https://www.faz.net/-gqe-7qe81

Afrika : Namibia schickt sich zum Aufstieg an

  • -Aktualisiert am

Der Hafen von Durban ist stark überlastet Bild: AFP

Das Wüstenland lockt ausländische Investoren und investiert hohe Summen in die Infrastruktur. Doch es ist noch abhängig von Südafrika.

          Spricht man ihn auf den wirtschaftlichen Einfluss Südafrikas an, wird Calle Schlettwein vorsichtig. „Es ist immer schwierig, einen Nachbarn zu kritisieren, vor allem, wenn er so groß ist“, sagt der Minister für Handel und Industrie schließlich. Schlettweins Aufgabe ist es, die Industrialisierung Namibias voranzutreiben. „Vision 2030“ nennt sich der ehrgeizige Plan, der das Land aus der Abhängigkeit von Rohstoffen herausführen und eine diversifizierte Wirtschaft herbeizaubern soll. Ausländische Investoren, insbesondere solche aus Deutschland, sind dabei ausdrücklich willkommen. Schlettwein und sein Ministerium werben unter anderem mit einer relativ gut entwickelten Infrastruktur, politischer Stabilität, einer modernen Verfassung, die Privatbesitz ausdrücklich schützt, sowie der Zollunion mit Südafrika, Botswana, Lesotho und Swasiland, in der Güter frei gehandelt werden können. Genau das aber ist das Problem.

          Das namibische Wirtschaftsleben wird aufgrund dieser Zollunion und des kleinen heimischen Marktes (2,2 Millionen Einwohner) in allen Bereichen von südafrikanischen Unternehmen dominiert. Hinzu kommt, dass der namibische Dollar fest an den südafrikanischen Rand gekoppelt ist und dessen Kapriolen folglich mitmachen muss. 76 Prozent aller namibischen Importe stammen vom Kap, drei von vier landesweit operierenden Banken sind südafrikanische Institute. Benzin und den größten Teils des Stroms liefert ebenfalls Südafrika, und wenn ein gutsituierter Namibier krank wird, fliegt er zur Behandlung nach Johannesburg oder Kapstadt. „Es ist uns klar, dass Südafrika sofort reagiert, wenn wir hier Produktivität aufbauen“, gesteht der Minister.

          Namibia hat weniger soziale Unruhen als Südafrika

          Die Frage, warum sich ein Industriebetrieb in Namibia ansiedeln soll, um den großen südafrikanischen Markt zu bedienen, statt in Südafrika, um den namibischen Markt quasi nebenher abzudecken, ist trotzdem keine rhetorische: Namibia hat weniger soziale Unruhen als Südafrika, die Korruption ist nicht einmal annährend so groß wie am Kap, und die Gewerkschaften sind um einiges vernünftiger als die in Südafrika, wo Forderungen nach 100 Prozent mehr Lohn in Mode gekommen sind.

          Trotzdem muss Namibia für seine eigene Entwicklungspläne Rücksicht auf den großen Nachbarn nehmen. Ein Sozialdumping jedenfalls lehnt die namibische Regierung strikt ab. „Was uns vorschwebt, ist ein Industriemodell nach dem Vorbild von Airbus“, sagt Schlettwein. Zum Beispiel arbeitsteilige und über mehrere Länder verteilte Automobilwerke, die ihr Produkt nicht mehr als „Made in South Africa“ anpreisen, sondern als „Made in Southern Africa“. Voraussetzung aber wäre, dass Südafrika freiwillig auf Arbeitsplätze verzichtet, was angesichts der dortigen Arbeitslosigkeit ein aussichtsloses Unterfangen ist.

          Einfuhrbeschränkungen sollen vor billiger Konkurrenz schützen

          Namibia ist in der verzwickten Situation, Ziel der größten chinesischen Investition in Afrika zu sein (des neuen Uranbergwerks Husab bei Swakopmund für 2 Milliarden Dollar), jährliche Wirtschaftswachstumsraten von durchschnittlich 5 bis 6 Prozent aufzuweisen und dennoch nicht genug neue Arbeitsplätze zu schaffen, weil die Rohstoffe nicht im Land veredelt werden, sondern anderswo. Ein Problem übrigens, mit dem sich alle rohstoffexportierenden Nationen in Afrika konfrontiert sehen. „Wir wollen nicht länger am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen“, formuliert es der Minister für Handel und Industrie und spricht von „nötigem politischen Spielraum“ bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Das klingt besser als Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, obwohl genau das gemeint ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Annegret Kramp-Karrenbauer am Samstag beim feierlichen Gelöbnis neuer Rekruten zusammen mit Eberhard Zorn, Generalinspekteur der Bundeswehr

          Annegret Kramp-Karrenbauer : Mehr Unterstützung für die Ministerin, bitte!

          Als Parteichefin hat Kramp-Karrenbauer schwere Wahlkämpfe vor sich. Gleichzeitig will sie ihr Ministerium und die Truppe besser kennenlernen. Eine kaum zu bewältigende Aufgabe. Sie verdient dabei Unterstützung – gerade aus der Bundeswehr.
          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.
          Emanuel Buchmann (vorne) und Thibaut Pinot (Zweiter von vorne) bei der Tour de France

          Tour de France : Buchmanns Glanzstück am Tourmalet

          Bei der Fahrt auf den berüchtigten Tourmalet ist Thibaut Pinot am Schnellsten. Zweiter wird ebenfalls ein Franzose, der das Gelbe Trikot behält. Emanuel Buchmann landet nach einer starken Leistung auf Platz vier.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.