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Die Rückkehr der Finanzpolitik : Was Donald mit Ronald zu tun hat

Der „Mundell-Fleming-Modellrahmen“

An dieser Stelle kommt ein zweiter, viel bekannterer und noch lebender Wirtschaftsnobelpreisträger ins Spiel: Robert Mundell. Der aus Kanada stammende Ökonom hatte Tinbergens Ansatz in einen internationalen Wirtschaftszusammenhang gebracht. Er hat diesen Ziel-Mittel-Einsatz untersucht für Länder, die miteinander Handel treiben, unter festen und flexiblen Wechselkursen, mit und ohne Einschränkung des Kapitalverkehrs.

Bis heute orientieren sich an diesem „Mundell-Fleming-Modellrahmen“ unzählige wirtschaftspolitische Entscheider. Mundell arbeitete zu Beginn der sechziger Jahre für den Internationalen Währungsfonds. Damals und auch im darauf folgenden Jahrzehnt gab es eine spannende Diskussion über das Verhältnis von Geld- und Fiskalpolitik. Mundell erläuterte sie selbst vor einiger Zeit munter während einer Feierstunde zu Ehren der Wirtschaftspolitik des amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan.

Der richtige „Policy-Mix“

Auch in den sechziger Jahren verfolgten die Vereinigten Staaten die beiden Ziele einer möglichst hohen Beschäftigung und zugleich mittelfristig stabiler Preise. Mundell beschrieb die damals gegensätzlichen Positionen: Führende Ökonomen wie Paul Samuelson und James Tobin warben für eine lockere Geldpolitik, um die Beschäftigungslage zu stützen, und für Überschüsse im Staatshaushalt, um die Teuerung im Griff zu behalten. Mundell hingegen trat nach eigenem Bekunden eher für eine straffere Geldpolitik und eine expansivere Fiskalpolitik ein, plädierte für Steuersenkungen.

Kurz vor seiner Ermordung beschloss der amerikanische Präsident John F. Kennedy eine Steuersenkung.

Dieses auch und gerade, weil der Grenzsteuersatz in den Vereinigten Staaten teilweise oberhalb von 90 Prozent gelegen hatte. Mundell lobte ausdrücklich, wie Präsident John F. Kennedy schließlich umschwenkte und im Jahr 1963 (kurze Zeit vor seiner Ermordung) eine massive Steuersenkung vorbereitete, die sein Nachfolger Lyndon B. Johnson ein Jahr später schließlich unterschrieb. In den siebziger Jahren dann ging die Debatte über den richtigen Policy-Mix weiter. Mittlerweile hatten die wichtigsten Wirtschaftsnationen das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse beendet, Mitte der siebziger Jahre stieg – zumal wegen des Ölpreis-Schocks – die Teuerungsrate und ging zugleich die Arbeitslosigkeit nach oben, nicht nur in Amerika.

Die kalte Progression

Wieder stellte sich die Frage, welches Mittel die Verantwortlichen verwenden sollten für welches ihrer beiden Ziele. Mundell warb für das, was später unter dem Titel „Reaganomics“ in die Geschichtsbücher einging: Umfangreiche Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben unter Inkaufnahme steigender Schulden und eine straffere Geldpolitik, zu der er den um diese Zeit ins Amt gekommenen Notenbank-Präsidenten Paul Volcker ermutigte.

Allein in den Jahren 1979, 1980 und 1981 war die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten zweistellig, erinnerte Mundell. Viele Menschen seien dadurch schlicht in höhere Steuerklassen gerutscht, ein Beispiel für eine heftige kalte Progression. Und außerdem importierten die Vereinigten Staaten eine höhere Teuerung teilweise eben über den schwächeren Dollar-Außenwert.

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