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Vereinigte Staaten : Das Land der unbegrenzten Steuertricks

Besonderes Verhältnis zum Geld: Nevada mit der Zockerhauptstadt Las Vegas ist ein Paradies für Glücksspieler und Briefkastenfirmen. Bild: AFP

Mit brutaler Entschlossenheit haben die Vereinigten Staaten andere Länder dazu gebracht, Steueroasen auszutrocknen. Die eigenen aber verschonen die Amerikaner. Ist das alles ein abgekartetes Spiel?

          6 Min.

          Hören Sie das gigantische Sauggeräusch?“, fragt Peter Cotorceanu. „Es ist das Geräusch des Geldes, das nach Amerika strömt.“ Zu vernehmen sei es an den diskreten Finanzplätzen, sagt der Anwalt für internationales Steuerrecht. Die Quellen des Geldes seien die Schweiz, Singapur oder Hongkong. Von dort fließe das Geld dorthin, wo es sich vor Nachstellungen am sichersten fühlen kann: in die Vereinigten Staaten. Und irgendwo in der Schweiz dürfte gerade ein geschasster Banker sitzen, der grimmig lachen muss über diesen Treppenwitz.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Denn die Vereinigten Staaten haben das Schweizer Bankgeheimnis zerstört und die Bankgeheimnisse der meisten anderen Länder gleich mit. Sie zwangen Finanzinstitute in aller Welt, die Kontodaten der amerikanischen Klienten preiszugeben mit dem hehren Ziel, die Steuerehrlichkeit herzustellen.

          Nur Amerika entzieht sich der Regulierung

          Jetzt findet das aufgescheuchte Kapital seinen sicheren Unterschlupf ausgerechnet in Amerika. Die Vereinigten Staaten sind heute der beste Platz der Welt, um sein Vermögen zu verbergen. Das war nicht so geplant, auch nicht von den Amerikanern, glaubt zumindest Cotorceanu, der Steueranwalt mit Zulassungen in der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Aber so ist es gekommen.

          Amerika ist allerdings nicht plötzlich zum Steuerparadies geworden, es war schon länger eines. Nur kristallisiert sich diese Eigenart des Landes jetzt mit greller Klarheit heraus, weil so viele Länder, deren Geschäfte auf Geheimnistuerei beruhten, heute transparenter geworden sind. Zuletzt hat ausgerechnet Panama erklärt, sich an internationale Transparenzregeln halten zu wollen.

          Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) koordiniert die Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft, Geldwäsche, Steuerflucht und Korruption auszurotten. Sie schickt gerade eine Jubelmeldung nach der anderen heraus. Zuletzt kam die Mitteilung, dass neben Panama sich nun auch Nauru, der Libanon, Vanuatu und Bahrein dem internationalen Standard zum automatischen jährlichen Austausch von Kontodaten mit anderen Ländern beugen. Damit sind jetzt 101 Länder dabei. Amerika ist es nicht. Die OECD zögert trotzdem, dem Land den Stempel Steueroase aufzudrücken: weil der Fiskus wirklich „tough“ sei, auf Anfrage durchaus Daten preisgebe und Banken zwingen wolle, die wahren Eigentümer von Briefkastenfirmen-Konten zu verraten, sagt der OECD-Steuerexperte Pascal Saint-Amans.

          Auf einer Linie mit Eritrea

          Dazu kommt, dass gerade die Vereinigten Staaten der Weltöffentlichkeit gezeigt haben, wie man Steuergeheimnisse knackt – mit Fatca nämlich. Das ist das Kürzel für den Foreign Account Tax Compliance Act oder kurz Amerikas internationales Steuerrecht, das vor allem durch seine erstaunliche Reichweite weit über die eigenen Landesgrenzen auffällig ist.

          Fatca ist selbst in gewisser Weise die Frucht einer kontroversen Regel, der zufolge Amerika nicht nur das dort erwirtschaftete Einkommen seiner Bürger und Bewohner versteuert, sondern deren weltweite Erträge. Mit diesem besitzergreifenden Globalanspruch liegt das Land voll auf einer Linie mit der Militärdiktatur Eritrea – und sonst mit kaum einer anderer Nation. Immer mehr Amerikaner, die im Ausland leben, geben wegen dieser Doppelbesteuerung ihren Pass ab. Ein deutsch-amerikanischer Anwalt, der in einer deutschen Großstadt praktiziert, plant das für dieses Jahr. Jedes Jahr macht der Mann zwei Steuererklärungen und muss für seinen amerikanischen Steuerberater dreimal so viel zahlen wie für den Deutschen. Dazu komme ein riesiger bürokratischer Aufwand. Und schließlich ist der Fiskus aus seiner Sicht unberechenbar, was ihn nicht hindere, bei falschen Deklarationen gewaltige Strafen zu erheben. Der Anwalt sagt goodbye zu seiner alten Heimat.

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