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Dietmar Müller-Elmau : Angela Merkels Schlossherr

Dietmar Müller-Elmau in der Bibliothek seines Hotels. Bild: Andreas Müller

Der Besitzer von Schloss Elmau empfängt im Juni die G7. 15.000 Polizisten beschützen die Gipfelsause. Dass die Globalisierungsgegner wieder so wüten wie in Frankfurt zur EZB-Eröffnung, glaubt Dietmar Müller-Elmau nicht. Das Gelände ist zu unwegsam, der Wald ist zu dicht.

          Sieben Gäste an einem Tisch zu versammeln ist für einen Wirt ein Leichtes. Es sei denn, es handelt sich um die sieben wichtigsten Staatschefs der Welt. Dann wird’s kompliziert. Wie kompliziert, das erlebt gerade der Hotelier Dietmar Müller-Elmau.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der 60-Jährige darf Anfang Juni den G-7-Gipfel von Kanzlerin Angela Merkel in seinem Fünf-Sterne-plus-Hotel am Fuße des Wettersteingebirges ausrichten. Aber was heißt „ausrichten“ in so einem Fall? Wenn Barack Obama höchstpersönlich anreist, François Hollande, David Cameron sowie die Kollegen aus Italien, Japan und Kanada? Seit Wochen versetzt deren trautes Tête-à-Tête das Schloss in den Ausnahmezustand. „Keine andere Veranstaltung der Welt ist mit dem G-7-Gipfel vergleichbar“, tönt der Gastgeber. „Ich komme unter Tags nicht mal mehr zum Essen.“

          Dabei steigt die Gipfelsause erst am 7. und 8. Juni, die heiße Phase der Planung freilich hat längst begonnen. Vor einem Jahr hat die Kanzlerin Elmau den Zuschlag erteilt, seither bekommt der Schlossherr die Auflagen für das Großereignis diktiert.

          Schloss Elmau

          In erster Linie geht es um die Sicherheit, um den Schutz vor Terroristen wie Globalisierungsgegnern, die kürzlich bei der Einweihung der Europäischen Zentralbank in Frankfurt gewütet haben.

          Da hilft dem Schloss die Lage in der Einöde, in der Müller-Elmaus Großvater das Refugium im Jahr 1916 erbauen ließ. Im Umkreis von mehreren Kilometern findet sich nichts als Wald, Wiesen und das schroffe Bergmassiv. „Kein anderes Luxushotel ist so leicht zu sichern wie unseres“, behauptet der Enkel, den die Bilder von brennenden Autos und zerschlagenen Fensterscheiben in Frankfurt nicht aus der Fassung bringen. „Solche Bilder kennt man doch“, meint er schulterzuckend. Von Elmau wird es diese Fotos nicht geben - da ist der Hausherr zuversichtlich. Ein Sternmarsch, wie von den Protestlern geplant, sei unmöglich. Zu unwegsam das Gelände, zu dicht der Wald.

          Ein zweites Wassersystem war nötig

          Niemand, so das Kalkül der Polizei, kommt in Sichtweite an das Schloss heran, Straße und Forstwege werden gesperrt, Wanderwege und bewirtete Hütten ebenso. Sicherheit hat oberste Priorität. Was diese Losung konkret bedeutet, musste der Hotelbesitzer erst nach und nach lernen. So wurde ein zweites Wassersystem installiert. Für den Fall, dass Präsident Obama duschen möchte und irgendetwas mit dem Hotel-Wasser nicht in Ordnung sein sollte. Eine zweite Gasleitung musste her. Ein zweiter Zuweg zum Hotel, ein eigener Hubschrauberlandeplatz: Jede Menge Arbeit für Handwerker, Sicherheitsbeamte, Techniker. Es rührt sich was im Schloss.

          Eine Angestellte wurde eigens engagiert, um die vielen Gipfel-Termine zu koordinieren. Ständig fallen Grüppchen ein, um das Hotel unter die Lupe zu nehmen - aus dem Kanzleramt, dem bayrischen Innenministerium, dem Münchner Polizeipräsidium, den umliegenden Gemeinden, zwischendurch auch Vortrupps aus Washington und Kyoto.

          Am 22. Mai verliert Müller-Elmau die Kontrolle über sein Schloss: „Dann bin ich nur noch der Hausmeister, Hausherrin ist die Kanzlerin.“ Die Bundesregierung hat das Hotel im hintersten Zipfel Bayerns komplett gemietet, exklusiv für drei Wochen - und das, obwohl die Staatsgäste nur 24 Stunden vor Ort sein werden. Für 180 Übernachtungsgäste ist gebucht. „Zum normalen Tarif, ohne Aufpreis“, wie der Hausherr betont.

          Wie viel das in Euro und Cent bedeutet, verrät er nicht. Auf jeden Fall nicht mehr, als wenn ein Brautpaar das Schloss für sich und seine Hochzeitsgäste bucht oder der Porsche-Konzern hier sein neues Modell vorführt.

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