders als bei den nicht minder bestens verdienenden Fußballprofis werden den angestellten Unternehmensführern ihre Bezüge vielfach nicht gegönnt. Dass Preise - und um nichts anderes handelt es sich bei den Managerbezügen - in einer Marktwirtschaft wenig mit Gerechtigkeitsempfinden und viel mit einem effizienten Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu tun haben, wird dabei gerne ausgeblendet.

          „Es ist reiner Populismus“

          Der Regensburger Ökonom Wolfgang Wiegard wendet sich gegen die Vorstellung, dass die Managerbezüge gedeckelt werden sollten. Machbar wäre es vielleicht, aber es wäre weder verständlich noch sinnvoll. „Es ist ein reiner Populismus“, kritisiert das Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. „Wir hätten dann Mindestlöhne und Höchstlöhne.“ Die Lohnfindung wäre in diesen Bereichen den Marktkräften entzogen. „Der Staat soll sich aber aus der Preisbildung auf funktionierenden Märkten heraushalten.“

          Wenn schon, dann wäre es Sache der Anteilseigner, die Entlohnungen von Managern zu begrenzen. „Für weniger Geld gibt es aber in der Regel auch nur schlechtere Manager“, warnt er. „Man sollte das aber mal zu Ende denken: Wenn die Löhne durch Mindestlöhne nach unten und durch Obergrenzen nach oben beschränkt werden, bieten sich doch eigentlich im nächsten Schritt Preisobergrenzen für Energieerzeugnisse, Mindestpreise für Agrarerzeugnisse und anderes mehr an.“ Dem fügt er nur noch hinzu: „Dann wäre die deutsche Vereinigung quasi auf den Kopf gestellt: Wir hätten auf schleichendem Wege die Wirtschaftsordnung der DDR übernommen: Der Rest ist bekannt.“

          Dafür: Künast, Lafontaine, Müntefering...

          Die Liste der Politiker, die die Zahlungen an die obersten Unternehmensangestellten aufgespießt haben, wird gleichwohl immer länger. Eine der Ersten war Renate Künast. Als Verbraucherministerin stellte sie zwar fest: „Wir leben nicht im Sozialismus und können Managergehälter nicht per Gesetz festlegen.“ Aber für die Spitzenpolitikerin der Grünen bestand kein Zweifel: „Die Millionenbezüge und Abfindungen in Vorstandsetagen sind unmoralisch.“

          Es folgte der Linke Oskar Lafontaine mit dem sittlichen Gebot, dass ein Manager nicht mehr als das Zwanzigfache des niedrigsten Einkommens im Unternehmen verdienen dürfe. Dann kam das SPD-Urgestein Franz Müntefering, der nicht nur ein Gesetz über Mindestlöhne, sondern auch über Maximallöhne verlangte. Schließlich sah der stellvertretende Vorsitzende der Christdemokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA), Gerald Weiß, Handlungsbedarf zur Begrenzung von Managerabfindungen: „Es ist nicht länger sozial-ethisch vertretbar, wenn Leute, die zum Teil Millionen in den Sand setzen, dafür fürstlich abgefunden werden.“

          ...aber auch Schäuble und Müller

          Selbst Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) reihte sich jüngst in die Reihe der Kritiker ein. Auf die Frage, ob eine gesetzliche Höchstgrenze für Managergehälter notwendig sei, antwortete der CDU-Politiker dem Magazin „Capital“: „Je mehr die Menschen sich freiwillig richtig verhalten, desto weniger muss der Staat regeln.“ Eliten hätten eine moralische Vorbildfunktion. Er ärgere sich, dass einige Unternehmen die Vorschläge der Cromme-Kommission zur guten Unternehmensführung nicht umgesetzt hätten. „Dann muss der Staat eben tätig werden, obwohl Regelungen durch den Gesetzgeber hier wie in anderen Bereichen allenfalls die zweitbeste Lösung sind“, drohte er den Managern.

          Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) legte nach. Er forderte die Wirtschaft auf, gegen zu hohe Managementgehälter und Abfindungen vorzugehen. Der Staat könne aber auch den Rahmen schaffen, „etwa mit dem Vorschlag, dass künftig überhöhte Abfindungen nicht mehr als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden können. Das ist völlig richtig.“

          „Sie halten dem Esel so lange die Wurst vor die Nase, bis er rennt“

          Der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen bezeichnete es als utopisch zu glauben, dass die Politik bestimmen kann, was eine Berufsgruppe verdienen darf. Dieses Privileg hätten die Aufsichtsräte. Auf eine kleine Spitzengruppe entfalle der allergrößte Teil des Kuchens. Das sei der Ansporn für die anderen, in diese Kategorie vorzustoßen. „Sie halten dem Esel so lange die Wurst vor die Nase, bis er rennt. Die meisten Manager arbeiten zwar nicht umsonst, aber für deutlich weniger.“

          Auch das Steuerrecht ist nach Ansicht von Fachleuten nicht der geeignete Hebel, um die Bezüge der Manager zu begrenzen. „Eine Beschränkung der steuerlichen Abzugsfähigkeit von Lohnkosten wäre völlig falsch“, erklärt Wiegard. Es käme dann zu einer Doppelbesteuerung: Zum einen würden die Löhne beim Arbeitnehmer (Manager) besteuert, zum anderen unterläge der nicht abzugsfähige Teil der Lohnkosten der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer. „Von einem solchen Unsinn ist dringend abzuraten.“

          Joachim Lang, Mitverfasser eines Standardwerks zum deutschen Steuerrecht, wies schon in der Diskussion um spritfressende Dienstwagen darauf hin, dass reine Betriebsausgaben stets voll anzuerkennen sind. Dies sei allgemein anerkannt. In seiner Habilitationsschrift hat er sich mit der Frage befasst, ob das Finanzamt auch die Anschaffung einer Drehbank aus Gold steuerlich anerkennen muss. Sein Ergebnis war: Es muss. Demnach sind auch sämtliche Lohnkosten anzuerkennen - selbst wenn sie vergoldet daherkommen.

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