https://www.faz.net/-gqe-8ng78

Die Rückkehr der Finanzpolitik : Was Donald mit Ronald zu tun hat

Die Rolle der Notenbanken

Der sogenannte Policy-Mix änderte sich bekanntlich tatsächlich: Reagan senkte die Steuern substantiell, die Staatsschulden stiegen, die Notenbank erhöhte die Zinsen, änderte dafür sogar ihr Instrumentarium (auch wenn sie im Rückblick betrachtet über das Ziel hinausschoss), der Dollar gewann an Wert gegenüber anderen Währungen.

Unter Ronald Reagan änderte sich der „Policy-Mix“.

Rund 30 Jahre später und eine große Finanzkrise weiter reagierten die führenden Industrieländer vor allem damit, dass die Notenbanken auf den Plan traten und mit bislang nicht in diesem Ausmaß angewendeten und teilweise auch ganz neuen Mitteln Wirtschaft und Finanzmärkte stabilisierten. Umfangreiche Anleihekaufprogramme (QE), Maßnahmen, um gezielt die Kreditkonditionen zu verbessern, und sogar negative Zinssätze auf die Bankeinlagen bei der Notenbank sind hierfür Beispiele.

Amerika, Kanada, Europa

Die Fiskalpolitik hielt sich eher zurück – teils, weil die Länder sie wegen Überschuldungs-Sorgen nicht einsetzen konnten (Italien, Spanien, Portugal, Irland), teils, weil sich entscheidende Parteien blockierten (Vereinigte Staaten). Wegen der niedrigen Teuerungsrate sowohl in Amerika als auch in Europa konnte außerdem tatsächlich unterstellt werden, dass die expansive Geldpolitik irgendwie beiden großen Zielen half – einem stabilem Preisniveau und einer höheren Beschäftigung.

Nun scheint sich das langsam zu ändern, die Inflation steigt wieder leicht. Führende Vertreter der amerikanischen Notenbank wie etwa ihr Vizepräsident Stanley Fischer regen an, dass die Fiskalpolitik nun mehr und die Geldpolitik weniger tun solle. Fachleute an den Finanzmärkten glauben schon länger, die Spatzen in dieser Hinsicht von den Ministerien pfeifen zu hören – in Washington und London zumal. Es gibt die Interpretation, auch die Milde in den jüngsten EU-Haushaltsdefizitprüfungen könnten zumindest als Anzeichen in dieser Hinsicht gedeutet werden. In Deutschland hat die Bundesregierung Steuersenkungen und höhere Investitionen in Aussicht gestellt.

Schon vorgelegt, auch darauf wird verwiesen, hat die kanadische Regierung unter Premierminister Justin Trudeau. Nicht zuletzt, auch das ist erhellend, plante die unterlegene demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ein Investitionsprogramm. Und schließlich gibt es die vielfältigen Spekulationen darüber, wie die Europäische Zentralbank weitermacht – dass sie ihre umfangreichen monatlichen Anleihekäufe im kommenden Jahr, in dem etwa in Deutschland und Frankreich wichtige Wahlen anstehen, langsam zurückführen könnte, gilt als nicht unwahrscheinlich.

Das bedeutet nun andersherum nicht, dass unbedingt ein ganz extrem anderer „Policy Mix“ zu erwarten wäre; die Geldpolitik dürfte weiter eine unterstützende Rolle innehaben. Allerdings, darauf deutet zumindest gerade vieles hin, dürfte ihre relative Bedeutung sinken und die der Finanzpolitik zunehmen – ein wenig wie im Ökomie-Lehrbuch in den Kapiteln über Jan Tinbergen und Robert Mundell.

Weitere Themen

Als die Grenze fiel Video-Seite öffnen

August 1989 : Als die Grenze fiel

Die Welt hat lange stillgestanden an der ungarisch-österreichischen Grenze. Bis zum 19. August 1989. Dann, vor 30 Jahren, platzte zwischen Fertörákos und Mörbisch eine Nahtstelle des Eisernen Vorhangs – mit weitreichenden Folgen für die Region und ganz Europa.

Topmeldungen

Proteste in Hongkong : „Wenn sie kommen, gehen wir einfach nach Hause“

Hunderttausende protestieren in Hongkong gegen die chinesische Regierung. Von Einschüchterungen aus Peking und der Drohung, die Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, lassen sie sich nicht einschüchtern.
Roboter und Algorithmen übernehmen immer mehr unserer Arbeit, deswegen muss sich auch die Art der Altersversorgung ändern.

Die DigiRente : Neue Altersvorsorge für die digitale Ära

Wie die Menschen beim Einkaufen zu Anteilseignern digitaler Maschinen und Algorithmen werden und damit sinnvoll Altersvorsorge betreiben und Vermögen bilden können. Ein Gastbeitrag.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.