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Japan : Langes Leiden unter billigem Geld

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Die Umverteilungseffekte der lockeren Geldpolitik haben gut sichtbare gesellschaftliche Auswirkungen. Bild: AFP

Die ultralockere Geldpolitik hat über Umverteilungseffekte einschneidende gesellschaftliche Auswirkungen. Das zeigt sich in Japan in aller Deutlichkeit. Welche Lehren sollte die Europäische Zentralbank daraus ziehen?

          Die geldpolitische Bazooka, die Notenbankchef Mario Draghi seit 2012 aufgefahren hat, greift nicht. Die Inflationsrate verharrt weiterhin nahe null. Mit ihrer geldpolitischen Entscheidung vom 10.März hat die Europäische Zentralbank deshalb nachgeladen: Der Leitzins wurde auf 0 Prozent gesenkt, das Volumen der monatlichen Anleihekäufe auf 80 Milliarden Euro angehoben und der Strafzins auf Einlagen bei der Europäischen Zentralbank auf minus 0,4 Prozent gedrückt. Wie der italienische Notenbankchef Ignazio Visco jüngst anmerkte, sind die Mittel der EZB noch lange nicht ausgeschöpft. Die Bank von Japan hat es vorgemacht, die EZB folgt immer entschlossener.

          Die Bank von Japan bekämpft seit 25 Jahren die anhaltende Krise mit einer Politik des billigen Geldes. Mit den Abenomics, einem wirtschaftspolitischen Maßnahmenpaket aus expansiver Geldpolitik, kreditfinanzierten Konjunkturprogrammen und Strukturreformen, hat Notenbankchef Haruhiko Kuroda seit 2013 die Geldschwemme nochmals deutlich forciert. Frankreichs Notenbankchef François Villeroy de Galhau hat betont, dass das, was die japanische Zentralbank seit langem tut, für Europa nicht falsch sein könnte. Immerhin sei eine schädliche Deflation verhindert worden.

          Frankreichs oberster Währungshüter spricht nicht von den zahlreichen einschneidenden unerwünschten Nebeneffekten der japanischen Geldpolitik. Denn trotz der Geld-Tsunamis ist die japanische Volkswirtschaft weder merklich gewachsen, noch hat sich Inflation gezeigt. Stattdessen ist die Staatsverschuldung explodiert, die Löhne sinken, und die Verteilungsungleichheit wächst. Wie hängt das alles mit der Geldpolitik zusammen?

          Billiges Geld erzeugt Blasen, die zunächst mit Euphorie und dann mit einschneidenden Krisen verbunden sind. Wie sich aus der Konjunkturtheorie von Friedrich August von Hayek ableiten lässt, schafft billiges Geld Anreize zu Überinvestition und Spekulation. Es werden Investitionsprojekte auf den Weg gebracht, die zwar unter den aktuellen Finanzierungskosten profitabel wirken, auf lange Frist aber nicht tragfähig sind. Wenn die Zentralbank den Zins wieder anhebt, weil die Inflation steigt, dann folgen unweigerlich der Abbruch der Investitionen und die Krise.

          Auf billiges Geld folgte der Spekulationsboom

          So auch im Fall der japanischen Blasenökonomie: Im September 1985 versuchten die G-5-Staaten mit dem Plaza-Abkommen durch eine starke Yen-Aufwertung, das Handelsungleichgewicht zwischen Japan und den Vereinigten Staaten zu beseitigen. Da die Aufwertung Japan in die Krise stürzte, senkte die Bank von Japan 1986/87 den Leitzins auf ein historisches Tief. Die Zinssenkungen halfen nicht nur die Aufwertung auszubremsen und die Produktionskosten der Exportunternehmen zu senken. Das billige Geld setzte auch einen zügellosen Spekulationsboom auf den Aktien- und Immobilienmärkten in Gang, der im Dezember 1989 seinen spektakulären Höhepunkt erreichte. Der Aktienindex Nikkei hatte sich verdreifacht. Dem Kaiserpalast wurde ein höherer Wert als ganz Kalifornien zugeschrieben.

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