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Afrika : Namibia schickt sich zum Aufstieg an

  • -Aktualisiert am

Der Hafen von Durban ist stark überlastet Bild: AFP

Das Wüstenland lockt ausländische Investoren und investiert hohe Summen in die Infrastruktur. Doch es ist noch abhängig von Südafrika.

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          Spricht man ihn auf den wirtschaftlichen Einfluss Südafrikas an, wird Calle Schlettwein vorsichtig. „Es ist immer schwierig, einen Nachbarn zu kritisieren, vor allem, wenn er so groß ist“, sagt der Minister für Handel und Industrie schließlich. Schlettweins Aufgabe ist es, die Industrialisierung Namibias voranzutreiben. „Vision 2030“ nennt sich der ehrgeizige Plan, der das Land aus der Abhängigkeit von Rohstoffen herausführen und eine diversifizierte Wirtschaft herbeizaubern soll. Ausländische Investoren, insbesondere solche aus Deutschland, sind dabei ausdrücklich willkommen. Schlettwein und sein Ministerium werben unter anderem mit einer relativ gut entwickelten Infrastruktur, politischer Stabilität, einer modernen Verfassung, die Privatbesitz ausdrücklich schützt, sowie der Zollunion mit Südafrika, Botswana, Lesotho und Swasiland, in der Güter frei gehandelt werden können. Genau das aber ist das Problem.

          Das namibische Wirtschaftsleben wird aufgrund dieser Zollunion und des kleinen heimischen Marktes (2,2 Millionen Einwohner) in allen Bereichen von südafrikanischen Unternehmen dominiert. Hinzu kommt, dass der namibische Dollar fest an den südafrikanischen Rand gekoppelt ist und dessen Kapriolen folglich mitmachen muss. 76 Prozent aller namibischen Importe stammen vom Kap, drei von vier landesweit operierenden Banken sind südafrikanische Institute. Benzin und den größten Teils des Stroms liefert ebenfalls Südafrika, und wenn ein gutsituierter Namibier krank wird, fliegt er zur Behandlung nach Johannesburg oder Kapstadt. „Es ist uns klar, dass Südafrika sofort reagiert, wenn wir hier Produktivität aufbauen“, gesteht der Minister.

          Namibia hat weniger soziale Unruhen als Südafrika

          Die Frage, warum sich ein Industriebetrieb in Namibia ansiedeln soll, um den großen südafrikanischen Markt zu bedienen, statt in Südafrika, um den namibischen Markt quasi nebenher abzudecken, ist trotzdem keine rhetorische: Namibia hat weniger soziale Unruhen als Südafrika, die Korruption ist nicht einmal annährend so groß wie am Kap, und die Gewerkschaften sind um einiges vernünftiger als die in Südafrika, wo Forderungen nach 100 Prozent mehr Lohn in Mode gekommen sind.

          Trotzdem muss Namibia für seine eigene Entwicklungspläne Rücksicht auf den großen Nachbarn nehmen. Ein Sozialdumping jedenfalls lehnt die namibische Regierung strikt ab. „Was uns vorschwebt, ist ein Industriemodell nach dem Vorbild von Airbus“, sagt Schlettwein. Zum Beispiel arbeitsteilige und über mehrere Länder verteilte Automobilwerke, die ihr Produkt nicht mehr als „Made in South Africa“ anpreisen, sondern als „Made in Southern Africa“. Voraussetzung aber wäre, dass Südafrika freiwillig auf Arbeitsplätze verzichtet, was angesichts der dortigen Arbeitslosigkeit ein aussichtsloses Unterfangen ist.

          Einfuhrbeschränkungen sollen vor billiger Konkurrenz schützen

          Namibia ist in der verzwickten Situation, Ziel der größten chinesischen Investition in Afrika zu sein (des neuen Uranbergwerks Husab bei Swakopmund für 2 Milliarden Dollar), jährliche Wirtschaftswachstumsraten von durchschnittlich 5 bis 6 Prozent aufzuweisen und dennoch nicht genug neue Arbeitsplätze zu schaffen, weil die Rohstoffe nicht im Land veredelt werden, sondern anderswo. Ein Problem übrigens, mit dem sich alle rohstoffexportierenden Nationen in Afrika konfrontiert sehen. „Wir wollen nicht länger am unteren Ende der Wertschöpfungskette stehen“, formuliert es der Minister für Handel und Industrie und spricht von „nötigem politischen Spielraum“ bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen. Das klingt besser als Ein- und Ausfuhrbeschränkungen, obwohl genau das gemeint ist.

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